Olympische Fussballturniere Rio 2016 - Männer

4 August - 20 August

Olympische Fussballturnier 2016 - Männer

Die Sehnsucht nach dem ersten Tor

© Getty Images

Zahlen können nie alles erklären, aber sie helfen dabei, einige Phänomene im Fussball besser zu verstehen. So ist es auch bei der unglaublichen Durststrecke der brasilianischen Offensive um Neymar, Gabriel Jesús und Gabriel Barbosa, die in den ersten beiden Spielen des Olympischen Fussballturniers der Männer Rio 2016 kein einziges Mal getroffen hat. Die Statistik ist eindeutig: 41 Schussversuche feuerten die Brasilianer gegen Südafrika und Irak insgesamt ab, aber nur 13 gingen in Richtung Ziel und keiner landete im Tor.

La Verdeamarela hat gerade einmal zwei Punkte auf dem Konto und läuft Gefahr, bei "ihren" Olympischen Spielen bereits in der ersten Runde auszuscheiden. Und dies mit einer Mannschaft, die dafür vorgesehen war, zu gewinnen, zu gefallen und wenn möglich Torfestivals zu feiern. Der Kader sucht nach Antworten auf die Krise. Und mehrere Akteure verweisen auf einen Aspekt:

"Es gibt eine große Sehnsucht und Ungeduld, endlich Tore zu machen, so dass wir am Ende verkrampfen, was die Moral der Spieler schwächt", sagt Renato Augusto, der erfahrenste Fussballer des Kaders. Angst und mangelndes Selbstvertrauen sind eine fatale Kombination, denn "du versuchst es, aber versuchst es doch nicht mehr richtig, weil es jedes Mal schwerer wird."

Kleine Ungenauigkeiten
Just der Mittelfeldspieler hatte die klarste Torchance, als bereits die Nachspielzeit lief. Der noch frische, in der 80. Minute eingewechselte Gabigol jagte einer Vorlage von William hinterher. In vollem Lauf drang er in den Strafraum ein und legte in die Mitte ab, als Torhüter Mohammed Hameed herauseilte. Dort befand sich Renato Augusto, der freistehend über den leeren Kasten schoss. Verzweifelt erinnerte ein brasilianischer TV-Kommentator während der Übertragung an die Maße eines Tores im Profifussball: "7,32 mal 2,44!", rief er aus.

"Ich wollte den Ball weiter vorne erreichen, aber das Zuspiel kam etwas in den Rücken. Beim Versuch, zurückzugehen und mich umzudrehen, habe ich den Ball nicht richtig getroffen", erklärt der Mittelfeldspieler.

Innenverteidiger Rodrigo Caio ist ratlos: "Es ist schwer, das zu analysieren. Wir haben Stürmer, die in ihren Vereinen herausragen, aber ich glaube, dass das Problem in der ganzen Mannschaft liegt. Wir müssen uns individuell und kollektiv verbessern."

Luan, der in beiden Partien eingewechselt wurde, um die Offensive zu beleben, macht wie Renato Augusto diese Sehnsucht nach dem ersten Tor verantwortlich: "In der ersten Partie hatten wir mehr Räume, aber in dieser nicht. Sie haben sich alle hinten reingestellt. Im Team steigt dann die Sehnsucht, das erste Tor zu machen, und die Spieler werden ungeduldig." Brasilien braucht dringend einen ersten Treffer, "damit danach alles wieder wie selbstverständlich gelingt."

Ungebrochener WilleAuch insgesamt läuft das Spiel des Teams nicht so flüssig wie erwartet, dennoch hatte Brasilien in den letzten 15 Minuten der ersten Halbzeit gegen Irak eine besonders starke Phase. "Wir hätten zwei oder drei Tore machen können", bedauert Renato Augusto. In dieser Viertelstunde brannte Brasilien ein wahres Feuerwerk ab: Ein spektakulärer Kopfball von Neymar ging daneben, ein weiterer Versuch des Superstars sowie ein Angriff von Zeka wurden vom Torhüter abgewehrt. Gabriel Jesús verpasste mit einem Schussversuch und per Kopf jeweils nur knapp, und ein Gewaltschuss von Renato Augusto klatschte an die Latte. 

"Der Ball geht vorne vorbei, hinten vorbei, wird abgeblockt - wir trainieren, wir kämpfen, am Willen liegt es nicht. Der Ball geht einfach nicht rein, doch wenn er wieder reingeht, wird er oft reingehen", spricht sich der knapp 19-jährige Gabigol Mut zu. Auch der zweite Sturmpartner Neymars, Gabriel Jesús, ist 19 Jahre alt. Könnte es vielleicht nicht einfach daran liegen, dass ein so bedeutendes Turnier die jugendlichen Akteure etwas überfordert? Rodrigo Caio glaubt das nicht: "Wir sind zwar sehr jung, aber verfügen alle über sehr große Erfahrung in unseren Klubs und müssen ruhig bleiben. Nur, weil der Ball in zwei Spielen nicht reinging, dürfen wir jetzt nicht alles negativ sehen. Ganz im Gegenteil."

Gabriel Jesús, der gegen Südafrika den Torwart schon geschlagen hatte, aber am Pfosten scheiterte, hört auf seinen Teamkameraden. "Ich weiß nicht genau, warum wir nicht gewinnen, aber Portugal hat die EURO gewonnen, obwohl sie die ersten beiden Partien unentschieden gespielt haben. Es ist noch nichts verloren."

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