"Ein gutes Jahr kann man an seinem Frühling erkennen" – dieses afghanische Sprichwort scheint sich für die Nationalmannschaft des Landes zu bewahrheiten, die im März in allen Qualifikationsspielen für den AFC Challenge Cup 2014 ungeschlagen blieb und damit jetzt bestens positioniert ist, eine neue und erfolgreichere Ära fürs kommende Jahr einzuläuten.

Stürmer Balal Arezou, zurzeit in Topform, glaubt ganz fest an dieses Sprichwort. Der 24-jährige Torjäger spielte während der Qualifikation eine Schlüsselrolle, als er zwei entscheidende Treffer für sein Land erzielte. Damit sicherte Afghanistans bester Torjäger die Rückkehr seines Teams zur Endrunde des AFC Challenge Cups, der Kontinentalmeisterschaft für asiatische Teams der zweiten Garde, nachdem die Mannschaft zuvor die Teilnahme zwei Mal in Folge verpasst hatte.

"Ich war sehr glücklich, dass mir Gott erneut die Chance gegeben hatte, etwas für mein geliebtes Land tun zu können", sagte Arezou, mit neun Treffern in zehn Einsätzen Afghanistans bester Torschütze aller Zeiten, in einem Exklusivinterview mit FIFA.com. "Es war kein einfaches Turnier, doch mit vereinten Kräften hat unser Team die Spiele verdient gewonnen. Ich werde mein Bestes geben, damit unser Team in Top-Form bleibt und weitere Erfolge feiern kann."

Arezou machte seinem Ruf als Afghanistans größter Star alle Ehre, als er in den Partien gegen Sri Lanka und die Mongolei jeweils den 1:0-Siegtreffer erzielte. Von Gastgeber Laos trennten sich die Afghanen dann mit einem 1:1-Unentschieden. Damit gewannen sie ihre Gruppe und qualifizierten sich für die Endrunde nächsten März auf den Malediven.

"Ich bin sehr dankbar, dass ich meinen Teil zum Erfolg des Teams beitragen kann", fuhr Arezou fort, der sein erstes Länderspieltor vor knapp zwei Jahren beim 1:1-Unentschieden gegen Palästina in der asiatischen Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ erzielte. "Seitdem ich in der Nationalmannschaft spiele, hat sich Afghanistan in der FIFA-Weltrangliste um 48 Plätze verbessert. So etwas ist uns vorher noch nie gelungen. Ich hoffe, dass ich mich mit meinem Team weiterentwickeln werde und dass unser Land auf uns stolz sein wird."

Kometenhafter Aufstieg
Arezou, geboren und aufgewachsen in Afghanistan, hat seine Leidenschaft für den Fussball von seinem Vater geerbt. Doch seine ersten spielerischen Erfahrungen sammelte er bei einer Reihe norwegischer Vereine, nachdem die Familie nach Norwegen gezogen war.

"Ich fing mit 14 an, Fussball zu spielen, und zwar bei Senja in Norwegen", sagte Arezou. "Meine Familie liebt den Fussball und ohne ihre Unterstützung wäre ich nicht der geworden, der ich heute bin. Ich habe jeden Tag mit meinen Brüdern Samir und Sayeed und meinen Freunden und Mannschaftskameraden intensiv trainiert, so dass ich mich kontinuierlich verbessern konnte."

Von Senja wechselte Arezou zu Grane. Danach spielte er kurz für Arendal und begann dann 2009 seine Profikarriere bei Asker. Und dort machte er sich schließlich einen Namen als zukunftsträchtiger Torjäger, als er in 100 Begegnungen 22 Treffer erzielte und damit seinem Team half, zum ersten Mal seit 50 Jahren in Norwegens zweite Liga, die Divisjon 1, aufzusteigen.

Der afghanische Fussballverband will die Mannschaft, die 1951 bei den Asien-Spielen den vierten Platz erreicht hatte, wieder unter den besten Teams Asiens etablieren. Arezous Talent blieb dem Verband denn auch nicht lange verborgen. Sein Traumdebüt feierte Arezou dann mit der U-23-Auswahl bei den Südasienspielen von 2010, wo Afghanistan mit seiner Hilfe die Silbermedaille gewann und er mit sechs Treffern als Torschützenkönig des Turniers gefeiert wurde.

Im darauf folgenden Jahr konnte er, diesmal mit der A-Nationalmannschaft, seine beeindruckende Erfolgsserie mit weiteren sechs Treffern bei der Meisterschaft des südasiatischen Fussballverbandes (SAFF) fortsetzen, wo Afghanistan das Finale erreichte, dort allerdings gegen Gastgeber Indien mit 0:4 verlor.

Hohe Erwartungen für die Zukunft

"Die Nationalmannschaft bedeutet mir sehr viel. Damit mache ich mein Volk glücklich. Unser Spiel bringt die Menschen zusammen; sie beten gemeinsam für den Sieg unseres Landes. Das ist mein Beitrag zum Erfolg unseres Landes. Ich liebe Afghanistan und ich will unser Land fussballerisch weiterbringen", fügte Arezou hinzu, der seit Beginn der Saison für den indischen Spitzenklub Churchill Brothers spielt.

Der afghanische Fussball konnte sich dank der fortwährenden Bemühungen des Verbandes und der Unterstützung durch das Goal-Programm der FIFA in den letzten Jahren deutlich verbessern. Unter anderem wurden ein neues Verbandsgebäude, ein technisches Zentrum sowie ein neues Trainingsspielfeld gebaut. Außerdem wurde letztes Jahr die erste landesweite Meisterschaft ausgetragen.

"Fussball ist der Lieblingssport der Menschen jeden Alters in Afghanistan. Sie sehen sich gerne die Spiele der afghanischen Nationalmannschaft an und feuern uns zu noch größeren Erfolgen an. Es wäre toll, wenn wir in Zukunft noch besser gefördert werden könnten", sagte Arezou.

Was zukünftige Turniere betrifft, erwarten Arezou und das afghanische Team im September die SAFF-Meisterschaft in Nepal, gefolgt vom AFC Challenge Cup im März 2014 auf den Maldiven – und er hat seine Erwartungen für beide Turniere hoch gesteckt: "Ich will unserem Team zu größerem Erfolg in Nepal verhelfen und beim asiatischen Turnier auf den Malediven mindestens die zweite Runde erreichen", kündigte er an.