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Stellungnahme der FIFA zur ZDF Zoom Reportage vom 2. April 2014

(FIFA.com)
 Shadows of reporters are seen next to the FIFA logo outside the FIFA headquarters
© Getty Images

Am Mittwoch, 2. April 2014, hat das ZDF die Reportage "Das Fussball-Imperium - Die Geschäfte der FIFA" ausgestrahlt. Walter De Gregorio, FIFA Direktor Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, bezieht Stellung:

Mit Interesse haben wir am Mittwoch Ihre Reportage "Das Fussball-Imperium - Die Geschäfte der FIFA" in der Reportagereihe ZDF Zoom gesehen. Wir möchten festhalten, dass Ihr Beitrag abermals (siehe unter anderem Brief vom 4. April 2012) sehr einseitig und tendenziös ist. Somit stellt sich die Frage – wenn wir denn schon über die Verwendung öffentlicher Gelder sprechen –, ob dies der Qualitätsstandard öffentlich finanzierter Beiträge des ZDF ist. Das FIFA-Bashing jedenfalls scheint Ihnen wichtiger als die korrekte Darstellung der Fakten zu sein. Untenstehend haben wir einige Ihrer falschen oder irreführenden Behauptungen aufgelistet und die korrekten Fakten dazu angeführt.

1. Komplette Steuerbefreiung im WM Gastgeberland: FALSCH
a. Primär geht es hierbei um die Doppelbesteuerung und das Verhindern von Formalitäten. Doppelt besteuerte Erträge würden vom Gastgeberland zurückgefordert werden können, dies wird mit der Garantie verhindert.
b. Die FIFA bezahlt unter anderem in Brasilien Steuern auf die Ticketverkäufe.
c. Die einträglichen TV- und Marketingdeals werden in der Schweiz abgeschlossen und sind daher auch in der Schweiz steuerrelevant.

2. Geschätzte Kosten für das Gastgeberland: 300 bis 900 Millionen Euro, und alles muss von Steuern bezahlt werden; die FIFA bezahlt nichts: FALSCH
a. Gemäß einer Studie von Taylor Wessing generiert die WM in Brasilien zusätzlich 16,8 Milliarden Reais Steuereinnahmen. Ähnliche Werte ergaben Studien von Ernst&Young sowie der brasilianischen Steuerbehörde.
b. Es entstehen durch die WM über 300.000 neue Dauerarbeitsplätze.
c. Brasilien investiert 8 Milliarden Reais in die Stadien. Dabei beteiligt sich die brasilianische Bundesregierung lediglich über öffentliche Anleihen an den Stadien, die mit einem festgelegten Zinssatz von den privaten Stadionbetreibern zurückgezahlt werden. Im gleichen Zeitraum hat Brasilien übrigens 700 Milliarden Reais in Gesundheit und Ausbildung investiert. Es war der Vorschlag Brasiliens, die WM in zwölf Stadien durchzuführen; die FIFA selber verlangt mindestens acht Stadien. Die FIFA selber wendet für die Durchführung der WM 1,5 Milliarden U.S.-Dollar auf, dieses Geld wird ausschließlich im privatwirtschaftlichen Rahmen erwirtschaftet (Verkauf der TV- und Marketingrechte). Von diesem Betrag fließen mehr als 800 Millionen U.S.-Dollar direkt in die brasilianische Wirtschaft.
d. Die FIFA kassiert keine öffentlichen Gelder. Hingegen investiert die FIFA einen großen Teil der Einnahmen in Entwicklungsprojekte, ohne die viele der Mitgliederverbände gar nicht erst Fussball spielen könnten. Das sind pro Tag fast 550.000 U.S.-Dollar – und in der nächsten Periode von 2015 bis 2018 sogar über 600.000 U.S.-Dollar.

3. Tickets für die Menschen in den Favelas sind nicht bezahlbar: FALSCH
a. Mehr als 300.000 Tickets, also ca. 10% des gesamten Kontingents, waren exklusiv für die brasilianische Bevölkerung zu vergünstigten Preisen erhältlich (Kosten ab 30 Reais)

4. Der FIFA-Kongress wählt das FIFA-Exekutivkomitee: FALSCH
a. Das FIFA-Exekutivkomitee setzt sich zusammen aus dem FIFA-Präsidenten, der vom Kongress jeweils im Jahr nach der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ gewählt wird, acht Vizepräsidenten und 15 Mitgliedern. Der FIFA-Präsident wird durch den FIFA-Kongress gewählt.
b. Die acht Vizepräsidenten (je einer pro Konföderation; Ausnahme UEFA: drei Vizepräsidenten) werden durch die Konföderationen gewählt und durch den FIFA-Kongress eingesetzt. Dies gilt auch für die 15 weiteren Mitglieder im FIFA-Exekutivkomitee.
c. Neben dem FIFA-Präsidenten wird nur das weibliche Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees durch den Kongress gewählt. (siehe FIFA-Statuten auf FIFA.com)
d. Das FIFA-Exekutivkomitee vergab die FIFA Fussball-Weltmeisterschaften bis und mit 2010 (und die Turniere 2018 und 2022). In Zukunft werden die Weltmeisterschaften – dies als Teil des Reformprozesses – vom FIFA-Kongress vergeben.

5. Interview mit Roland Rino Büchel (SVP-Nationalrat SG)
a. Falscher Fakt: FIFA-Präsident Blatter hat Einzelunterschrift über alle Konten. Zum Zeitpunkt des Interviews hatte FIFA-Präsident Blatter die Einzelunterschrift in der FIFA und in der FIFA-Marketing AG. Büchel begrüßt es, dass dies heute nicht mehr so ist. (Im Handelsregister ist zu sehen, dass FIFA-Präsident Blatter "mit Kollektivunterschrift zu zweien" registriert ist)
b. Falscher Fakt: Dreistellige Millionengewinne pro Jahr. (Korrekt: Gewinn 2011: 36 Millionen U.S.-Dollar; Gewinn 2012: 89 Millionen U.S.-Dollar; Gewinn 2013: 72 Millionen U.S.-Dollar)
c. Falscher Fakt: Roland Büchel wird als ehemaliger FIFA-Angestellter vorgestellt. Korrekt ist, dass Herr Büchel für die ISL, für die Fifa Marketing AG und die CAF Marketing AG gearbeitet hat, nicht aber für die FIFA.

6. Reformen werden von der FIFA gebremst und von Europa angetrieben: FALSCH
a. Das Gegenteil ist der Fall, wie auch Aussagen von Mark Pieth unterstreichen: "Die ganze Reformbewegung der FIFA wurde vielmehr vom Kopf ins Rollen gebracht. Blatter hat klar gesagt, dass er das machen will. Nicht aus heiterem Himmel, er hat den Druck gespürt. Aber er hat es gemacht. Das ist das Entscheidende." (Interview in "Die Südostschweiz", 1. November 2013)
b. Betreffend Alters- und Amtszeitbeschränkung wurde die Abstimmung am FIFA-Kongress 2013 zurückgestellt, weil ein Konsens nicht realistisch war und eine Ablehnung tatsächlich dem Reformprozess entgegengetreten wäre. Über diesen Reformschritt soll nun am FIFA-Kongress 2014 abgestimmt werden. Es steht ein Vorschlag mit einer Amtszeitbeschränkung von drei Amtszeiten à vier Jahre zur Debatte.
c. Die Gehälter der leitenden Organe werden von einer Subkommission des FIFA-Finanzkomitees festgelegt. Diesem gehören drei Personen an: Domenico Scala (unabhängiger Vorsitzender der Audit und Compliance Kommission), Jean-Pierre Pedrazzini , zweites unabhängiges Mitglied (Partner bei Egon Zehnder International), und Julio H. Grondona (Vorsitzender des FIFA-Finanzkomitees).

7. Chefankläger wird von der FIFA bezahlt und ist deshalb nicht unabhängig: FALSCH
a. Die Unabhängigkeit der unabhängigen Personen in der Ethik- bzw. Audit und Compliance-Kommission sollte aufgrund deren Expertise, beruflichen Erfahrung und Integrität außer Frage stehen.
b. Die Vergütung/Entschädigung wurde in der Vergangenheit bereits ausgiebig diskutiert: Jede berufliche Tätigkeit, die den höchsten professionellen Ansprüchen entsprechen soll, gebührt auch eine Entschädigung. Entschädigungen haben mit Unabhängigkeit nichts zu tun.
c. Aussage Mark Pieth zum Thema: "Jedes Komiteemitglied bekommt pro Sitzung inklusive Anreise eine Entschädigung. Ich wollte nicht, dass die FIFA meine Leistungen gratis bekommt. […] Mit Unabhängigkeit hat das nichts zu tun. Finanzaufseher in Unternehmen sind in ihrer Arbeit auch unabhängig und werden dafür bezahlt. […] Wir sind keine internen Berater der FIFA. Wir sind auch keine Angestellten der FIFA."

8. Die FIFA hat Anfragen von Markus Harm (ZDF) ignoriert: FALSCH
a. Der Medienabteilung ist eine schriftliche Einladung des ZDF bzw. von Markus Harm für "das aktuelle Sportstudio" vom 30. September bzw. 1. Oktober bekannt. Diese Anfrage hat die Medienabteilung beantwortet und nicht ignoriert. Seither gab es keine Anfrage mehr.
b. Herr Markus Harm war auch nicht an der Pressekonferenz nach dem Meeting des FIFA-Exekutivkomitees am 21. März 2014 in Zürich anwesend und konnte folglich auch nicht übergangen werden, als er eine Frage stellen wollte.

*Dass Sie für Ihre neuen Erkenntnisse auf Aussagen zurückgreifen, die offensichtlich ein Jahr alt sind und auch schon im letzten Jahr in einem ähnlichen Beitrag ausgestrahlt worden waren, dient nicht der Aufklärung. *

Außerdem wurden mehrere Interviews gezeigt unter der Vorspiegelung, dass diese aktuell seien. So machte der Engländer Lord David Triesman seine Aussage vor einem Jahr. Das Interview mit Roland Büchel wurde im Oktober 2013 aufgezeichnet. Der interviewte Büchel räumt ein, dass ein Teil seiner Aussagen nicht mehr aktuell ist und er mit seinem heutigen Wissenstand diese auch so nicht mehr machen würde.

Um es nochmals klar festzuhalten. An sachlich fundierter Kritik an der FIFA haben wir nichts auszusetzen, auch wollen wir nicht die journalistische Freiheit in irgendeiner Weise beeinträchtigen. Wir wehren uns aber gegen falsche Behauptungen, die als Fakten – zumal in einem öffentlich-rechtlichen Sender – dargestellt werden.

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