Trotz des späten Gegentores, das den Traum vom Einzug ins Halbfinale der UEFA Champions League in letzter Minute platzen ließ, kann David Silva voller Stolz auf das blicken, was er in der aktuellen Spielzeit schon alles erreicht hat. Aufgrund seiner Fortschritte im Verein - Silva gilt beim FC Valencia als die Entdeckung schlechthin in diesem Jahr - konnte er sich auch einen Stammplatz in der spanischen Nationalmannschaft erobern.

Sein Hinspiel-Treffer gegen den FC Chelsea in London war derart spektakulär, dass ihn selbst die gegnerischen Spieler dazu beglückwünschten. "Gegen Petr Cech so ein Tor zu machen, ist alles andere als ein Kinderspiel, denn für mich ist er der beste Torwart der Welt. Ich habe schon viele Spieler des FC Valencia und deren Spielweise kennen gelernt. Silva aber hat mich in diesem Jahr echt überrascht. Er geht mutig in die Zweikämpfe, ist torgefährlich und bewegt sich viel. Auch ist er nur schwer vom Ball zu trennen. Dazu kommt sein gutes Schussvermögen", so die anerkennenden Worte von Chelsea-Mittelfeldspieler Frank Lampard.

Silva, der in dieser Saison zum ersten Mal in der europäischen Königsklasse zum Einsatz kam, spielte sich auf Anhieb in die Herzen der Fans. Zwar gelang ihm sein absolutes Meisterstück mit dem sensationellen Treffer an der Stamford Bridge, doch bereits am 21. Februar hatte der junge Flügelflitzer in der Partie gegen Inter Mailand ein ähnlich schönes und spektakuläres Tor erzielt. Vielleicht ist es der Zauber der Zahl 21, der ihn zu solchen Leistungen beflügelt. Denn die 21 ist nicht nur die Zahl, die Silva auf seinem Trikot als Rückennummer trägt, sondern sie ist auch identisch mit seinem Lebensalter. Erst am 8. Januar dieses Jahres feierte er seinen 21. Geburtstag.

Seine fussballerische Entwicklung in den vergangenen sechs Monaten hat Silva völlig zu Recht zum derzeit hoffnungsvollsten Nachwuchstalent des spanischen Fussballs avancieren lassen. Valencias Coach Quique Sánchez Flores machte ihn zum Stammspieler (in der laufenden Spielzeit rangiert Silva von den gespielten Minuten her an vierter Stelle), und mit seinem Mitspieler David Villa versteht er sich inzwischen nahezu blind.

Da Vicente wegen einer Verletzung für längere Zeit ausfiel, wurde Silva zunächst auf der linken Verteidigerposition eingesetzt. Darüber hinaus fühlt er sich auch in der zentralen Position oder auf der rechten Außenbahn sichtlich wohl. "Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, welche Position mir am besten liegt. Andererseits bereiten mir die derzeitigen Positionswechsel keinerlei Probleme. Ich komme auf jedem Posten zurecht. Das Wichtigste ist doch, dass man überhaupt spielt. Offensichtlich genieße ich auch das Vertrauen des Trainers, denn er hat mich bisher für sämtliche Partien berücksichtigt. Ich hoffe, dass ich mich dafür mit guten Leistungen bedanken kann", so der Kommentar von Silva, wobei ihm ein breites Lächeln über die Lippen huscht.

Seine Vielseitigkeit ist allein schon ein großer Pluspunkt, doch er ist bei Weitem nicht der einzige. David Silva räumt mit dem stereotypen Vorurteil auf, wonach es sich bei den kanarischen Fussballern um "artige" Profis handelt, die zwar auf dem Platz einen starken Charakter zeigen, sich nach dem Spiel aber schnell wieder beruhigen. Davon zeugen seine schnellen Vorstöße über die Außenbahnen, seine hervorragende Schusstechnik und vor allem seine Unbekümmertheit gegenüber gestandenen Abwehrspielern. Hinzu kommt seine Entschlossenheit im Abschluss. Sobald sich ihm eine Lücke bietet, drückt Silva mit seinem starken linken Fuß ab, auch von außerhalb des Strafraums.

Talentiert und beherzt
Spaniens Nationaltrainer Luis Aragonés hatte den Wert des Nachwuchstalentes schon früh erkannt und beschloss daher, sich die spontane und unbekümmerte Art des Jungen zu einem Zeitpunkt zu Nutze zu machen, da sein Nationalteam dringend frische Impulse benötigte. So kam es, dass Silva anlässlich eines Freundschaftsspiels gegen Rumänien in Cádiz am 15. November 2006 sein erstes Länderspiel bestritt. Zwar ging die Partie verloren, doch Valencias Außenverteidiger erntete in den Medien dank seines aufopferungsvollen Spiels, seiner raumgreifenden Vorstöße und seiner Torgefährlichkeit eine Menge Lob. Seither gehört Silva mit seiner Rückennummer 21 ununterbrochen zur Stammformation der spanischen Nationalelf, mit der er sich zurzeit mitten im Kampf um die Qualifikation für die UEFA EURO 2008 befindet.

Vor dem Sprung in die A-Nationalmannschaft war David bereits mit der spanischen U-19-Auswahl erfolgreich, mit der er im Jahr 2004 Europameister wurde. Schon ein Jahr zuvor hatte Silva bei der FIFA U-17-Weltmeisterschaft in Finnland ein herausragendes Turnier gespielt. Auch wenn sich die jungen Spanier seinerzeit mit Platz 2 begnügen mussten, die drei Tore von Silva im Gruppenspiel gegen Korea Republik hatten die Grundlage für den späteren Einzug ins Finale gelegt, in dem das Team um Kapitän Cesc Fábregas dann Brasilien unterlag.

Der damals knapp 18-jährige Silva weckte naturgemäß das Interesse zahlreicher Talentspäher. Derweil rieb man sich in Valencia schon die Hände, denn die dortigen Scouts hatten sich des jungen Talents bereits vier Jahre vor seiner "Entdeckung" angenommen.

Schon als 12-jähriger Junge verfügte David, der in seinem kanarischen Heimatort Arguineguín mit seinen Freunden dem Ball nachjagte, über eine erstaunliche Balltechnik. In Arguineguín guckte er sich so manchen Trick von Juan Carlos Valerón ab, einem weiteren kanarischen Topspieler, der mit seinem Vater in einer Mannschaft spielte.

Ein Jahr danach verließ er Arguineguín und zog mit seinen Eltern nach Turia auf das spanische Festland um. Doch die Anpassung an das Leben in der Stadt am Mittelmeer fiel ihm nicht leicht. Seine Eltern und sein jüngerer Bruder erkannten das und entschlossen sich kurzerhand, erneut die Koffer zu packen, um dem Jungen die bereits eingeschlagene Laufbahn als Fussballer auch weiterhin zu ermöglichen. Eine absolut richtige Entscheidung, wie sich inzwischen herausstellte.

"Ich hatte echt Anpassungsprobleme, die ich dank der Unterstützung meiner Eltern schließlich überwinden konnte. Andererseits haben mir jene Jahre der relativen Einsamkeit geholfen, als Mensch zu reifen und meine Persönlichkeit zu festigen", so Silva im Rückblick.

Gezielte Weiterentwicklung
Die intensiven Jahre im Ausbildungszentrum des Fussballnachwuchses dienten indes der gezielten Weiterentwicklung seines großen Talentes. Die dabei erzielten Fortschritte bewogen seine Übungsleiter schon im Jahr 2004, ihn nach Eibar zu schicken, um in der dortigen Zweitligamannschaft die ersten Erfahrungen im Profifussball zu sammeln.

Nach der FIFA Junioren-Weltmeisterschaft 2005 holte ihn Celta Vigo, das gerade in die Primera División aufgestiegen war, mit Zustimmung aus Valencia in die nordspanische Hafenstadt. Silva, der in Vigo schon bald zum Schlüsselspieler und Leistungsträger wurde, erreichte mit seinem neuen Team nach dessen Wiederaufstieg auf Anhieb einen Startplatz im UEFA-Pokal.

Nach insgesamt 34 erfolgreichen Pflichtspieleinsätzen für Celta Vigo gelangte man in Valencia zu der Auffassung, dass es nun an der Zeit sei, den Lohn für die Investition in das Nachwuchstalent Silva zu ernten. Vor allem Trainer Sánchez Flores war es, der auf eine Rückkehr Silvas nach Valencia drängte. Weil es in seinem Heimatklub schon eine ganze Reihe guter Außenverteidiger gab, fand er sich zunächst nur auf der Ersatzbank wieder. Als sich der Verein in dieser Saison jedoch zunehmend von Verletzungssorgen geplagt sah, bot sich dem kanarischen Nachwuchstalent die erhoffte Chance, die er bislang auch konsequent und erfolgreich zu nutzen wusste.

Sein ausgeprägter Kampfgeist wird ihm zweifellos helfen, den durch das Scheitern in der UEFA Champions League erlittenen Schock zu überwinden und sich wieder auf den Kampf um die ersten vier Plätze in der spanischen Meisterschaft zu konzentrieren. Denn dann könnte der FC Valencia im nächsten Jahr einen neuen Anlauf in Europas Königsklasse starten.

Da diese bittere Erfahrung gleichzeitig Bestandteil des Reifungsprozesses ist, wird Silva es in der kommenden Saison mit Sicherheit auch besser verstehen, daraus die erforderlichen Lehren zu ziehen und seinem Verein zu neuen Erfolgen zu verhelfen.