In der Saison 2009/10 der OFC O-League schrieb Hekari United aus Papua-Neuguinea ein Stück Fussballgeschichte. Erstmals gewann kein Klub aus Neuseeland oder Australien den Titel. In den acht vorherigen Auflagen des Wettbewerbs, der in unterschiedlichen Formaten ausgetragen wurde, gab es - bis auf ein Mal - in jedem Jahr einen Finalisten von einem pazifischen Inselstaat, noch nie konnte sich einer dieser Außenseiter den Titel holen. Dank dieses Erfolgs wird Papua-Neuguinea die erste Inselnation sein, die an der FIFA Klub-Weltmeisterschaft teilnimmt. Im Dezember dieses Jahres werden in Abu Dhabi einige der besten Vereine der Welt um den Titel kämpfen.

Der Triumph von Hekari United ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass dieser Klub erst vor sieben Jahren gegründet wurde. Dieser Sieg ist die Krönung einer denkwürdigen Saison der O-League, die im aktuellen Format seit nunmehr vier Jahren ausgespielt wird. Der Wettbewerb wurde in dieser Saison um zwei auf insgesamt acht Mannschaften erweitert , was in vielen Stadien zu Rekordzuschauerzahlen führte – vor allem in Fidschi, auf den Salomon-Inseln und in Papua-Neuguinea. Selbst in der letztgenannten Inselnation, eigentlich eine Rugby-Hochburg, erfreut sich der Fussball immer größerer Beliebtheit, sodass das Hinspiel des Finales nicht weniger als 15.000 Zuschauer verfolgten.

Neuseeländische Vorherrschaft gebrochen
In den vergangenen Jahren hatten die neuseeländischen Top-Klubs Waitakere United und Auckland City jeweils die heimische Meisterschaft dominiert und auch in der ozeanischen Königsklasse in den vergangenen vier Jahren jeweils den Titel unter sich ausgemacht. In diesem Jahr wurden die beiden Teams jedoch gemeinsam in die Gruppe A gelost, wo es am letzten Spieltag zum entscheidenden Duell kam, in dem sich Waitakere nach dem 2:2-Unentschieden aufgrund der besseren Tordifferenz durchsetzte. Die Kiwis hatten mit AS Magenta aus Neukaledonien jedoch einen schwierigen Gegner, der in allen drei Heimspielen ungeschlagen blieb und AS Manu-Ura aus Tahiti weit hinter sich ließ.

Hekari legte einen schlechten Start hin, nachdem man bei Tafea aus Vanuatu nicht über ein 3:3-Unentschieden hinausgekommen war. Nach der 1:2-Niederlage gegen den fidschianischen Meister Lautoka in Port Moresby stand der Klub aus Papua-Neuguinea bereits mit dem Rücken zur Wand. Doch dann feierte das Team vier Siege in Folge und qualifizierte sich somit mit einem Punkt Vorsprung auf Lautoka für das Finale, das in der O-League in Hin- und Rückspiel ausgetragen wird.

Dort musste Waitakere zunächst unter der glühenden Sonne von Port Moresby antreten und obwohl es zahlreiche Tormöglichkeiten auf beiden Seiten gab, konnte Hekari den Heimvorteil nutzen und einen deutlichen 3:0-Sieg feiern. Waitakere hatte jedoch bereits Erfahrung mit Rückständen, nachdem die Neuseeländer bei den beiden vorherigen Titelgewinnen in der O-League jeweils das Hinspiel verloren hatten. Diesmal sollte die Aufholjagd jedoch nicht gelingen: Der 2:1-Sieg im Rückspiel war zu wenig – am Ende siegte Hekari mit einem Gesamtsergebnis von 4:2.

Vereintes Ozeanien
Hekari, das vom Salomoner Jerry Allen trainiert wird, hatte einige Legionäre aus der Pazifik-Region in seinen Reihen, die maßgeblichen Anteil an diesem Triumph hatten - unter anderem Allens Landsmänner Henry Fa' Arodo und Alick Maemae, die ein brandgefährliches Sturmduo bildeten, sowie eine Reihe von Spielern aus Fidschi. Der unumstrittene Star in der Mannschaft war jedoch der ehemalige Fischer Kema Jack, der sich nach seinen drei Treffern in den beiden Finalpartien gemeinsam mit Daniel Koprivcic von Auckland City (je sieben Treffer) zum Torschützenkönig des Turniers krönte.

Der Titelgewinn war ein bemerkenswerter Erfolg für den Verein, für den die Niederlage im Final-Rückspiel seit dem verlorenen O-League-Gruppenspiel gegen Lautoka im vergangenen Oktober in allen Wettbewerben erst die zweite Pleite überhaupt war. Hekari feierte auch in der heimischen Meisterschaft bereits den vierten Titel in Folge und Jack holte sich zum dritten Mal in Folge den Goldenen Schuh.

Hekaris Manager Vonnie Eteaki Kapi-Natto, der seit der Vereinsgründung im Jahr 2003 zu dem Klub gehört, machte klar, welch große Bedeutung dieser Erfolg für die Mannschaft hat: "Ich hätte mir niemals träumen lassen, dass wir so weit kommen würden. Wir haben hart für diesen Erfolg gearbeitet, aber trotzdem kam er für uns sehr überraschend", sagte er. "Ich möchte diesen Triumph allen Inselnationen der Pazifik-Region widmen. Ich bin überzeugt, dass dies eine großartige Motivation für unsere Kinder und Jugendlichen sein wird, denn diese haben nun gesehen, dass ihre Brüder auf diesem Niveau mithalten und sogar gewinnen können."

Assistenztrainer Tommy Mana dachte sofort an die historische Chance seiner Mannschaft, sich Ende dieses Jahres mit der Elite des Weltfussballs messen zu können: "Das ist ein weiterer Fortschritt", sagte er. "Hier kennen wir das Niveau, doch bei der Klub-WM wird es noch viel höher sein. Wir wissen, dass es nicht einfach werden wird, doch wir werden hart arbeiten."