Wenn man nach den fussballerischen Banden zwischen London und Ländern wie der Elfenbeinküste, Spanien, Dänemark und Finnland gefragt würde, kämen einem wahrscheinlich zuerst Spieler wie Didier Drogba (FC Chelsea), Jari Litmanen (Fulham) sowie das Duo Cesc Fabregas und Nicklas Bendtner (Arsenal London) in den Sinn. Zwar gehört dieses Allstar-Quartett zweifellos zu den bekanntesten Repräsentanten der jeweiligen Länder in der englischen Hauptstadt, hinter den Kulissen gibt es jedoch auch noch eine Initiative des Zweitligisten Charlton Athletic, über die starke und nachhaltige Bande mit denselben Ländern und noch einigen weiteren geknüpft wurden.

Auch Mannschaften in der VR China, Belgien und Südafrika pflegen eine enge Beziehung zu diesem Klub, der zwar nicht gerade zu den erfolgreichen "In-Teams" der Londoner Fussballszene gehört, sich aber dennoch aufgrund seiner fortschrittlichen und innovativen Ansätze und seiner guten Jugendarbeit einen hervorragenden Ruf aufgebaut hat. Erst vor ein paar Jahren hat man sich bei dem 103-jährigen Traditionsverein dazu entschlossen, die wertvollen Erfahrungen intensiver zu nutzen, um das weltweite Ansehen des Klubs zu steigern und dabei auch gleich noch einige talentierte Spieler an Bord zu holen.

In der vergangenen Woche rief Charlton noch eine weitere Partnerschaft ins Leben, und zwar mit dem chinesischen Klub Shandong Luneng, von dem man bereits Mittelfeldmotor Zheng Zhi kaufte. Dabei wurde eine Reihe von Spieler- und Traineraustauschprogrammen auf Jugendebene vereinbart, und der Londoner Verein verpflichtete sich im Gegenzug zur Ausarbeitung eines Management-Modells für die Jugendakademie Shandongs. Charlton wird die Region innerhalb der nächsten drei Jahre bereisen, während der Meister der chinesischen Super League von 2006 seinem englischen Partner ein Vorkaufsrecht auf seine Spieler einräumt und den Klub auf weitere asiatische Talente aufmerksam machen will, die von Interesse sein könnten.

Partnerschaft mit ASEC
Eine bahnbrechende Allianz, und die wohl spektakulärste von Charltons Initiativen auf anderen Kontinenten, ist die Verbindung mit einem afrikanischen Verein. Die Rede ist von der Partnerschaft mit ASEC Mimosas, dem Spitzenklub aus Abidjan (Elfenbeinküste), oder genauer gesagt mit der weltbekannten Jugendakademie des Klubs. Nicht umsonst werden die der Talentschmiede von ASEC entstammenden Spieler auch als "Kronjuwelen" des afrikanischen Fussballs bezeichnet. Zu nennen wären unter anderem Akteure wie Kolo Toure, Didier Zokora, Yaya Toure, Salomon Kalou, Emmanuel Eboue und Aruna Dindane.

Bei Charlton wollte man nicht warten, bis Kalou und die beiden Toures sich in der Fussballwelt einen Namen gemacht hatten und für einen Klub mit eher bescheidenen Mitteln in unerreichbare Ferne rücken würden. Daher entschloss man sich im Mai 2006 zu einer Vereinbarung mit ASEC, in der den Addicks bei den jüngsten Absolventen der Talentschmiede die erste Wahl eingeräumt wurde. Peter Varney, Geschäftsführer von Charlton Athletics, dazu: "Wir investieren in die Akademie und finanzieren sie mit, um ihr weiteres Bestehen zu sichern. Im Gegenzug gibt es die Vereinbarung, dass wir die besseren Spieler verpflichten dürfen."

Diese Partnerschaft hat es dem Verein jetzt schon ermöglicht, fünf Nachwuchsspieler von der Elfenbeinküste unter Vertrag zu nehmen, obwohl keiner von ihnen direkt nach Großbritannien gekommen ist. Das liegt an den sehr strengen britischen Regelungen bezüglich der Arbeitsgenehmigungen. Hier kommen nun die europäischen "Partner" des englischen Teams ins Spiel.

Zwei der betreffenden Spieler, Ismael Beko Fofana und Konan Serge Kouadio, wurden an den norwegischen Klub Fredikstad ausgeliehen, zwei weitere sind in Frankreich bei Nancy untergekommen, und Abwehrspieler Soro Bakary ist bei Germinal Beerschot (Belgien) gelandet. "Wir behalten die Rechte an den Spielern", so Varney, "wollen jedoch dafür sorgen, dass sie sich bei anderen Vereinen weiterentwickeln können, bei denen sie eine Arbeitserlaubnis erhalten. Hier geht es nicht darum, schon nächste Woche drei Spieler von der Elfenbeinküste zu Charlton Athletics zu holen. In vier oder fünf Jahren werden wir darauf zurückkommen, und dann wird es sicherlich Leute geben, die sagen: 'Charlton war so weitsichtig, diese weltumspannende Struktur aufzubauen'."

Europäische Partnerschaften zahlen sich aus
Charltons Netzwerk geht weit über das Engagement in der Elfenbeinküste hinaus. Mit dem belgischen Klub Beerschot werden beispielsweise Austauschprogramme auf Jugendakademie-, Management- und wirtschaftlicher Ebene durchgeführt. Außerdem gibt es ein fast identisches vierjähriges Abkommen mit dem finnischen Verein MyPa 47, das den Londoner Klub in die Lage versetzte, den heiß begehrten finnischen Nachwuchsspieler Jani Tanska zu verpflichten, obwohl auch europäische Spitzenklubs wie Inter Mailand an ihm interessiert waren.

Eine ähnliche Partnerschaft hat sich mit dem dänischen Verein Herfolge Boldklub entwickelt. Im Laufe der Verhandlungen um den Transfer des U-21-Nationalspielers Martin Christensen im März 2007 schloss man ein dreijähriges Kooperationsabkommen, das beiden Seiten den Austausch von Informationen, Trainingsmethoden und natürlich Spielern ermöglicht.

Die langjährigste Zusammenarbeit pflegt Charlton jedoch mit Spanien. Hier hat sich ein 2004 ins Leben gerufenes Projekt inzwischen zu einem Mammut-Unternehmen entwickelt, das sowohl Fussball- und Sozialprojekte für spanische Kinder als auch Angebote für britische Urlauber und Auswanderer umfasst. Die unter dem Namen CAFC Soccer España bekannte Initiative bietet Trainingsmöglichkeiten für mehr als 500 Kinder pro Woche. Die vielversprechendsten von ihnen erhalten die Möglichkeit, zum Probetraining und zur weiteren Entwicklung nach London zu reisen. Charlton Athletic, dessen Sponsoren und Trikotausrüster in Spanien ansässig sind, baute seinen Stand in dem südeuropäischen Land durch eine Vereinbarung dem spanischen Erstligaklub FC Valencia im Jahre 2006 noch weiter aus. Auch hier stand der Austausch von Spielern, Trainern und Erfahrungen im Mittelpunkt.

Dieses Bemühen, die nächste Generation von europäischen, asiatischen und afrikanischen Fussballstars aus der Taufe zu heben und gleichzeitig den Erfolg der "Marke" des eigenen Vereins voranzutreiben, kann nur als innovativ bezeichnet werden. Für Charlton spricht außerdem, dass man sich nicht nur auf Bereiche konzentriert, in denen konkrete materielle Vorteile zu erwarten sind. In Südafrika engagiert sich der Klub in diversen Townships von Johannesburg und Kapstadt. Die Vereinsvertreter arbeiten hier mit Partnern wie der britischen Regierung und Ajax Kapstadt zusammen. Bei der Initiative geht es um die Ausbildung und Entwicklungsförderung von Kindern, und zwar nicht nur in fussballerischer, sondern auch in gesellschaftlicher Hinsicht.

Zwar sind aus diesem Projekt noch keine zukünftigen Stars hervorgegangen, die für die erste Mannschaft in Frage kämen, die Vereinsmitarbeiter sind sich aber dennoch darin einig, dass die Arbeit in Südafrika bisher die befriedigendste war. Wenn an dem alten Sprichwort, das gute Taten sich immer auszahlen, wirklich etwas dran ist, dann werden die Addicks vielleicht früher als erwartet wieder in der Premier League anzutreffen sein.