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Amokachi: "Tür für afrikanische Trainer öffnen"

(FIFA.com)
Nigerian forward Daniel Amokachi (L) tackles for the ball with Bulgarian midfielder Zlatko Yankov
© Getty Images

Als Daniel Amokachi Ende Januar in Finnland landete, um seinen Posten als Trainer des Zweitligisten JS Hercules anzutreten, erlebte er ganz neue Bedingungen, anders als alles, was er je zuvor gekannt hatte. Der Gewinner des CAF Afrikanischen Nationen-Pokals war in der brütenden afrikanischen Hitze in seinem Heimatland Nigeria abgereist und fand sich nun im finnischen Oulu wieder, nur zwei Autostunden südlich des Polarkreises, wo er bei dem semiprofessionellen Verein seine erste Stelle als Trainer in Europa antreten wollte.

"Zu sagen, es wäre eiskalt gewesen, wäre eine gewaltige Untertreibung. Es war minus 35 Grad, als wir ankamen", lacht er im Exklusivinterview mit FIFA.com. "Ich kam aus einem Land, das unter der Hitze ächzte. Beim Abflug in Nigeria waren es plus 38 Grad gewesen. Am Tag vor meiner Reise sah ich mir zusammen mit meiner Frau die Wettervorhersage für Finnland an und sie fragte scherzhaft: 'Willst du wirklich da hin?' [lacht]. Und ich sagte: 'Ja, natürlich!' " Das Wetter in Finnland ist ein Hindernis, das stimmt schon. Aber wenn man etwas erreichen will, dann macht man es mit allen Hindernissen so, dass man sie einfach aus dem Fenster wirft.

Die Freiluftplätze sind alle gefroren. Wir können im Moment nur in der Halle arbeiten. Natürlich gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Teams, die die gleichen Anlagen nutzen, daher ist es nicht leicht, ein ganzes Spielfeld zu bekommen. Das macht es natürlich nicht unbedingt leichter, das gewünschte Trainingsprogramm zu absolvieren. Aber ich bin Nigerianer, Afrikaner und daher an alle möglichen Herausforderungen gewöhnt. Das hier will ich auf jeden Fall zu Ende bringen."

*Türen aufstoßen
*
Die Entscheidung des ehemaligen Assistenztrainers der nigerianischen Nationalmannschaft, der die Super Eagles auch schon kurz als Interimstrainer führte, nunmehr ein semiprofessionelles finnisches Team zu betreuen, kam für viele überraschend. Für ihn selbst hat diese Aufgabe einen enorm hohen Stellenwert. Der 43-Jährige beschreibt seinen Job als die größte Herausforderung seiner bisherigen Trainerkarriere. Er hofft zudem, mit einer erfolgreichen Arbeit in Finnland dazu beizutragen, dass künftig mehr afrikanische Trainer in Europa arbeiten können.

"Ich bin das erste Mal als Trainer einer Mannschaft in Europa tätig. Es gibt nicht viele Afrikaner, die bei europäischen Teams als Cheftrainer arbeiten", so der ehemalige Spieler von Club Brugge, Everton FC und Besiktas Istanbul. "Ich bekomme hier die Möglichkeit, zu zeigen, was ich kann. Wenn es gut läuft, könnte das für andere afrikanische Trainer die Türen aufstoßen."

*Sorgenkind Nationalmannschaft
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Nigeria ist zwar dreimaliger Afrikameister, hat sich jedoch für den CAF Afrikanischen Nationen-Pokal 2017 in Gabun erneut nicht qualifizieren können. Im vergangenen Monat leisteten sich die Super Eagles eine Niederlage gegen Ägypten, so dass die Nordafrikaner den einzigen Qualifikationsplatz in dieser Gruppe belegten. Somit ist Nigeria schon zum zweiten Mal in Folge nicht bei der Kontinentalmeisterschaft dabei.

"Wenn unsere Spieler für Länderspiele zurück nach Afrika kommen, dann vergessen sie oft, sich mental wieder umzustellen. Damit haben nicht nur wir Nigerianer, sondern auch die anderen Afrikaner zu kämpfen", so Amokachi, der beim letzten kontinentalen Titelgewinn Nigerias 2013 Assistenztrainer der Mannschaft war. "Wenn man in Europa spielt, ist von A bis Z alles auf höchstem Profiniveau organisiert. Wenn man dann nach Afrika kommt, dann sind Dinge wie Reisen und Unterbringung oftmals schlecht organisiert.

Die Spieler versäumen es, mental wieder zu Afrikanern zu werden, wenn sie zurückkommen. Daher bringen sie oftmals nicht die gleiche Leistung wie bei ihren Klubs. Ich bin sicher, dass dies dazu beigetragen hat, dass Nigeria es zwei Mal in Folge nicht zur Afrikameisterschaft geschafft hat. Das ist für ein Land wie Nigeria natürlich nicht gut genug, aber so ist es im Fussball nun einmal. Dann muss man sich auf die Hinterbeine setzen und erkennen: 'Wir haben noch viel Arbeit vor uns.'"

*Olympisches Gold 1996
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In seiner Zeit als Aktiver bei den Super Eagles lernte Amokachi, wie viel man mit harter Arbeit erreichen kann. Im August 2016 ist es genau 20 Jahre her, dass Nigeria ein Kapitel olympischer Fussballgeschichte schrieb und als erstes afrikanisches Team die Goldmedaille gewann. Amokachi, genannt 'der Bulle', war ein Schlüsselspieler in dem Team, in dem auch Stars wie Jay-Jay Okocha, Taribo West und Nwankwo Kanu standen, um nur einige zu nennen. Amokachi trug im Finale einen Treffer bei, als Nigeria die Partie gegen Argentinien drehte und die Südamerikaner besiegte.

Für das westafrikanische Land ging dieser Erfolg weit über den Fussball hinaus und zeigte beispielhaft, wie das schönste aller Spiele auch in schwierigen Situation für Freude sorgen kann.

"Damals stand Nigeria unter Sanktionen der Vereinten Nationen. Dank unseren Erfolgen beim olympischen Fussballturnier konnten die Nigerianer eine Zeitlang die Probleme vergessen, die sie damals durchmachten", so Amokachi. "Alles konzentrierte sich auf den Fussball. Wir waren einfach unglaublich glücklich, weil es uns gelungen war, gegen Brasilien im Halbfinale und gegen Argentinien im Finale die Spiele zu drehen und zu siegen. Es war eine unglaubliche Erfahrung, ein Olympiateilnehmer zu sein und die Goldmedaille zu gewinnen. Diese Erinnerung werde ich mein ganzes Leben in Ehren halten."

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