Zum zweiten Mal innerhalb von zehn Jahren vertraut der wahrscheinlich berühmteste Fussballverein der Welt auf die Dienste eines deutschen Trainers. Die Galaktischen verpflichteten nach Jupp Heynckes 1997 nun mit Bernd Schuster einen alten Bekannten, der Real Madrid wieder an die Spitze der europäischen Top-Klubs führen soll.

Aber die Verbundenheit zwischen dem spanischen Rekordmeister und seinen deutschen Gastarbeitern ist viel ausgeprägter, als man vielleicht ahnt. Seit mehr als 30 Jahren lockt Real Madrid deutsche Superstars in den Süden, um sie für die Merengues auf Tore- und Punktejagd gehen zu lassen.

FIFA.com wirft einen Blick auf die Geschichte der deutschen Stars, die es in den vergangenen drei Jahrzehnten zum 30-maligen spanischen Meister zog.

Günter Netzer ebnete den Weg
Im Sommer 1973 wechselte der damals 28-jährige Günter Netzer als erster Deutscher in die Primera División. Netzer war gerade erst Deutscher Meister und Pokalsieger mit Borussia Mönchengladbach geworden, als ihn der Lockruf aus Spanien erreichte. In den Jahren zuvor hatte eine Ausländersperre in der spanischen Liga gegolten, um die Nationalmannschaft zu stärken. Netzer ebnete mit seinem Wechsel nicht nur den Weg für alle deutschen, sondern auch für weitere internationale Stars, die es in den darauf folgenden Jahren zu Real Madrid zog. Der Mittelfeldspieler gewann mit den Königlichen zwei spanische Meisterschaften und zwei Mal den spanischen Pokal, bevor er Madrid in Richtung Zürich verließ.

Paul Breitner stieß ein Jahr nach seinem Landsmann zu Los Blancos. Er profitierte dabei nicht nur vom Gewinn der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1974, sondern auch von seinen starken Leistungen im Trikot des FC Bayern München. Breitner, der zur damaligen Zeit sein Image als Rebell pflegte und sich im Dauerstreit mit Bundestrainer Helmut Schön befand, stellte schnell fest, dass der spanische Traditionsklub ein großes Herz mit dem Namen Santiago Bernabéu hat.

"Er ist der einzige Weise, den ich in meinem Leben bisher kennen gelernt habe. Ein Mensch voller Wärme und Herzlichkeit, und das war eine Herzlichkeit, die dich richtig erschlagen hat", sagte Breitner in einem Interview über den legendären Präsidenten Real Madrids.

Der Dauerbrenner und ein blonder Engel
Die Beziehungen zwischen Real Madrid und den deutschen Superstars war nach den Abgängen von Günter Netzer und Paul Breitner jedoch noch lange nicht beendet. Ganz im Gegenteil: Der deutsche Nationalspieler Uli Stielike wechselte 1977 von Borussia Mönchengladbach zum spanischen Top-Klub und entwickelte sich dort zum deutschen Dauerbrenner. In den acht Jahren, die der in Ketsch geborene Stielike bei Real Madrid verbrachte, holte er mit den Königlichen vier spanische Meisterschaften, zwei Pokalsiege und den UEFA Pokal. "Selbstverständlich bin ich stolz, vor allen Dingen auch deshalb, weil ich von 1977 bis 1985 acht Jahre lang bei Real gespielt habe. Aufgrund der damaligen Ausländerregelung, die nur zwei ausländische Spieler pro Mannschaft zuließ, war das schon etwas Besonderes", blickte der heutige Nationaltrainer der Elfenbeinküste in einem Interview mit dem Fussballverband Niederrhein auf seine Zeit in Spanien zurück.

Drei Jahre nach dem Wechsel Stielikes von Real Madrid zu Neuchatel Xamax erinnerte sich der erfolgreichste Verein Europas (neun Erfolge im Europapokal der Landesmeister bzw. der UEFA Champions League und zwei Mal Gewinner des UEFA-Pokals) an die Qualitäten deutscher Fussballer. Wohl auch, weil Bernd Schuster schon acht Jahre lang in der Primera División für den Erzrivalen FC Barcelona erfolgreich spielte, verpflichtete man 1988 den Blonden Engel. Zwei Meisterschaften und einen Pokalsieg verbuchte der 21-malige Nationalspieler in seiner Zeit bei Real Madrid, bevor er 1990 zu Atletico Madrid wechselte.

Deutsche Tradition verpflichtet
Wenn der deutsche Fussball für eine Sache auf der ganzen Welt bekannt ist, dann für die starken Torhüter, die ihre Klubs oder auch die Nationalmannschaft zu internationalen Erfolgen geführt haben: Oliver Kahn, Jens Lehmann, Toni Schumacher oder Sepp Maier. Einer von ihnen ist auch Bodo Illgner. Bereits 1986 kam der gebürtige Koblenzer zum ersten Mal mit seinem späteren Klub Real Madrid in Kontakt. Im UEFA-Pokal-Finale, in dem der 1. FC Köln mit Toni Schumacher im Tor mit 3:5 nach Hin- und Rückspiel den Kürzeren zog, hütete Illgner jedoch noch die Ersatzbank. Fast genau zehn Jahre später, am 30. August 1996, wechselte der ehemalige Nationaltorwart nach 326 Bundesliga-Partien für vier Millionen Mark und fünf Jahre nach Spanien zu Real Madrid. Zwei Meisterschaften, zwei Champions-League-Siege und der Gewinn des Weltpokals verdeutlichen, in welch einer erfolgreichen Zeit Illgner für die Spanier das Tor hütete.

Zum Erfolg des im Jahr 2000 von der FIFA als "Bester Fussballklub des 20. Jahrhunderts" geehrten Vereins trug in der Saison 1997/98 ein weiterer Deutscher bei. Der damals 52-jährige Jupp Heynckes gewann zwar gemeinsam mit seiner Mannschaft die UEFA Champions League, musste aber nach dem Finale den Verein verlassen, da die Madrilenen in der spanischen Meisterschaft nur den vierten Platz belegten.

Das deutsche Duo der Moderne
In der Saison 2007/08 soll nun das neue deutsche Duo Bernd Schuster/ Christoph Metzelder den spanischen Rekordmeister zu nationalen und internationalen Erfolgen führen. 19 Jahre nach seinem Wechsel als Spieler vom FC Barcelona zu Real Madrid heuerte der mittlerweile 47-Jährige erneut bei den Königlichen an. Der Blonde Engel erhielt einen Dreijahresvertrag, der ihm jährlich rund 3,5 Millionen Euro bringt. Wie hoch Schuster in der Gunst der Madrilenen steht, unterstreicht der aktuelle Real-Präsident Ramón Calderón: "Er ist ein großartiger Trainer und eine großartige Persönlichkeit. Wir sind zuversichtlich, dass er eine Mannschaft aufbauen wird, die Großes erreichen kann."

Schuster, der zuvor zwei Jahre beim spanischen Erstligisten FC Getafe als Trainer arbeitete, hat noch höhere Ziele und unterstrich dies direkt bei seiner ersten Pressekonferenz. "Ich hoffe, dass die Spieler an die Fans denken und sie glücklich machen werden. Man muss nicht nur Titel gewinnen, sondern dabei auch die Zuschauer unterhalten", erklärte Schuster bei seinem Amtsantritt.

Um dieses Vorhaben zu realisieren, vertraut der Europameister von 1980 auch auf die Dienste eines aktuellen deutschen Nationalspielers. Nach 16 Jahren ohne einen Deutschen im Kader der Galaktischen wurde Christoph Metzelder für drei Jahre an den Verein gebunden und lebt nun gemeinsam mit seinem Trainer die deutsch-spanische "Fussball-Freundschaft" weiter, die sich in den vergangenen 34 Jahren entwickelt hat.