Olympisches Fussballturnier der Männer Tokio 2020

Olympisches Fussballturnier der Männer Tokio 2020

22 Juli - 7 August 2021

Tokio 2020 - Männer

 Alfonso Pérez und seine Erinnerungen an 1992

Spain national team during a match in Barcelona 1992 Olympic Games
© Others
  • Alfonso war Mitglied des spanischen Teams, das in Barcelona die Goldmedaille holte
  • Er erzählt vom emotionalen Erlebnis der Teilnahme an den Olympischen Spielen
  • Bei den Spielen von Tokio 2020 sieht er Argentinien als größten Rivalen

Olympische Spiele wecken bei den Sportbegeisterten in Spanien von jeher schöne Erinnerungen. In einem Land, dessen Fans sich vor dem Fernseher versammeln, sobald ein spanischer Teilnehmer in irgendeiner Disziplin an den Start geht, verwundert es nicht, dass es denkwürdige Augenblicke gibt, an die sich viele erinnern.

Es gibt in der Tat einige Momente, die ganz besonders herausragen. Einer dieser ganz besonderen Momente war der Gewinn der Goldmedaille durch die spanische Auswahl beim olympischen Fussballturnier der Männer von Barcelona 1992. Nach so vielen Enttäuschungen hatte Spanien endlich einen ganz besonderen Titel gewonnen.

Ganz besondere Erinnerungen

Das Camp Nou war bis zum letzten Platz gefüllt, an jenem 8. August des Jahres 1992, um die spanische Auswahl zu unterstützen. Unvergessen der Augenblick, als sich das gesamte Team auf Kiko Narváez stürzte, als er das 3:2 gegen Polen erzielt hatte. Diese Bilder sieht jeder spanische Fan vor sich, wenn sich wieder ein olympisches Turnier nähert. "Ich kann mich an all das noch mit großer Freude erinnern. Es weckt viele Emotionen. Das Stadion war voll, es war das Endspiel, die ganze Welt blickte auf uns … Und am Ende ging alles gut", erinnert sich Alfonso Pérez, einer der Protagonisten jenes Teams, im Gespräch mit FIFA.com.

Gerade einmal zweieinhalb Monate vor dem großen Turnier in Tokio unterhalten wir uns mit ihm über eine Medaille, die jene Generation so sehr beeinflusst und zahlreiche Anhänger des Fussballs im Land geprägt hat. Endlich einmal schaffte es La Roja, bei einem großen Turnier zu glänzen, und das in einem schwierigen Sommer, in dem Spanien sich nicht für die Endrunde der UEFA EURO in Schweden qualifiziert hatte.

1992 Olympic Games, Barcelona, Spain, Football Final, Spain 3 v Poland 2, Spain's Kiko is tackled by Poland's Piotr Swierczensk
© Getty Images

Für einige Spieler des damaligen Teams sollte es der Beginn einer großen Karriere mit vielen Titeln werden, wie zum Beispiel Pep Guardiola, Kiko, Santi Cañizares, den gegenwärtigen Trainer der spanischen Auswahl Luis Enrique oder auch Alfonso selbst. Der Gewinn der Goldmedaille für sein Land bleibt jedoch immer etwas Besonderes.

"Es ist wie der Titelgewinn in der Champions League oder bei einer Weltmeisterschaft. Ich habe in Spanien schon Meisterschaften und den Pokal - die Copa del Rey - geholt, aber sich eine Goldmedaille umzuhängen, ist einfach wunderbar und sehr emotional. Das ist etwas Besonderes, denn es ist sehr schwierig, diesen Titel zu holen, da das Turnier nur alle vier Jahre ausgetragen wird", erzählt uns Alfonso, ehemaliger Angreifer unter anderem bei Real Madrid, dem FC Barcelona und Real Betis.

Ein Fussballspieler kann große Augenblicke in seiner Laufbahn erleben, aber eine Teilnahme an Olympischen Spielen ist etwas ganz Besonderes, erst recht, wenn diese im eigenen Land stattfinden. Das bestätigt auch Alfonso: "Ich habe sehr schöne Erinnerungen an diese Zeit, es waren ganz besondere Olympische Spiele. Wir waren eine sehr junge Mannschaft mit Spielern, die bereits in der ersten Liga zum Einsatz kamen, und am Ende hatten wir das große Glück und holten Gold."

Das Besondere an Olympischen Spielen

Spanien hat in der Geschichte der Olympischen Spiele immer wieder große Augenblicke erlebt. Diese Goldmedaille war jedoch etwas ganz Besonderes. Sie war der Auftakt zu weiteren Erfolgen. Es war ein Turnier, das das gesamte Land bewegte. Da es dazu noch die beliebteste Sportart war, blieb der Triumph für immer im kollektiven Bewusstsein und wirkte sich auch das Selbstbewusstsein der Vertreter des spanischen Fussballs aus: "Wir mussten einfach gewinnen. Wir hatten immer schon ein gutes Team gehabt, aber das reicht nicht aus, um große Titel zu holen. Wir verspürten dieses Mal einen besonderen Druck, denn wir spielten in Spanien. Die Mannschaft war stark und die Erwartungen, die man in uns setzte, waren hoch", erzählt Alfonso.

Olympische Spiele sind aufgrund der Altersbeschränkungen des Olympischen Fussballturniers praktisch einmalig im Leben jedes Spielers. Aus diesem Grund war der Gewinn der Goldmedaille etwas Einzigartiges: "Es war ein ganz besonderes Turnier und eine einmalige Gelegenheit. Wir mussten alles geben, es ging um die Goldmedaille. Im Gegensatz zu Europa- oder Weltmeisterschaften, bei denen du öfters dabei sein kannst, wirst du nur einmal im Leben an Olympischen Spielen teilnehmen."

Die Eröffnungszeremonie und auch die Begegnungen mit den Stars anderer Sportarten sind einige der Gründe dafür, dass Olympische Spiele für alle, die daran teilnehmen, ein besonderes Flair haben. Daran erinnert sich auch Alfonso: "Wir trugen alle unsere einheitliche Kleidung, drehten unsere Runde im Stadion, vor all den Zuschauern … sahen Athleten aus aller Welt, große Stars, wie die Spieler der NBA, oder auch andere Olympiasieger. Es war schon sehr beeindruckend, so viele Leute zu sehen, die man sonst nur aus dem Fernsehen kannte."

Spain national team after receiving the gold medal in Barcelona 1992
© Others

Argentinien, der große Gegner in Tokio

Auch wenn in fussballerischer Hinsicht ein Olympisches Fussballturnier immer etwas im Schatten von Weltmeisterschaften oder kontinentalen Meisterschaften steht, hat es doch auch einen ganz besonderen Zauber: "Ich kann nur allen jungen Spielern, die dabei sein können, raten, diese Erfahrung zu machen. Es ist ein schönes Turnier. Sie werden in ein anderes Land reisen, eine fremde Kultur kennenlernen, mit einer neuen Küche, anderen Anlagen, es wird ein unvergessliches Erlebnis sein", meint Alfonso im Gespräch mit FIFA.com zur Chance auf die Teilnahme an diesem Turnier angesprochen.

Dieses Jahr tritt eine starke Generation spanischer Spieler an, um in die Fußstapfen der Sieger von Barcelona 1992 zu treten. In Sydney 2000 hatte Spanien die Goldmedaille denkbar knapp verpasst. Im bevorstehenden Sommer wollen sich die Iberer für das Fehlen in Rio 2016 revanchieren. Einfach wird es ganz sicher nicht werden, warnt Alfonso: "Es ist eine schwierige Gruppe, das gilt vor allem für Argentinien. Sie haben eine besondere Mentalität, sind kampfstark und wollen immer gewinnen. Sie sind weltweit der Maßstab, ein Team, das man immer im Auge haben muss, vielleicht der gefährlichste Gegner. Sie sind immer ein Kandidat für den Titelgewinn."

Alfonso bezieht sich dann jedoch nicht nur auf den Fussball, sondern auf jede Sportart, und gibt den Teilnehmern eine besondere Botschaft mit: "Das olympische Flair ist etwas ganz Besonderes. Es gibt Athleten der verschiedensten Disziplinen. Es ist nicht wie bei einer Europa- oder Weltmeisterschaften, an der man kaum das Quartier verlässt. Ob man nun eine Medaille gewinnt oder nicht, es ist eine Erfahrung, die man in vollen Zügen genießen muss. Für jeden jungen Sportler ist es überaus wichtig, einfach nur dabei zu sein."

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