Als die EURO 2016 begann, wusste keiner genau, was von der isländischen Auswahl zu erwarten sein würde. Gewiss, sie hatte auf dem Weg nach Frankreich die Niederländer ausgeschaltet, aber was ist wohl bei der Endrunde für sie drin? Drei Wochen später hat das Team von Lars Lagerbäck eine unauslöschliche Spur hinterlassen. Und die Erinnerung an seine Fans mir ihren grandiosen "Huh!"-Rufen wird noch lange Zeit nachhallen.

Die Nordmänner warfen in Gruppe F Österreich aus dem Turnier und ließen die portugiesische Elf um Cristiano Ronaldo hinter sich. Im Achtelfinale gelang ihnen ein historischer Sieg gegen England, bevor sie im Stade de France schließlich das Gastgeberteam herausforderten.

All diese schönen Momente haben sich für immer in die Erinnerung der 23 Spieler eingebrannt, denen dieses Husarenstück gelang. Nach dem Ende ihres Abenteuers durch eine 2:5-Niederlage gegen Frankreich in Saint-Denis teilten sie ihre Eindrücke mit FIFA.com.

Erhobenen Hauptes
"Es sind widersprüchliche Gefühle", begann der Torwart Hannes Halldórsson. "Eine so hohe Niederlage hatten wir nicht erwartet, weshalb wir enttäuscht sind. Es wird ein wenig dauern, das zu verdauen. Doch insgesamt sind wir sehr zufrieden mit dem, was wir erreicht haben. Wir haben unglaubliche Momente bei diesem Turnier erlebt. Die Menschen in Island freuen sich sehr mit uns."

Sein Kapitän Aron Gunnarsson pflichtete diesen Worten bei: "Wir sind trotz der Niederlage heute sehr stolz auf unsere Leistung. Ich glaube, dass wir nach einer sehr schweren ersten Halbzeit gezeigt haben, zu was wir in der Lage sind, und unserem Publikum noch etwas Freude bereiten konnten."

In Wahrheit erreichte diese Freude weitaus mehr Menschen als nur ihre Landsleute, wie er selbst anerkannte. "Wir haben Nachrichten aus der ganzen Welt erhalten. Wir bekamen aus den entlegensten Winkeln des Planeten Unterstützung. Ich weiß, dass die Menschen Außenseiter lieben, aber es übertraf alle unsere Erwartungen. Wir fühlen uns sehr geschmeichelt", ergänzte Gunnarsson dankbar.

Halldórsson wiederum räumte ein, dass das Erreichen des Viertelfinales sogar für sie selbst überraschend kam. "Es war ein Traum, aber ehrlich gesagt haben wir das nicht erwartet. Schon bis hierher zu kommen war ein exzellentes Ergebnis, aber dann gelang uns ohne Niederlage der Einzug in die K.o.-Runde. Der Sieg gegen England war historisch", sagte der Torhüter. "Leider kam gegen Frankreich das Aus, aber ich bin mir sicher, dass wir gerne an das Turnier zurückdenken werden."

Großer Ehrgeiz
Im Gegensatz zu seinen Teamkameraden hatte Alfred Finnbogason durchaus mit diesem Erfolg gerechnet. Grundlegend dafür sei die Einstellung des Teams gewesen. "Es mag seltsam klingen, aber wir wussten, dass wir hier sehr gut abschneiden konnten", erklärte der Stürmer. "Es ist unsere Art und Weise, an die Dinge heranzugehen, wir waren immer sehr optimistisch. Wir ziehen es vor, die Hindernisse auszublenden. Stattdessen achten wir auf die Möglichkeiten und konzentrieren uns auf das, was wir können."

Der Augsburger Spieler fand auch freundliche Worte für die Fans, die ebenso historisch wie sie selbst waren. "Am Schluss war es sogar ein wenig verrückt. Es war unglaublich für uns, ihnen Freude zu bereiten", sagte er gerührt. "Ich hoffe, dass dieses Ergebnis unsere Kinder inspiriert. Und dass kommende Generationen übertreffen werden, was wir in diesem Monat erreicht haben."

Leidenschaftlich fiel auch der Kommentar von Gilfy Sigurðsson aus. "Es war unser Traum, hier eine gute Leistung zu zeigen. Wir haben etwas Fantastisches erreicht - wir waren unter den besten Acht des Turniers!", betonte er. "Wir können es noch gar nicht richtig glauben und es ist schade, dass es vorbei ist, aber es war unglaublich."

Emotionale Worte, die emotionale Augenblicke zusammenfassen. Niemand wird das isländische Abenteuer so schnell vergessen. Aber wird es denn das letzte Mal gewesen sein, dass wir von diesen mutigen Männern hören?

"Auf keinen Fall!", sagte Finnbogason zum Abschied. "Wir wollen uns damit nicht zufrieden geben. In Kürze beginnt die Qualifikation für Russland 2018. Wir werden sehr bald wieder mit den Füßen auf dem Boden stehen und uns darauf konzentrieren. Wir wollen weiter Geschichte schreiben", versprach er.

Und die Fussballfans werden erneut die rhythmischen "Huh!"-Rufe hören, die zum Abschied aus den Kehlen von über 10.000 Menschen in Reykjavik erklangen und mit der Marseillaise aus dem Stade de France konkurrierten.