In den vergangenen Monaten hat die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft das Geschehen bestimmt. Weil sich viele Vereine zudem Zurückhaltung auferlegt haben, gab es nur wenige ganz spektakuläre Transfers. Verpflichtungen wie die von David Villa durch den FC Barcelona waren nicht gerade an der Tagesordnung. Daher bestimmten zuletzt eher Trainer- als Spielerwechsel die Schlagzeilen.

Das indes mit gutem Grund. Von Real Madrid bis Brasilien, von Italien bis Liverpool, überall auf der Welt suchten Vereine und Verbände neue Trainer.

14 WM-Teilnehmer mit neuen Trainern
Diesbezüglich hat die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft für eine kräftige Marktbelebung gesorgt, denn nach Südafrika 2010 endeten einige erfolgreiche und einige weniger erfolgreiche Engagements der Übungsleiter. Gestern holte sich Honduras’ Trainer Reinaldo Rueda seine Papiere ab. Er trat nur 24 Stunden nach Diego Maradonas von Bitterkeit begleitetem Abschied vom argentinischen Schleudersitz zurück. Rueda ist damit der 14. Trainer, der nach der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft gegangen ist oder entlassen wurde. Die prominentesten Verlierer im aktuellen Trainerkarussell sind neben Maradona die Herren Dunga, Marcello Lippi und Sven-Göran Eriksson. Ein neuer Verantwortlicher ist auch noch nicht überall gefunden. So suchen Argentinien, die Elfenbeinküste, Australien, Kamerun und Japan nach wie vor einen Nachfolger für Maradona, Eriksson, Pim Verbeek, Paul Le Guen und Takeshi Okada.

Anderswo ist man da schon weiter, beispielsweise in Brasilien. Dort wurde bereits der ehemalige Corinthians-Trainer Mano Menezes als neuer sportlicher Chef der Nationalmannschaft vorgestellt. Dieser wiederum hat für sein erstes Länderspiel gleich elf Neulinge berufen. Nur noch vier Spieler aus dem WM-Kader sind dabei. Menezes will offenbar ein deutliches Zeichen setzen. Immerhin lautet sein Auftrag auch, der Mannschaft ihren verlorengegangenen Stil und ihre Spielfreude wiederzugeben.

"Ich werde versuchen, so spielen zu lassen, dass wir möglichst gewinnen", erklärte Menezes dazu. "Wenn ich das mit dem 'schönen Spiel' erreiche, das jeder so mag, um so besser."

Ein ganzer WM-Kader suspendiert
In Italien ist Cesare Prandelli der Mann, der nach der schlechtesten WM in der Geschichte des viermaligen Titelträgers – der 2010 immer noch auf seinen ersten Sieg wartet – an die glorreiche Vergangenheit anknüpfen soll. Der Ex-Trainer von Florenz sprach davon, "das Negative in etwas Positives verwandeln" zu wollen. Vor einer ähnlichen, aber womöglich ungleich schwereren Aufgabe steht auch Laurent Blanc in Frankreich.

Der Nachfolger von Raymond Domenech hat nach der blamablen und von Streitereien geprägten FIFA Fussball-Weltmeisterschaft erst mal flugs den gesamten WM-Kader für ein Spiel suspendiert. Den ersten Schritt in die Zukunft und hin zur Aussöhnung der Bleus mit ihren Fans macht er mit komplett neuem Personal. Dazu der Weltmeister von 1998: "Meine Grundvoraussetzungen sind Teamgeist, korrektes Verhalten und Engagement für die Nationalmannschaft. Wer das nicht mitbringt, wer das nicht will, kann gehen."

Anders sieht es da schon in Griechenland aus. Dort tritt Fernando Santos in die Fußstapfen einer Legende. Der Portugiese ist zu Jahresbeginn zu Trainer des Jahrzehnts der griechischen Liga gewählt worden und hat schon angedeutet, dass nach Otto Rehhagel in der Nationalmannschaft nun mutiger gespielt werden soll.

Freude machen
Während man in Griechenland also erneut auf einen ausländischen Trainer setzt, geht man in Südafrika nach der moralisch so erbaulichen FIFA Fussball-Weltmeisterschaft den anderen Weg und vertraut einem Einheimischen. Pitso Mosimane heißt der neue Mann, der schon bei SuperSport United erfolgreich im Verein gearbeitet hat und Assistent sowohl von Carlos Alberto Parreira als auch von Joel Santana war. Bei seiner Vorstellung versprach Mosimane "aus Bafana Bafana 'Welt-Besieger' zu machen".

Wie Mosimane kann auch Cho Kwang-Rae, der neue Trainer der Republik Korea, auf beachtlichen Fortschritten aufbauen. Der Nachfolger von Huh Jung-Moo will eine Mannschaft zusammenstellen, "die den Koreanern Freude macht". Mexiko hat unterdessen noch nicht entschieden, wer Javier Aguirre nachfolgen soll und setzt in der Zwischenzeit auf zwei Interimstrainer: Enrique Meza wird während des Freundschaftsspiels am 11. August gegen Spanien auf der Bank sitzen. Danach übernimmt Efrain Flores für den Rest des Jahres.

Viele der Trainerwechsel nach der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft haben auf die Vereinsebene durchgeschlagen. So ersetzte Girondins Bordeaux beispielsweise Laurent Blanc durch Jean Tigana, und der ehemalige Cruzeiro-Trainer Adilson Batista übernimmt an Stelle von Menezes das Team von Corinthians. Überhaupt dreht sich das Trainerkarussell in Brasilien schon seit Monaten: Internacional holte Celso Roth von Vasco da Gama, und Palmeiras bestätigte inzwischen die Einigung mit Luis Felipe Scolari.

"Ich bin zum Fussballtrainer geboren"
Vor allem die Rückkehr von Scolari zu dem Klub, mit dem er einst die Copa Libertadores gewann, sorgte für einiges Rauschen im Blätterwald. Aber ein Trainer stiehlt natürlich allen die Schau, wenn er ein neues Engagement bekannt gibt, und das ist José Mourinho. Als der Portugiese in der ihm eigenen Art kurz nach seinem zweiten Triumph in der UEFA Champions League den Wechsel zu Real Madrid bestätigte, war das ein Medienereignis, obwohl es die Spatzen schon lange von den Dächern gepfiffen hatten. "Ich weiß nicht, ob ich geboren wurde, um Real Madrid zu trainieren, aber ich bin zum Fussballtrainer geboren", sprach der von Inter Mailand Gekommene. "Ich bin José Mourinho, und ich ändere mich nicht. Ich komme mit all meinen Qualitäten und all meinen Macken."

Durch die Ankunft von "The Special One" in Madrid gab es nun jedoch bei Inter eine offene Stelle, und die Mailänder besetzten sie mit dem kurz zuvor bei Liverpool entlassenen Rafael Benitez, der die naheliegendste Wahl war. Die Reds wiederum sicherten sich die Dienste von Fulhams Roy Hodgson, der auch schon Trainer bei Inter gewesen ist. Den Platz am Craven Cottage wird Mark Hughes einnehmen. Der zweite große Gewinner beim Stühlerücken auf den Trainerposten in der Premier League ist Avram Grant. Er übernimmt West Ham United von Gianfranco Zola.

Noch mehr getan hat sich indes in Zolas Heimat. Italiens drei erfolgreichste Klubs – Juventus Turin, der AC Mailand und Inter – haben allesamt den Trainer gewechselt. Massimiliano Allegri ersetzt bei Mailand Leonardo und Juve erhofft sich künftig wieder mehr Erfolg mit Luigi Del Neri. Auch andere bekannte Vereine haben neue Cheftrainer: Claudio Borghi etwa zeichnet künftig verantwortlich für die Boca Juniors, Neil Lennon lenkt die sportlichen Geschicke bei Celtic und Bernd Schuster übernimmt den türkischen Spitzenklub Beşiktaş Istanbul.

Steve McClaren wurde für seinen Titelgewinn in den Niederlanden mit einem neuen Job in Wolfsburg belohnt, während Manuel José, Walter Zenga, Jorge Fossati und Trond Sollied den Verlockungen Saudiarabiens erlegen sind und bei Al Ittihad, Al Nasr, Al Shabab bzw. Al Ahli anheuerten.

Henri Michel wechselt derweil von Zamalek in Ägypten zu Raja Casablanca in Marokko, und auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar hat es mit Ilija Petkovic (Al Ahli, QAT), Pericles Chamusca (Al Arabi), Laszlo Boloni (Al Wahda) und David O'Leary (Al Ahli, VAE) prominente Trainerverpflichtungen gegeben.

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