Gibraltar

Goldwin: "Gibraltar feiert einfach nur"

(FIFA.com)
Gibraltar’s Kyle Goldwin makes a saves against Liechtenstein (Credit: Gibraltar Football Association)
  • Kyle Goldwin spielte mit Ende 20 zum ersten Mal 11 gegen 11
  • Gibraltar landete seine ersten Pflichtspielsiege
  • Schlussmann "Chino" sprach mit FIFA.com über ein paar verrückte Tage

Ein Arbeitnehmer kam am Mittwochmorgen zu spät zur Arbeit. Als er dann endlich kam, verbrachte er die meiste Zeit damit, mit Kollegen über die verrückte, lange Nacht zu sprechen, die er erlebt hatte.

Sein Boss machte ihm aber keine Probleme, sondern gratulierte ihm sogar. Das Zuspätkommen des 33-Jährigen hatte nichts damit zu tun, dass er einen Kater hatte. Die anderen Kollegen wollten dringend mit ihm reden. Und auch sein Vorgesetzter war beeindruckt davon, was Kyle Goldwin im Tor Gibraltars da so hingelegt hatte.

"Ich habe kaum geschlafen", sagte der Schlussmann, der dabei half, dass Gibraltar nach 22 Pflichtspielniederlagen in Folge gleich zwei Pflichtspiele hintereinander gewinnen konnte, zu FIFA.com. "Ich erst um 2.30 Uhr in der Nacht ins Bett gekommen und musste um 8 arbeiten. Ich bin zwar rechtzeitig losgegangen, aber auf dem Weg zur Arbeit wurde ich immer wieder angehalten und die Leute haben mich umarmt!"

Henrikh Mkhitaryan und seine armenischen Mannschaftskollegen gaben am Samstag 35 Schüsse ab. Doch sie konnten "Chino" nicht überwinden, so dass Gibraltar in Jerevan einen Sieg landete gegen eine Elf, die in der FIFA/Coca-Cola Weltrangliste 98 Plätze über ihr steht.

"Vom Anstoß an hatte ich das Gefühl, dass das unser Abend ist", sagte Goldwin. "Du hältst einen Ball, dann noch einen und dann fängst du an, dich für unverwundbar zu halten."

"Ich bin sehr glücklich über meine Leistung, aber die ganze Mannschaft war einfach unglaublich. Wenn man sich die Statistik anschaut, dann hatten sie natürlich viele Schüsse, die meisten davon aber von außerhalb des Strafraums, da meine Mitspieler es phänomenal gemacht haben."

"Wir haben Woche für Woche so hart daran gearbeitet, um solch ein Ergebnis zu erzielen. Es war wie ein Traum, wir haben aber an unsere Fähigkeiten geglaubt und an unseren Willen, das abzuliefern."

"Beim Abpfiff war es irgendwie unwirklich, unglaublich. Die Atmosphäre in der Kabine war unglaublich. Die Reaktion der armenischen Fans war toll. Sie gaben uns Standing Ovations, haben geklatscht und gejubelt."

Drei Tage später sollte es für die Elf von Julio Ribas schon eine Wiederholung geben. Das Victoria Stadium feierte begeistert jede Parade von Goldwin und vor allem die Kopfballtore von George Cabrera und Joseph Chipolina nach der Pause, so dass es am Ende für die Halbamateure zu einem 2:1 gegen Liechtenstein reichte.

"Gibraltar feiert einfach nur", stellte ein begeisterter Goldwin fest. "Die Stimmung ist unglaublich. Die Leute reden über nichts anderes, jeder umarmt mich immer noch, mein Telefon findet keine Ruhe. Die UEFA Nations League ist brillant für die kleineren Nationen. Wenn du gegen Deutschland, Frankreich oder die anderen großen Nationen spielst, erwartet niemand was von dir, aber trotzdem ist es entmutigend, sieben oder acht Tore zu kassieren. Jetzt können wir mithalten und uns verbessern."

Goldwins wundersame Geschichte übertrifft die seiner Nationalmannschaft sogar noch. Ursprünglich kommt er nämlich aus dem Futsal und spielte erst mit Ende 20 zum ersten Mal 11 gegen 11, als einer seiner Freunde 2014 Gibraltar United wieder aufleben ließ. Der Bewunderer Peter Schmeichels bestritt erst Ende März sein erstes Länderspiel. Bei seinem Länderspieldebüt gab es bei Wikipedia nicht einmal eine Seite über ihn.

Nach dem FIFA-Beitritt kassierte Gibraltar in der Zeit vor Goldwin in elf Spielen 52 Tore. Mit ihm zwischen den Pfosten gab es nur noch fünf Gegentore in fünf Partien, davon wurden gleich drei gewonnen.

"Ich arbeite Vollzeit für die Regierung in Gibraltar, bin Ehemann und Vater zweier wunderbarer Kinder, dann trainieren wir täglich mit dem Verein. Man kann sagen, dass ich drei Jobs habe!", so Goldwin. "Wir trainieren sechs Tage in der Woche von 21 bis 23 Uhr. Und mit der Nationalmannschaft ein bis zwei Mal die Woche."

"Ich bin ein sehr leidenschaftlicher Mann. Fussball ist alles. Wenn ich krank oder verletzt bin, komme ich trotzdem. Ich gebe für mein Land und dieses Trikot einfach alles."

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