Zwei Monate sind vergangen, seitdem die Nigerianer bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ mit hängenden Köpfen ausschieden. Diese Zeit hat man bei den Super Eagles genutzt, um eine nüchterne Analyse zu ziehen und die aktuelle Situation zu bewerten. Denn nach einer solch schmerzhaften Erfahrung ist eine oftmals nicht minder schmerzhafte Aufarbeitung unerlässlich.

Für den defensiven Mittelfeldspieler Daniel Olusola Shittu ist dabei klar, dass es in erster Linie darum gehen muss, die verspielte Glaubwürdigkeit wiederherzustellen. Die Wortwahl mag überraschen, doch die Feststellung trifft genau die aktuelle Situation im nigerianischen Lager. Voller Leidenschaft vertritt Shittu die Überzeugung, dass sich Nigeria wieder als fussballerische Großmacht etablieren müsse.

Lustlos und schwerfällig
"In der letzten Zeit ist viel über das nigerianische Team gesagt und geschrieben worden. Ich will mich gar nicht zu sehr an dieser Debatte beteiligen. Ich bin jedenfalls überzeugt, dass wir unsere Glaubwürdigkeit wiederherstellen müssen - und das geht nur über Siege. Das sind wir unseren Fans und den Menschen in der Heimat schuldig. Für uns alle in der Mannschaft war dies keine leichte Zeit. Wir müssen endlich wieder Siege einfahren, gute Ergebnisse holen und damit die Moral stärken. Wichtig ist einfach, dass die Mannschaft wieder an sich selbst glaubt", so der ehemalige Spieler der Bolton Wanderers im Gespräch mit FIFA.com.

Dabei sieht die Realität allerdings nicht eben rosig aus. Die nigerianische Nationalmannschaft ist nun schon seit geraumer Zeit ohne Cheftrainer. Nach der verpatzten WM in Südafrika hat Interimstrainer Austin Eguavoen viele Veränderungen herbeigeführt, um den Super Eagles neues Leben einzuhauchen.

Es ist zwar selbst für Experten mit gutem Auge und langem Erinnerungsvermögen kaum möglich, ein einzelnes Ereignis auszumachen, das zu der aktuellen Situation geführt hat. Doch ein Auslöser war sicher der allenfalls durchschnittliche Auftritt Nigerias beim CAF Afrikanischen Nationen-Pokal 2010 in Angola. Zwar landeten die Super Eagles am Ende auf dem dritten Platz, doch sie wirkten teilweise lustlos und schwerfällig. Aufgrund der schwachen Leistungen musste Nationaltrainer Shaibu Amodu kurz danach seinen Hut nehmen.

Auf der Suche nach einem neuen Verein
Aus Shittus Stimme lässt sich deutlich heraushören, wie wichtig es ihm ist, dass Nigeria bald wieder zu den besten afrikanischen Fussballnationen gehört. Er will dabei gar nicht so sehr in die Diskussion über die komplexen Probleme im Umfeld des Teams eingehen. Doch seine Forderung ist klar.

Shittu ist überzeugt, dass die Mannschaft streckenweise zu lässig agiert hat. "Ich weiß nicht genau, wo etwas schief gelaufen ist. Aber vielleicht haben wir uns manchmal zu sehr auf unseren guten Ruf verlassen. Dabei hat sich das Niveau des Fussballs überall in Afrika enorm verbessert. Es gibt keine kleinen Gegner mehr. Die Kluft ist deutlich schmaler geworden", so seine Einschätzung.

Shittu wurde für das bevorstehende Qualifikationsspiel für den Afrikanischen Nationen-Pokal 2012 gegen Guinea nicht nominiert. Damit soll ihm Gelegenheit gegeben werden, einen neuen Verein zu finden, denn seit seinem Weggang von den Bolton Wanderers ist er ohne Arbeitgeber. Trotzdem gehört er sicher zum Kern des künftigen nigerianischen Teams. Die internationale Karriere des Verteidigers, der früher unter anderem auch für Charlton Athletic spielte, begann vor gut acht Jahren mit einem Länderspiel gegen Paraguay. Seitdem hat er rund 30 Mal das nigerianische Nationaltrikot getragen.

Es braucht Zeit
"Wir müssen jetzt unbedingt für etwas Stabilität sorgen. Natürlich ist es auch wichtig, dass wir wieder einen dauerhaften Trainer bekommen. Aber darüber möchte ich nicht spekulieren. Ich bin Fussballspieler, kein Funktionär. Meine Aufgabe ist es, für mein Land zu spielen und es mit Stolz zu vertreten. Allerdings muss ich mit Blick auf Südafrika gestehen, dass es nicht sehr gut gelaufen ist. Wir haben unser Land und uns selbst bei diesem Turnier im Stich gelassen."

Seitdem Lars Lagerbäck nicht mehr Trainer der Nigerianer ist, hat Eguavoen den Posten als Interimslösung inne. Allerdings scheint es sehr unwahrscheinlich, dass ihm die Leitung des Teams auch auf Dauer übertragen wird. Als Favorit gilt hingegen die nigerianische Fussballlegende Samson Siasia.

"Für mich spielt das keine Rolle. Wir werden mit jedem Trainer arbeiten, der den Job bekommt. Ich denke, dafür ist jeder in der Mannschaft Profi genug. Wichtig ist, dass der neue Trainer dafür sorgt, dass wir wieder Siege feiern können. Es mag sein, dass das seine Zeit braucht, aber es muss sein", so Shittu zum Abschluss.