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Aimar: "Es gibt viele Dinge, die ich gern noch erreicht hätte"

(FIFA.com)
FIFA Legend Pablo Aimar of Argentina poses after an interview
© Getty Images
  • Offizielles Karriereende mit 38 Jahren
  • Kürzlich sprach er mit FIFA.com über seine Karriere
  • "Das ist der Lauf der Zeit und ganz natürlich"

Pablo Aimar verabschiedete sich am Dienstag, 23. Januar 2018, endgültig vom aktiven Fussball, und zwar genau so, wie er es sich vorgestellt hatte. Er trat nämlich zum ersten Mal gemeinsam mit seinem Bruder Andrés in einem Punktspiel an, und das mit Estudiantes de Rio Cuarto, dem Klub, bei dem er groß geworden war, und unter einem Trainer, der großen Einfluss auf seine Karriere hatte: Marcelo Bielsa.

Estudiantes schied nach einem torlosen Remis gegen Sportivo Belgrano aus dem argentinischen Pokal aus, doch auf das Ergebnis kam es dem ehemaligen Star von River Plate, Valencia, Real Saragossa und Benfica gar nicht so sehr an.

Aimar stand 50 Minuten lang auf dem Platz und wurde von seinen Fans unter großem Beifall verabschiedet. Der Mittelfeldspieler, der mit 16 Jahren sein Debüt gegeben hatte, kam nun im Alter von 38 Jahren zu einem Abschiedsspiel, bei dem es noch um etwas ging. Mittlerweile konzentriert er sich ganz auf seine neue Aufgabe als Trainer der U-17-Auswahl seines Landes.

FIFA.com sprach kurz vor seinem Abschied mit dem Argentinier, der zum illustren Kreis der FIFA-Legenden gehört und bei zwei FIFA Fussball-Weltmeisterschaften™ dabei war.

Pablo, seit Ihrem Debüt im Profifussball ist viel Zeit vergangen. Wie gehen sie mit den altersbedingten Veränderungen um?
Ich komme gut damit klar. Natürlich wären wir alle gern jünger als wir tatsächlich sind. Das gilt insbesondere für ehemalige Fussballer. Nehmen wir zum Beispiel die FIFA-Legenden. Wenn man uns fragt, in welchem Zusammenhang wir gern noch einmal jünger wären, dann geht es immer darum, dass wir gern wieder Fussball spielen und so viel rennen und Spaß haben würden wie mit 25. Aber das ist der Lauf der Zeit und ganz natürlich.

Was ist das Beste am Dasein eines Fussballprofis?
Das Spielen mit dem Ball! Der Alltag, das Zusammensein mit den Teamkameraden, der Spaß, den man beim Training hat. Das vermisse ich am Leben als Fussballprofi. Wenn man noch dabei ist, ist einem das vielleicht gar nicht bewusst. Als Profi musst du kein Spielfeld mieten, um spielen zu können, wie ich das jetzt mit meinen Freunden tue. Du bekommst sogar die beste Spielkleidung und die besten Fussballschuhe gestellt. Ich bin damals teilweise mit vier Paar Fussballschuhen nach Hause gekommen und ein Freund sagte: "Früher hast du zwei Jahre lang mit demselben Paar gespielt. Wofür brauchst du jetzt vier?" Das alles hängt damit zusammen, dass du etwas tust, was dir Spaß macht und dich mitreißt. Und du erfährst eine Behandlung, die nicht besser sein könnte: die Hotels, in denen du untergebracht wirst, die Trainings- und Spielkleidung und vieles mehr...

Und das Schlimmste?
Die Verletzungen. Wenn du wegen physischer Probleme nicht spielen kannst. Du musst mit ansehen, wie deine Teamkameraden auf den Platz gehen und trainieren und kannst nicht dabei sein. Oder sie bestreiten ein Spiel, und du musst von der Tribüne zuschauen. Das ist das Schlimmste.

Gibt es etwas, was Sie gern noch erreicht hätten?
Ja, viele Dinge! Ich spiele mit den FIFA-Legenden, und da gibt es beispielsweise Spieler, die die Champions League gewonnen haben. Ich habe im Finale gestanden, aber verloren. Sie haben Weltmeisterschaften gewonnen! Ich habe das nur auf Juniorenebene geschafft. All dies sind Dinge, die ich gern erreicht hätte. Wir alle hatten zu Beginn unserer Karriere einen großen Traum: Wir wollten mit unserer Nationalmannschaft eine WM gewinnen. Auf dem Platz stehen und dann so ein Iniesta- oder Götze-Tor erzielen. Für sie gibt es sicherlich auch noch etwas, das sie gern erreichen würden, aber nach diesem Erfolg werden die anderen Dinge unwichtig. [lacht]

Sprechen wir über das Spiel an sich: Was bedeutet es für Pablo Aimar, "sich im Fussball auszukennen"?
Ich weiß nicht, ob man wirklich sagen kann, dass man sich "im Fussball auskennt". Im Fussball gibt es so viele Varianten, und vieles ist auch Glückssache. Daher weiß ich nicht, ob überhaupt jemand sagen kann: "So müssen wir spielen, dann gewinnen wir." Man kann natürlich Statistiken nennen, aber ich weiß nicht, ob man sich im Fussball auskennt, wenn man weiß, dass bei der WM 1970 eine bestimmte Anzahl an Toren erzielt wurde." Dann kennt man sich in der Fussballgeschichte aus, aber nicht im Fussball.

Sie wurden oftmals erwähnt, weil Sie das Kindheitsidol von Lionel Messi waren. Welche Idole hatten Sie?
Als Kind habe ich für Estudiantes de Río Cuarto gespielt, und der Spieler mit der Rückennummer zehn in der ersten Mannschaft hieß Jorge Rodríguez. Er hat mir sehr gut gefallen. Später, als ich bereits in Buenos Aires spielte, habe ich (Néstor) Gorosito bewundert, und dann habe ich gemeinsam mit (Enzo) Francescoli trainiert. Mit einem Spieler auf dem Platz zu stehen, der so gut spielt und alles so einfach und ästhetisch aussehen lässt, macht einfach unglaublich Spaß, und ein solcher Spieler wird praktisch automatisch zum Vorbild. Außerdem habe ich mit (Ariel) Ortega zusammengespielt. Und dann natürlich Maradona! Diego ist praktisch der gemeinsame Nenner aller Argentinier, die Fussball gespielt haben. Sein Name wird immer genannt.

(Gestern war ein unvergesslicher Tag. Ich hatte das Privileg, mich in meiner Stadt und bei dem Klub verabschieden zu können, bei dem ich als Fussballer den Durchbruch geschafft habe. Außerdem stand ich gemeinsam mit meinem Bruder in einem Punktspiel vor vollen Rängen auf dem Platz. Vielen Dank an meine Familie, die immer hinter mir stand, und an meine Teamkameraden, Trainer und die Vereinsführung.)

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