Mit seinen gerade einmal 20 Jahren befindet sich Lionel Messi in einem Alter, in dem die meisten Fussballer erst ihr Debüt im Profigeschäft feiern. Der Argentinier aber gilt schon jetzt als Star bei einem der weltweit größten und bekanntesten Vereine, mit dem er bereits spanischer Meister wurde. Darüber hinaus nahm er schon der Endrunde einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ teil. Zahlreiche Fachleute bezeichnen ihn als einen der weltbesten Fussballer der Gegenwart.

Dennoch hat sich Lionel Messi die für sein Alter typische Unbekümmertheit und Bescheidenheit erhalten. So verwegen und unnachgiebig er auf dem Spielfeld auch sein mag, abseits davon bleibt er stets höflich und zuvorkommend. Das argentinische Supertalent, das trotz seiner Jugend bereits als Idol gilt und eine glänzende Zukunft vor sich hat, rührte die Werbetrommel für die FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft Rio de Janeiro 2007 (2. bis 12. November) und beantwortete geduldig die Fragen von FIFA.com, ohne dabei auch nur im Geringsten von seiner Bescheidenheit abzurücken.

Das Wunderkind des Weltfussballs ließ keine Frage unbeantwortet und sprach über die dramatische Schlussphase in der spanischen Meisterschaft ebenso locker wie über seine Zukunft beim FC Barcelona und das Ausscheiden der argentinischen Nationalmannschaft in Deutschland 2006. Gleichzeitig machte er keinen Hehl aus seiner Verehrung für Ronaldinho, den in seinen Augen besten Fussballer der Welt.

Lionel Messi, in der spanischen Meisterschaft stehen noch zwei Spieltage aus. Ihre Mannschaft befindet sich derzeit in einem spannenden Endspurt um den Titel mit Real Madrid und dem FC Sevilla. Wie sehen Sie das Ganze?
In der Schlussphase dieser Meisterschaft ging es in der Tat sehr eng zu, und die drei Führenden haben alle noch die Chance, Meister zu werden. Sicher, im Moment ist Real Madrid uns gegenüber im Vorteil. Doch ich habe volles Vertrauen in meine Mannschaft und glaube fest daran, dass wir am Ende noch den Titel holen können. Das wäre eine Riesenfreude.

Vor allem deshalb, weil der FC Barcelona zeitweilig aufgrund seines Vorsprungs uneinholbar schien...
Das ist richtig. Andererseits ist es nicht leicht, die gesamte Saison über den gleichen Schwung und Rhythmus beizubehalten. Man muss dabei auch sehen, dass wir zu Beginn dieses Jahres einige verletzte Spieler zu beklagen hatten. Das hat uns auch etwas zurückgeworfen. Hinzu kommt, dass Real Madrid nach der Winterpause wesentlich stärker wurde und damit den Kampf um den Meistertitel wieder richtig spannend gemacht hat. Was uns betrifft, so konnten wir in den vergangenen Wochen zu unserem Spielniveau zurückfinden, und genau das lässt uns wieder für die unmittelbare Zukunft hoffen.

Vor kurzem fand das Finale in der UEFA Champions League statt. Hatten Sie das Gefühl, dass auch Sie in Athen hätten dabei sein können, um den Titel aus dem Vorjahr zu verteidigen?
Ja, natürlich. Es war schon frustrierend, so kurz vor dem Ziel am FC Liverpool gescheitert zu sein und die Engländer dann an unserer Stelle im Finale zu sehen. Doch im nächsten Jahr werden wir einen neuen Versuch starten und erneut nach dem Titel in Europas Königsklasse greifen.

Für Sie wäre es die Gelegenheit, erstmals ein Champions-League-Finale zu bestreiten, denn im vergangenen Jahr konnten Sie wegen einer Verletzung nicht spielen.
Das ist einer meiner großen Träume. Einmal dieses Finale zu spielen und es obendrein noch gewinnen. Jedenfalls war ich letztes Jahr unheimlich begeistert über die Art und Weise, wie wir uns den Titel erkämpft haben, auch wenn ich nicht selbst dabei sein konnte.

Das ist jetzt schon einige Zeit her. Inzwischen zählt man Sie zu den besten Fussballern der Welt. Das sehen auch einige Ihrer Mannschaftskameraden so. Für Gianluca Zambrotta und Javier Saviola sind Sie derzeit sogar der weltbeste Spieler...
Nein, nicht doch (lacht). Ich glaube nicht, dass ich schon so weit bin. Natürlich ehrt es mich sehr, dass man so über mich spricht. Ich versuche in jeder Partie, so gut wie möglich zu spielen und damit der Mannschaft zu dienen. Doch der beste Spieler der Welt bin ich nicht.

Aber der Treffer, den Sie gegen den FC Getafe erzielt haben, war alles andere als alltäglich. Wie sehen Sie dieses Tor heute, da seitdem zwei Monate vergangen sind?
Es war ein wunderschönes Tor, und ich weiß nicht, ob mir so etwas noch ein zweites Mal gelingen wird. Davon zehre ich noch immer, denn so etwas vergisst man sein ganzes Leben nicht mehr.

Wenn nicht Sie, wer ist dann der beste Fussballer der Welt?
Ich habe schon immer gesagt, dass es für mich Ronaldinho ist. Er ist ein beeindruckender Spieler, der eine Partie jederzeit entscheiden kann. In der Zeit, die wir bisher zusammen spielen, habe ich mich von Beginn an bemüht, so viel wie möglich von ihm zu lernen. Außerdem ist er ein guter Freund.

Und wann glauben Sie, werden Sie selbst einmal so weit sein?
Ich weiß nicht, ob ich es eines Tages so weit bringen werde. Im Moment ist es noch ein Traum, den ich bewusst auslebe und den ich so lange wie nur möglich erleben möchte.

Dennoch, in Barcelona sind Sie mittlerweile zum Idol aufgestiegen. Damit scheinen die Gerüchte um einen möglichen Vereinswechsel erst einmal beendet zu sein, oder?
Ja, zum Glück ist davon nicht mehr die Rede. Barcelona ist mein Zuhause, hier wurde ich von Anfang an sehr gut behandelt. Ich habe also keinerlei Veranlassung, woandershin zu gehen. Und mit dieser Mannschaft möchte ich noch viele Titel gewinnen.

Nach dem Saisonende mit dem FC Barcelona steht Ihnen mit der Copa América schon die nächste große Herausforderung bevor. Fühlen Sie sich noch ausreichend dafür motiviert?
Sogar sehr. Für mich bedeutet allein die Berufung für die argentinische Nationalmannschaft bereits eine große Motivation. Natürlich möchte ich bei der Copa América in Venezuela für Argentinien spielen.

Allgemein entsteht der Eindruck, dass die argentinischen Nationalspieler für dieses Turnier mehr Interesse aufbringen als ihre Kollegen aus anderen Ländern. Ist dem tatsächlich so?
Ja, wir messen diesem Turnier eine große Bedeutung bei. Auf der anderen Seite habe ich aber auch Verständnis für das Verhalten von Nationalspielern wie Ronaldinho oder Kaká, die ihre Teilnahme abgesagt haben. Die Saison in Europa ist hart und fordert eben ihren Tribut. Von daher finde ich es durchaus normal, wenn die Spieler für sich eine Pause in Anspruch nehmen.

Wird Lionel Messi in Venezuela 2007 mit Argentinien den Titel holen?
Ich hoffe es. Zunächst werde ich die Reise dorthin antreten und dann mit meiner Mannschaft alles daran setzen, ein gutes Turnier zu spielen. Wir alle wollen den kontinentalen Titel, nachdem wir ihn bei der vorigen Auflage in letzter Minute verpasst haben.

Ihre erste Teilnahme an einer FIFA Fussball-WeltmeisterschaftTM liegt jetzt fast ein Jahr zurück. War es für Sie sehr schmerzhaft, im entscheidenden Duell gegen Gastgeber Deutschland nicht selbst zu spielen?
Nein. Aber das Ausscheiden und die traurige Gewissheit, nicht mehr im Turnier vertreten zu sein, das empfand ich als viel schlimmer. Natürlich hätte ich meiner Mannschaft gerne in diesem Spiel geholfen. Doch der Trainer hatte festgelegt, wer spielen sollte, und ich habe seine Entscheidung absolut respektiert. Für mich war es schon eine große Ehre und Freude, überhaupt bei diesem WM-Turnier mit von der Partie zu sein.

Sie spielen als gerade einmal 20-Jähriger schon für den FC Barcelona und damit in der Weltelite des Fussballs. Was wünschen Sie sich da noch für die Zukunft?
Mit Argentinien Weltmeister zu werden und noch mehrere Erfolge mit dem FC Barcelona in der UEFA Champions League zu feiern! (lacht)