Michal Kadlec blickt trotz seiner erst 25 Jahre auf ein bewegtes Leben zurück. Der tschechische Nationalspieler in Diensten von Bayer 04 Leverkusen wurde in der Tschechischen Republik geboren, verbrachte seine Kindheit in Deutschland, wurde in seiner Heimat Fussballprofi und schaffte im Rheinland endgültig seinen internationalen Durchbruch.

"Ich bin in Tschechien geboren, kam aber im Alter von fünf Jahren nach Deutschland, da mein Vater (Anm.d.Red.: Miroslav Kadlec) 1990 zum 1. FC Kaiserslautern wechselte. Im Kindergarten habe ich die Sprache gelernt und bin danach auch auf ein Gymnasium gegangen. Mit dem Fussball habe ich bei einem kleinen Verein angefangen und habe nebenbei Tennis gespielt", erinnerte sich Kadlec im Exklusiv-Interview mit FIFA.com an seine frühe Kindheit.

Rückkehr in die Heimat
Nach acht Jahren in Deutschland zog es Kadlec' Familie zurück in die Tschechische Republik. "Ich wollte nicht weg aus Kaiserslautern, aber meine Eltern entschieden, zurück in die Heimat zu gehen. Ich sollte die Schule in Tschechien beenden. Mein gesamter Freundeskreis war jedoch in Kaiserslautern. Das war anfangs sehr schwer für mich, auch wegen der Sprachumstellung. Aber im Laufe der Zeit wurde es immer besser. Fussballerisch habe ich mich dort auch gut entwickelt", weiß der Linksfuß heute zu berichten.

Neben der damals ungeliebten Rückkehr in die Tschechische Republik hat der 1,84 Meter große Abwehrspieler auch sein Faible für den Fussball seinem Vater zu verdanken, der die Nationalmannschaft seines Heimatlandes 1996 als Kapitän ins Finale der UEFA EURO in England führte. "Mein Vater hat mich zum Fussball gebracht. Als ich anfing zu laufen, habe ich schon mit einem Ball gespielt. Natürlich war er auch ein Vorbild für mich. Vor allem als er in Kaiserslautern gespielt hat, sagte ich mir: 'Das will ich auch einmal schaffen.' Ich musste in meiner Jugend auf viele Dinge verzichten, vor allem was meine Freizeit anging. Aber die Entscheidung habe ich getroffen und durchgezogen."

Profidebüt mit 16
In der Jugendabteilung des Erstligisten FC Slovacko heuerte Kadlec im Alter von 13 Jahren an und beeindruckte seine Trainer so sehr, dass er bereits drei Jahre später mit den Profis trainieren durfte und sein Debüt in der Gambrinus Liga gab.

"Ich war schon mit 16 Jahren das erste Mal im Kader vom FC Slovacko. Das war eine sehr harte Zeit, da ich nebenbei noch die Schule gemacht habe. Ich wollte unbedingt das Abitur schaffen und dank der Unterstützung meiner Eltern, Lehrer und Trainer lief das letztendlich auch alles gut über die Bühne. Mein erstes Spiel machte ich dann in Ostrau. Ich war sehr nervös, aber der Kurzeinsatz war gut", erklärte uns Kadlec im Detail.

Wechsel in die Hauptstadt
Über seinen Jugendverein, für den er drei Jahre als Profi aktiv war, führte der Weg des Linksverteidigers zum Traditionsverein Sparta Prag. 21 Jahre war Kadlec alt, als er Anfang 2005 in die Hauptstadt der Tschechischen Republik wechselte - für den jungen Mann eine große Herausforderung, wie er FIFA.com verriet.

"Das war eine riesige Umstellung, weil ich zum ersten Mal komplett auf mich alleine gestellt war. Davor hatte ich meine Familie um mich, die mich immer unterstützt hat. In Prag war das natürlich anders. Da musste ich mich selbstständig gesund ernähren und meine Wäsche selber waschen. Sportlich gab es auch zu Beginn Rückschläge, aber als ich meine Chance bekommen habe, nutzte ich sie", so Kadlec.

Neue Herausforderung in alter "Heimat"
Nach zwei Meisterschaften und Pokalsiegen in der Heimat kehrte der mittlerweile 17-malige Internationale nach Deutschland zurück. Bayer 04 Leverkusen war auf den schnellen Defensivmann aufmerksam geworden und verpflichtete Kadlec im Sommer 2008.

"Die Veränderung von Prag nach Leverkusen war nicht allzu groß. Ich habe mit Sparta auch international gespielt und wusste in etwa, was auf mich zukommen würde. Ein großer Vorteil war, dass ich bereits die Sprache sprechen konnte. Auch die Mannschaft in Leverkusen war super. Ich wurde gut aufgenommen und fühlte mich gleich sehr wohl. Die erste Saison war sehr gut, in der zweiten Spielzeit habe ich mich dann leider verletzt und hatte Probleme. Jetzt bin ich aber wieder fit und fühle mich noch besser als vor zwei Jahren", gab Kadlec im Gespräch nahe der Heimspielstätte BayArena gegenüber FIFA.com zu.

Auch für seinen Klub läuft es in dieser Spielzeit gut. Nach sieben Spieltagen belegt die Werkself den vierten Platz, steht in der zweiten Runde des DFB-Pokals und ist in der UEFA Europa League noch ungeschlagen.

Probleme für die Nationalmannschaft
Nicht allzu gut läuft es hingegen für die Nationalmannschaft der Tschechischen Republik, in der Kadlec ebenso wie im Verein zum Stammpersonal gehört. Zum Start in die Qualifikation zur UEFA EURO 2012 gab es eine Heimniederlage gegen Litauen (0:1).

"Wir werden alle nicht jünger. Ich denke, dass wir die Probleme haben, da junge Spieler nicht konsequent eingebaut wurden. Jetzt ist es schwer, diese Fehler zu korrigieren, auch wenn die letzten Ergebnisse eigentlich in Ordnung waren. Doch dann kommt so ein Spiel gegen Litauen, das wir zu Hause verlieren, eigentlich aber gewinnen müssen. Das war ein Genickschlag und ein sehr bitterer Start in die EM-Qualifikation. Es ist aber noch nichts verloren", gab sich Kadlec kämpferisch.

Nächste Aufgaben warten bereits
Den Kopf in den Sand stecken darf die Mannschaft von Trainer Michal Bilek auch nicht, denn schon am Freitag steht die nächste Partie auf dem Weg zum kontinentalen Kräftemessen in der Ukraine und Polen an, wenn man zu Hause Schottland erwartet. Vier Tage später reisen Kadlec und Co. nach Liechtenstein.

"Wir haben im März in Schottland ein Freundschaftsspiel 0:1 verloren, waren aber wieder einmal die bessere Mannschaft. Liechtenstein darf man nicht unterschätzen. Auch die kleinen Mannschaften verbessern sich von Partie zu Partie. Es ist immer schwer, gegen diese Teams zu gewinnen, da sie sehr defensiv auftreten. Man muss immer vorsichtig sein. Ich glaube aber, dass wir die beiden Begegnungen erfolgreich gestalten werden", sagte ein optimistischer Kadlec abschließend zu FIFA.com.