ZUSAMMENFASSUNG DES SPIELTAGES – Italien war Spanien in allen Belangen des Spiels überlegen und trifft nun im Viertelfinale auf Deutschland – eine weitere Größe des europäischen Fussballs, aber auch Lieblingsgegner der Azzurri bei Turnieren. Island straft derweil weiter alle Statistiker Lügen und wirft Engländer ohne Ideen und ohne individuelle Klasse aus dem Rennen. FIFA.com bringt die beiden letzten Achtelfinals der UEFA EURO 2016 auf den Punkt.

Die Ergebnisse
Italien – Spanien 2:0
England – Island 1:2

Die Analyse
Schulmeisterliche Italiener, Teil 2: Spanien erhielt die gleiche Fussball-Lehrstunde wie schon Belgien in der Gruppenphase. Die Iberer spielten letztlich genau so, wie die Italiener es wollten. Unfähig, die geduldige gegnerische Defensive auszuhebeln, verkrampfte die Roja zunehmend in ihren Offensivbemühungen, bis ihr schließlich Präzision und Ideen ausgingen und nur noch einfallslose Flanken geschlagen wurden, die die italienischen Verteidiger mühelos klären konnten. Doch die Squadra azzurra verhinderte nicht nur Fussball, sie spielte ihn auch – und zwar vornehmlich über die Flügel und sehr konsequent vor des Gegners Tor. Mattia De Sciglio und Alessandro Florenzi wussten genau, was sie zu tun hatten und sie taten es mit Bravour. Ihre Vorstöße waren durchdacht und stets perfekt inszeniert. Giorgio Chiellini war es schließlich vorbehalten, die Überlegenheit nach etwas mehr als einer halben Stunde in Zählbares umzumünzen, wie es der auch diesmal wieder immens laufstarke Emanuele Giaccherini im Spiel gegen Belgien getan hatte. Italien hätte seine Führung danach noch mehrfach ausbauen können, aber David De Gea parierte jeweils glänzend. Doch Italien glänzte nicht nur als Mannschaft sondern auch individuell. Immer wenn er gefordert war, vereitelte Gianluigi Buffon die spanischen Chancen. Er frustrierte dabei Andrés Iniesta ebenso wie Gerard Piqué. Und als sich Graziano Pellè in der Nachspielzeit die Chance zur endgültigen Entscheidung bot, vollendete er sie wie schon gegen Belgien mit einem entschlossenen Volley. Auf Antonio Conte und seine gelehrigen Schüler wartet nun ein nächster Härtetest gegen Deutschland im Viertelfinale.

Wo soll das mit Island noch hinführen? England jedenfalls hätte auf der Hut sein sollen. Aber nur die britischen Fans waren es. Diese hatten an die Adresse ihrer Lieblinge gerichtet schon beim Aufwärmen ein "Don't take me home" angestimmt. Nach vier Minuten und einem verwandelten Strafstoß von Wayne Rooney sah es auch ganz so aus, als würden die Three Lions auf ihre Anhänger hören und hätten die Botschaft verstanden. Doch nach dem frühen Rückstand nahmen die Isländer ihren Mut zusammen und spielten mit genau jenem Mannschaftsgeist, der sie nicht erst seit Beginn der Europameisterschaft stark macht. Zunächst machte Ragnar Sigurdsson beim Ausgleich wieder einmal nicht viel Federlesens. Nach drei Minuten war die englische Führung schon wieder Geschichte. Nach weiteren zwölf Minuten drehte Kolbeinn Sigthorsson das Spiel sogar komplett. Bei Island war der Glaube an die Sensation spürbar, bei England die Fassungslosigkeit über den Rückstand. Die Three Lions hatten Ballbesitz noch und noch, die besseren Chancen aber hatte der Außenseiter. Island drängte bei jeder Gelegenheit auf das dritte Tor und setzte immer wieder Nadelstiche. Nach der Pause wartete man vergeblich auf ein druckvolleres Spiel der Engländer. Harry Kane kam immer noch nicht, Jack Wilshere brachte nicht mehr Präzision ins Spiel und als Jamie Vardy für den wieder nicht gut aufgelegten Raheem Sterling kam, änderte sich ebenfalls wenig. Die Zeit verstrich und England fand keine Lösung. Die Verkrampfung zeichnete sich zusehends in den Gesichtern der englischen Spieler ab. Außenseiter Island wurde erneut zum Favoritenschreck – oder England erneut seiner Favoritenrolle nicht gerecht. Gastgeber Frankreich jedenfalls dürfte vor seinem Viertelfinale gewarnt sein.

Der Moment des Spieltages
Italiens Überlegenheit war nicht nur mannschaftlicher, taktischer und physischer Natur sondern auch technischer. Es war eine in jeder Hinsicht herausragende Leistung gegen keinen geringeren Gegner als die so pass- und kombinationssicheren Titelverteidiger aus Spanien. Und nichts versinnbildlichte die italienische Dominanz besser als der Tunnel, den Daniele De Rossi einem gewissen Iniesta verpasste. Sergio Busquets und David Silva konnten da nur staunend zuschauen. Der spanische Mittelfeld-Maestro war symbolträchtig mit seinen eigenen Waffen geschlagen worden.

Die Statistik
115 – Gegen Island bestritt Wayne Rooney sein 115. Länderspiel für England und stellte damit den Rekord von David Beckham ein. Außerdem schoss der Kapitän sein 53. Länderspieltor.

Das Zitat
"Ich wusste, dass die jungen Spieler ihr Maximum geben und etwas Ungewöhnliches leisten würden. Jetzt wartet auf uns das sehr schwierige Duell gegen Deutschland. Aber wir haben gezeigt, dass Italien längst nicht mehr nur Catenaccio ist. Italien gegen Deutschland, darauf hat man im Vorfeld schon hingefiebert. Es wird unglaublich schwierig, wahrscheinlich schwieriger als das Spiel heute."
Antonio Conte (Trainer, Italien)

Das Viertelfinale (Ortszeit)
Donnerstag, 30. Juni
Portugal – Polen (21:00 Uhr)
Freitag, 1. Juli
Wales – Belgien (21:00 Uhr)
Samstag, 2. Juli
Deutschland – Italien (21:00 Uhr)
Sonnstag, 3. Juli
Frankreich – Island (21:00 Uhr)

Der Gewinner der UEFA EURO 2016 nimmt am FIFA Konföderationen-Pokal Russland 2017 teil.