In der niederländischen Eredivisie hielt sich die Spannung auch in dieser Saison bis zum Schluss. Wie schon im vergangenen Jahr wurde das Rennen um die Meisterschaft erst am letzten Spieltag entschieden, und erneut sicherte sich der PSV Eindhoven den begehrten Titel. Für die endgültige Entscheidung sorgte ein 1:0-Erfolg in der abschließenden Partie bei Vitesse Arnheim. Während Eindhoven damit seinen vierten Titelgewinn in Folge holte, blieb Ajax Amsterdam mit Topstar Klaas-Jan Huntelaar am Ende nur Rang zwei. Dritter wurde der NAC Breda, der damit den Vorjahresdritten AZ Alkmaar auf dem Podium ablöste. Excelsior Rotterdam muss den Gang in die zweite Liga antreten. Jetzt spielen die vier hinter dem PSV Eindhoven platzierten Teams noch in einer Playoff-Runde um den zweiten Startplatz in der UEFA Champions League und zwei Plätze im UEFA-Pokal.

Am letzten Spieltag der vergangenen Saison waren es drei Mannschaften, die noch aussichtsreich im Rennen um die Meisterkrone lagen. Damals führte AZ Alkmaar mit seinem Trainer Louis Van Gaal die Tabelle vor dem PSV Eindhoven und Ajax Amsterdam an. Am Ende hatte jedoch das Team von Trainer Ronald Koeman die Nase vorn und gewann seinen dritten Meistertitel in Folge. Seither hat sich in Eindhoven einiges verändert. Ende Oktober 2007 verließ die frühere Abwehr-Ikone des FC Barcelona seine niederländische Heimat, um fortan das Training des spanischen Erstligisten FC Valencia zu übernehmen. In der Primera División traf er den bereits im Sommer 2007 von Eindhoven nach Spanien gewechselten Torjäger Arouna Koné wieder. Hinzu kam, dass auch Topverteidiger Alex die Sommerpause nutzte, um zum FC Chelsea zu wechseln, und überdies Mannschaftskapitän und Mittelfeldstratege Phillip Cocu seine aktive Laufbahn beendete. Doch der PSV trotzte allen Widrigkeiten und blieb standhaft.

Dem neuen Coach Sef Vergoossen, der die Mannschaft im Januar dieses Jahres übernahm und sein Amt zum Saisonende an Huub Stevens übergeben wird, ist es gelungen, die von Koeman geschaffenen Grundlagen weiter zu festigen und seinen Spielern die von ihm bevorzugte offensive Spielkultur zu vermitteln. Und auch die Neuzugänge Danko Lazovic und Danny Koevermans (14 Tore) haben sich inzwischen als wichtige Stützen des Teams erwiesen. Mit dem Belgier Timmy Simons im Mittelfeld, dem genialen Jefferson Farfan und dem hoffnungsträchtigen Nachwuchstalent Ibrahim Afellay im Angriff sowie dem Brasilianer Gomes als sicherem Garant zwischen den Pfosten verfügte der PSV über einen soliden Kern, um seine Erfolgsserie fortzusetzen zu können. Dennoch mussten die Abgänge gleich mehrerer Schlüsselspieler erst einmal verkraftet werden. Wie man heute sieht, ist dies bestens gelungen.

Erfolgsgeheimnis Neuzugänge
Mit seinem 21. Titelgewinn geht der PSV Eindhoven in zweierlei Hinsicht in die niederländische Fussballgeschichte ein. Zum einen ist Eindhoven der erste Klub in den Niederlanden, der die Meisterkrone zum zweiten Mal vier Jahre hintereinander gewinnen konnte, nachdem das Gleiche bereits zwischen 1986 und 1989 geglückt war. Zum anderen ist der PSV mit 72 Zählern seit der Einführung der Drei-Punktewertung für ein gewonnenes Spiel der Titelträger mit der niedrigsten Gesamtpunktzahl. Der Siegesfeier des im südlichen Brabant ansässigen Vereins tat dieses statistische Detail indes keinen Abbruch. Worin besteht nun das Erfolgsrezept des PSV? Wie ist es möglich, dass der Klub über Jahre hinweg so konstant gute Leistungen bietet? "Es handelt sich um einen höchst professionell geführten Verein, bei dem es kaum zu Fehleinkäufen kommt. Die Neuzugänge sind in der Regel Ausländer, vor allem in Europa wenig bekannte Südamerikaner, die in ihren Heimatligen bereits mit ansprechenden Leistungen auf sich aufmerksam gemacht haben. Und im Gegensatz zu Ajax Amsterdam, dem finanziell reichsten Klub der Niederlande, ist der PSV wie eine große Familie. In Eindhoven haben neue Spieler keine Anpassungsprobleme und integrieren sich vergleichsweise schnell in die Mannschaft, weil sie weniger Druck verspüren", erläuterte uns neulich Boudewijn Zenden von Olympique Marseille, der zwischen 1994 und 1998 für Eindhoven gespielt hatte.

Genau diesem Druck war der 29-malige Meister Ajax Amsterdam auch in dieser Spielzeit ausgesetzt, als man bei dem erneuten Versuch scheiterte, dem Erzrivalen und Serienmeister der vergangenen drei Jahre die Meisterkrone streitig zu machen. Nach dem Triumph im niederländischen Super-Cup zu Saisonbeginn unter dem damaligen Coach Henk ten Cate schien dieses Vorhaben auch durchaus realistisch. Doch nach dem Wechsel von Wesley Sneijder zu Real Madrid kam der Motor wieder ins Stocken. Die zuletzt in aller Regel enttäuschenden Auftritte auf der europäischen Bühne sind nicht spurlos an der Mannschaft vorbeigegangen. Zu allem Überfluss warf auch noch der Trainer das Handtuch und wechselte im Herbst zum FC Chelsea. Adrie Koster, der neue Mann auf der Trainerbank, war von Beginn an bemüht, das Team wieder in die Erfolgsspur zu führen. Doch die wiederholt aufgetretenen Leistungsschwankungen brachten seine Mannschaft letztlich um den 30. Meistertitel in der Vereinsgeschichte. Nichtsdestotrotz besitzt Ajax mit Klaas-Jan Huntelaar den mit 33 Treffern erfolgreichsten Torjäger und mit Neuzugang Luis Suarez den mit 14 Torvorlagen besten Vorbereiter der Liga. Nimmt man noch den ins Team zurückgekehrten Kenneth Perez hinzu, verfügt Ajax Amsterdam zumindest vom Papier her über die besten Individualisten der Eredivisie. Ganz zu schweigen von den rund 49.000 Fans, die im Schnitt pro Heimspiel in die Amsterdam ArenA strömen, eine Zahl, die derzeit in keinem anderen Stadion der Niederlande erreicht wird.

Für die nun beginnende Playoff-Runde, in der man es wie schon im Vorjahr mit dem FC Twente Enschede um Blaise Nkufo, dem mit 22 Treffern zweitbesten Torschützen der Liga, und dem SC Heerenveen, der seit der Winterpause ohne Alfonso Alves auskommen muss, zu tun bekommt, hat sich Ajax Amsterdam fest vorgenommen, sich wenigstens den zweiten Startplatz für die Champions League zu sichern. Ergänzt wird die Playoff-Runde durch das Überraschungsteam NAC Breda, das anstelle von AZ Alkmaar (enttäuschender Elfter) auf Platz drei der Tabelle landete. "Wir haben unsere beiden Toptorjäger abgeben müssen und dafür noch keinen Ersatz gefunden. Unser Spiel sieht zwar gut aus, leider fehlen uns aber die Tore", so der nüchterne Kommentar von Van Gaal im Herbst 2007. Nachdem er vor einem Monat verkündet hatte, in die Bundesliga wechseln zu wollen, überlegte es sich der frühere Hexer von Ajax Amsterdam noch einmal und entschloss sich, AZ Alkmaar auch in der kommenden Saison als Trainer zur Verfügung zu stehen.

Feyenoord Rotterdam enttäuscht, Stadtrivale Excelsior steigt erneut ab
Der große Erfolg blieb Bert van Marwijk, der seinen Trainerposten bei Feyenoord Rotterdam nach dieser Saison aufgibt, um künftig das Amt des Nationaltrainers von Marco van Basten zu übernehmen, in Rotterdam verwehrt. Van Basten seinerseits wird Trainer bei Ajax Amsterdam. Der finanzstarke Traditionsklub aus der Hafenstadt hat seit 1999 keine Meisterschaft mehr gewonnen und wollte im Jahr seines 100-jährigen Vereinsjubiläums endlich wieder nach dem Titel greifen. Tatkräftige Unterstützung erhoffte man sich von den Neueinkäufen Roy Makaay und Giovanni van Bronckhorst. Doch auch Makaay (13 Treffer) konnte die Erwartungen am Ende nicht ganz erfüllen, so dass man jetzt mit dem FC Utrecht, dem FC Groningen und Roda JC Kerkrade um einen Platz im UEFA-Pokal kämpfen muss.

Auf dem letzten Tabellenrang landete Excelsior Rotterdam, das somit bereits zum sechsten Mal in seiner Vereinsgeschichte den Gang in die zweite Liga antreten muss. Damit zieht der Stadtrivale von Feyenoord mit dem FC Den Bosch gleich. Den absoluten Rekord in punkto Abstieg hält der FC Volendam, der bislang acht Mal absteigen musste. Für die nächste Spielzeit schaffte Volendam übrigens den Wiederaufstieg. Der zweite Absteiger dieser Saison wird noch in einem Playoff-Spiel zwischen De Graafschap und VVV Venlo ermittelt.

Abschließend sei noch vermerkt, dass die niederländischen Stadien nun schon die dritte Saison in Folge einen neuen Zuschauerrekord vermelden konnten: In dieser Spielzeit wurden durchschnittlich 18.783 Zuschauer pro Spiel gezählt.