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Die Erfolge der ostdeutschen Nationalelf

(FIFA.com)
East Germany's Jurgen Sparwasser, left, shoots past West German no 2 Bertie Vogts and goalkeeper Sepp Maier to score
© Getty Images

Die deutsche Fussballgeschichte ist reich an großen Erfolgen: Das Wunder von Bern, die drei WM-Triumphe, die 1974, 1990 und 2014 folgten sowie die drei Europameistertitel sind weltweit und vor allem natürlich in Deutschland bekannt. Weniger Verbreitung hat die Fussballgeschichte der Nationalmannschaft der DDR erfahren – denn die hat zwar keine WM-Titel aufzuweisen, kann aber doch auf einige beträchtliche Erfolge zurückblicken.

Diese Erfolge kamen allerdings nicht bei FIFA Fussball-Weltmeisterschaften™ zustande, was erklären könnte, warum sie nicht solche Aufmerksamkeit erhalten haben, wie die der DFB-Auswahl. Bei den Olympischen Spielen aber kann die ostdeutsche Auswahl des Deutschen Fussball-Verbands (DFV) die des Westens übertrumpen. Eine Goldmedaille kann die DFV-Nationalmannschaft aufweisen, was dem DFB noch nie gelungen ist, und noch dazu je ein Mal Silber und Bronze. Die besondere Stärke der DDR-Olympiaauswahl erklärt sich unter anderem auch damit, dass es sich hierbei im Kern um die A-Nationalmannschaft des Landes handelte – denn für die westlichen Nationen starteten keine Profispieler, während die Ostspieler allesamt als "Amateure" galten und damit startberechtigt waren.

Auch bei den Junioren-Fussballweltmeisterschaften kann die DDR auf Erfolge verweisen, obwohl man nur 1987 und 1989 an der FIFA U-20-Weltmeisterschaft teilnahm. Doch 1987 in Chile scheiterte eine Mannschaft um Dirk Schuster, Dariusz Wosz und Uwe Jähnig im Halbfinale nur knapp mit 1:2 an Jugoslawien, sicherte sich dann aber im Spiel um Platz drei gegen den Gastgeber im Elfmeterschießen den dritten Rang.

Man spricht heute noch gerne davon, dass die westdeutsche Nationalmannschaft der 1970er, die 1972er UEFA-Europameister wurde und 1974 dann die Weltmeisterschaft folgen ließ, die beste der DFB-Geschichte sei. So ähnlich kann man das auch für die DDR-Auswahl festmachen, deren stärkste Phase ebenfalls in den 1970ern lag.

Schon 1972 bei den Olympischen Spielen in München hatte sich dies angedeutet, als die DDR-Elf gegen die westdeutsche Olympiaelf um den Einzug ins kleine Finale spielte und sich gegen eine Mannschaft, in der immerhin Uli Hoeneß mitkickte, mit 3:2 durchsetzte und sich später Bronze sichern konnte.

Der ganz große Coup folgte aber vier Jahre später in Kanada. Nachdem die DDR-Elf zum Turnierauftakt mit dem 0:0 gegen Brasilien (!) die Führung enttäuschte, wurde voller Zorn von der sportlichen Leitung angeblich sogar erwogen, die Mannschaft vorzeitig zurückzuziehen und nach Hause zu schicken. Wenn das wirklich stimmt, dann hätte sich der DDR-Fussball fast selber um seinen größten Erfolg gebracht. "Ganz so schlimm war es nicht, aber uns wurde gehörig der Kopf gewaschen. Und es hat gefruchtet", beschwichtige Spieler Konrad Weise später aber.

Das Viertelfinale brachte einen 4:0-Sieg gegen Frankreich (bei dem Michel Platini mitspielte), während im Semifinale der "sozialistische Bruderstaat" Sowjetunion mit 2:1 bezwungen wurde. Im Endspiel bekam man es dann mit den Polen zu tun, die zwei Jahre zuvor Dritter bei der Weltmeisterschaft geworden waren. Hartmut Schade, Martin Hoffmann und Reinhard Häfner sorgten für die Tore zum 3:1-Sieg und dem einzigen großen Titel der ostdeutschen Nationalmannschaft.

Zwar komplettierte die DDR-Auswahl 1980 in Moskau mit Silber ihre olympische Medaillensammlung, doch den größten Paukenschlag ihrer Fussballgeschichte setzte die DDR-Mannschaft auf der größten Bühne – der FIFA-Fussball-WM 1974 im Nachbarland Bundesrepublik Deutschland. Der Losgott wollte es so, dass die beiden Bruderstaaten schon in der Vorrunde gegeneinander antreten mussten und der turmhohe Favorit aus Westdeutschland unterlag durch ein Tor von Jürgen Sparwasser mit 0:1.

Dieses einzige jemals ausgetragene A-Länderspiel zwischen den Ost- und Westdeutschland führte zu einem veritablen Krach in der DFB-Nationalmannschaft. "Ist es das, was ihr als fussballbegeisterte Jungs von zehn, zwölf Jahren wolltet? Ist es das? Ich bin von Euch maßlos enttäuscht", sagte der übrigens im ostdeutschen Dresden geborene westdeutsche Bundestrainer Helmut Schön nach der Partie seiner Elf. "Wenn ich mal sterbe, genügt es, auf den Grabstein zu schreiben: Hamburg 1974. Dann weiß jeder, wer in der Kiste liegt", jubelte dagegen der ostdeutsche Siegtorschütze Sparwasser.

Es ist die Ironie der Geschichte, dass der große Sieg über den "Klassenfeind" aus dem Westen letztlich dazu führte, dass dieser in die leichtere zweite Zwischenrundengruppe kam, Brasilien, Argentinien und der Niederlande aus dem Weg ging und letztendlich im Endspiel mit 2:1 gegen die Niederlande den zweiten WM-Titel des DFB perfekt machte. "Wir haben die deutschen Tugenden ausgegraben", erklärte Günter Netzer die Reaktion der westdeutschen Mannschaft auf die Niederlage gegen die DDR.

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