Olympisches Fussballturnier der Männer Tokio 2020

Olympisches Fussballturnier der Männer Tokio 2020

22 Juli - 7 August 2021

Tokio 2020 - Männer

Beltrán: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Fernando Beltran celebrates a score against Leon
© imago images
  • Beltrán zählt zu den vielversprechenden Talenten des mexikanischen Fussballs
  • Die COVID-19-Pandemie hat seinen Aufstieg ausgebremst
  • Beltrán: "Tokio ist sehr wichtig für mich"

Fernando Beltrán ist wie ein Flugzeug, das mit laufenden Motoren auf der Startbahn steht. Der gerade einmal 22-Jährige hatte sich bereits einen Stammplatz im Mittelfeld von Deportivo Chivas Guadalajara gesichert. Dank seines großen Talents und seiner Spielübersicht hatte er gute Chancen, bei seinem nächsten großen Ziel, Tokio 2020, endgültig zu seinem Höhenflug abzuheben.

Doch die COVID-19-Pandemie hat für eine Zwangspause in seiner noch jungen Karriere gesorgt und die beruflichen Ziele mussten erst einmal hintangestellt werden. Einmal mehr bekam er die Härte des Lebens zu spüren, gegen die er sich im Laufe der Jahre schon ein dickes Fell zugelegt hat.

"Damit hatte niemand gerechnet. Tatsächlich hat mich das sehr traurig gemacht, weil die Olympia-Qualifikation bevorstand, für die ich schon berufen war. Außerdem hat man bei Chivas viel Vertrauen in mich gesetzt. Das ist eine sehr schwierige Situation, und jetzt habe ich wirklich Lust, so schnell wie möglich wieder zu spielen.

Opfer und Belohnung

Doch für El Nene (den Kleinen, wie er auch genannt wird) sind harte Prüfungen nichts Neues. Die erste musste er im Alter von 14 Jahren bestehen, als Chivas Interesse an ihm bekundete.

"Ich habe ganz schnell eine Entscheidung getroffen, weil ich mich sehr darüber gefreut habe, dass Guadalajara an mich herangetreten ist. In dem Augenblick war ich wirklich glücklich und habe gar nicht darüber nachgedacht, dass ich meine Familie durch den Umzug in eine andere Stadt nicht mehr so häufig sehen würde. Doch als ich dann hier war und in der Casa Club wohnte, hat es mich sehr belastet, dass ich meine Familie nicht sehen konnte."

Als der Wunsch, nach Mexiko-City zurückzukehren, übergroß wurde, ließen seine Familienmitglieder nicht zu, dass er einen Traum aufgab, den er schon als kleiner Junge geträumt hatte. Stattdessen packten sie die Koffer und zogen ebenfalls nach Guadalajara.

"Meine Mama hat als Reinigungskraft für ein Unternehmen gearbeitet, die Computer geputzt, die Böden gewischt ... Sie kam als erste, und dann folgte mein Bruder, der Koch ist. Am Ende zog dann auch mein Papa um, für den es schwieriger war, den Arbeitsplatz zu wechseln. Jetzt sind wir alle hier und haben begonnen, das Leben in dieser wunderbaren Stadt zu genießen. Es ist so schön, nach Hause zu kommen und sie alle dort zu treffen."

Fernando Beltran celebrates
© imago images

Fernando Beltrán im Kurzprofil

  • Geboren: 8. Mai 1998 in Mexiko-Stadt (Mexiko)
  • Körpergröße: 1,70 m
  • Position: Mittelfeld
  • Debüt: Juli 2017
  • Spielweise: Kampfstarker Spieler, der nie einen Ball verloren gibt
  • Stärken: Große Spielübersicht und präzises Passspiel
  • Vorbilder: "Xavi und Iniesta, wegen ihres Ballgefühls, ihrer Fähigkeit, sich so zu positionieren, wie das Spiel es erfordert und ihrer Kreativität "
  • Einflüsse bei Chivas: "Carlos Salcido, weil er mir beigebracht hat, den Fussball auf seine Art schneller zu verstehen, auf dem Platz reifer zu agieren und Spaß an den Spielen zu haben."

Nach vorne schauen

Jetzt lebt Fernando Beltrán mit seiner Familie in einer anderen Realität, und zwar in einer sehr positiven, in der sich ein Lebenstraum nach dem anderen erfüllt. Beltrán konnte sich nämlich bei Chivas durchsetzen und ist jetzt in der Lage, seiner Mutter etwas zurückzugeben, die schon immer einen Gastronomiebetrieb haben wollte.

"Meine Mutter kocht sehr gut. Sie hat immer davon geträumt, einen Gastronomiebetrieb zu eröffnen. Vor Kurzem haben wir das gemacht, und damit hat auch sie ihr Ziel erreicht."

Die durch COVID-19 bedingte Zwangspause nutzt Beltrán, um mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen.

"Ich bin in dieser Zeit näher bei meiner Familie. Ich bekomme mit, wie alle den Alltag angehen, helfe im Haushalt und unterstützte meine Mutter bei geschäftlichen Dingen ... Das hat mir sehr gut getan, weil meine Familie mich auch sehr unterstützt hat, obwohl ich nicht das tun konnte, was mir am meisten Spaß macht, nämlich Fussball spielen. Sie haben mir gesagt, dass es schon bald wieder losginge und dass ich mich gut darauf vorbereiten soll. Das Leben ist anders, wenn wir nicht Fussball spielen können, es ist komplizierter, und deshalb bin ich sehr dankbar."

Doch sein Traum ist deshalb nicht etwa ausgeträumt. Er will noch immer unbedingt in Tokio dabei sein. "Das ist ganz wichtig für mich, ein riesiger Schritt in Richtung A-Nationalmannschaft und auch wichtig für meinen Wunsch, nach Europa zu wechseln. Tokio ist eine gute Schaubühne, wenn wir dort eine gute Rolle spielen und erst recht, wenn wir eine Medaille gewinnen", meint er abschließend.

Mehr zu diesem Thema erfahren

Empfohlene Artikel

Mexiko krönt sich im Aztekenstadion

FIFA U-17-Weltmeisterschaft 2011

Mexiko krönt sich im Aztekenstadion

15 Okt 2013

Estadio Azteca

FIFA Weltmeisterschaft™

Das Aztekenstadion: Mexikos Fussballtempel

31 Mai 2020

Match winner Emmanuel Amunike of the Nigeria football team kisses his gold medal after the team beat Argentina 3 - 2 in the final of the Men's football tournament at the 1996 Summer Olympics 

Tokio 2020 - Männer

Afrikas Olympische Gold-Erfolge

12 Mrz 2020