Sein Name mag nicht so bekannt sein wie der seines Vorgängers, aber dennoch ist Australiens Coach Graham Arnold seit mittlerweile 22 Jahren mehr oder weniger direkt mit den Geschicken der Nationalmannschaft seines Landes vertraut.

Er war sich wohl bewusst, dass weder seine 52 Länderspiele für Australien noch die Erfahrung, die er als Assistent von Frank Farina und Guus Hiddink gesammelt hat, garantieren würden, dass man ihn mit offenen Armen empfangen würde. Doch Arnold verfügt über genügend Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und ist überzeugt davon, dass der Australische Fussballverband (FFA) den richtigen Mann als Nachfolger des Niederländers und den Aufbruch in eine neue, aufregende Fussballära gewählt hat. Immerhin blicken die Australier nach ihrem guten Abschneiden bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ nun mit Spannung auf die erste Teilnahme ihrer Geschichte am AFC Asien-Pokal. Sie setzen alles daran, dieses Turnier zu gewinnen und sich dann vor anderen, etablierteren Teams das Ticket für Südafrika zu sichern.

Arnold, dem man das Amt anvertraut hat, um Australien zum Sieg zu führen, ist auch dabei, eine etwas in die Jahre geratene Mannschaft zu verjüngen. Währenddessen wird er ständig mit Gerüchten über die Namen möglicher Nachfolger konfrontiert. Dabei wurde zuletzt Jürgen Klinsmann genannt, der angeblich bereit sei, das Amt nach der Asienmeisterschaft anzutreten. Ungeachtet dessen, dass die FFA kein Hehl aus ihrem Willen macht, einen Trainer von Hiddinks Profil zu verpflichten, der die Socceroos nach Südafrika 2010 führt, versicherte Arnold gegenüber FIFA.com, dass er um seinen Job kämpfen wird. So versichert er: "Ich bin der Mann, der Australien auf die nächsthöhere Stufe führen kann."

Graham Arnold, nun, da Sie allmählich mit Ihrem Job vertraut sind: Wieviel Spaß macht er Ihnen?
Ich liebe ihn einfach. Natürlich ist es eine Herausforderung, das steht wohl außer Frage, wenn man auf jemanden wie Guus Hiddink folgt. Ungeachtet der Leistungen von Guus gibt es keinen Zweifel daran, dass der australische Fussball sich gegenwärtig in einer Übergangsphase befindet, einer sehr spannenden übrigens. Es stand nie außer Frage, ob ich dieses Amt wollte oder ob es mir Spaß macht, nun da ich es innehabe. Ich bin zufrieden damit, wie die Dinge bislang gelaufen sind. Für uns ist in Asien alles neu, weshalb es wie ein Abenteuer ist, bei dem man natürlich auch hier und da einen Rückschlag erleidet. Es gibt für mich jedoch keinen Zweifel daran, dass wir auf Kurs sind.

Sie mussten natürlich vielen jungen Spielern eine Chance geben, nachdem eine ganze Reihe erfahrener Akteure nach der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ ihren Rücktritt erklärt hatte. Wie wichtig war es für Sie, Routiniers wie Mark Viduka und John Aloisi zum Weitermachen zu überreden?
Das war ungeheuer wichtig. Nach der Weltmeisterschaft hatten fünf Spieler ihren Rücktritt erklärt, und es gab weitere fünf oder sechs - darunter auch Mark und John - die ebenfalls mit diesem Gedanken spielten. Unter normalen Umständen hätten sie das auch getan. Was sich jedoch für Australien geändert hat, ist, dass nicht mehr alles von der Weltmeisterschaft abhängt. Es gibt nun andere wichtige Ereignisse im internationalen Wettkampfkalender, nachdem wir uns der AFC angeschlossen haben. Der Asien-Pokal ist ein großes Ziel, wenn man all die Teams bedenkt, mit denen wir es dort zu tun bekommen. Die Mannschaft ist überzeugt davon, dass sie dieses Turnier gewinnen kann. Das war doch ein großer Anreiz für Spieler wie Mark und John weiterzumachen, und mit 31 Jahren haben sie hoffentlich noch viele Spiele auf internationaler Ebene vor sich. Es war gar nicht so schwer, sie zum Weitermachen zu überreden, sie haben jedoch klargestellt, dass für sie nach dem Asien-Pokal Schluss ist und dass wir uns rechtzeitig auf die Suche nach Ersatz für sie machen müssen. Deswegen bauen wir im Augenblick so viele junge Spieler in die Mannschaft ein.

Wie haben Sie und die Spieler den Übergang zum Fussball in Asien erlebt?
Was die Qualität des Fussballs angeht, so war das auf jeden Fall eine große Verbesserung. Einige Dinge haben uns jedoch auch schockiert, um ehrlich zu sein. Wir kehrten aus Deutschland zurück und mussten anschließend in Bahrain antreten, auf einem holprigen Platz vor gähnend leeren Zuschauerrängen. Das hat uns schon die Augen geöffnet. In Kuwait haben dann manche Spieler während des Spiels bis zu sieben Kilo an Gewicht, also Wasser, verloren, so heiß war es dort. Ich glaube, manche haben auch unterschätzt, wie viele logistische Probleme der Wechsel des Verbandes mit sich bringt. Manchmal müssen wir zwei oder sogar drei Flüge nehmen, um in die Länder zu gelangen, in denen wir spielen. Der Umstand, dass alle unsere Leistungsträger in Europa spielen, macht das Ganze noch komplizierter. Wir haben uns jedoch diesen Problemen gestellt und uns mittlerweile ganz gut angepasst.

Der Umstand, dass die A-League so eine spektakuläre Entwicklung durchmacht, dürfte auch äußerst nützlich sein…
Die A-League ist einfach fantastisch. Wenn 52.000 Fans kommen, um das große Finale zu sehen, dann wird einem klar, wie viel sich mittlerweile auf dem Rasen und auch auf der kommerziellen Seite getan hat. Eine starke Profi-Liga im eigenen Land bewirkt sicher, dass der Abstand zu den europäischen Ligen kleiner wird. Keineswegs ideal ist jedoch der Umstand, dass wir immer noch keine Nachwuchs-Liga haben. Wir müssen noch mehr Spieler fördern, denn der Umstand, dass es eine Gehaltsobergrenze gibt, führt dazu, dass die Vereine 20-Mann-Kader haben, weswegen nur die Allerbesten den Durchbruch schaffen. Die Nachwuchsarbeit erachte ich als äußerst wichtig, wenn man nur das Altersprofil unseres WM-Kaders ansieht. Nach Spielern wie Brett Emerton (28 Jahre) gibt es eine große Lücke bis zu unserem einzigen 21-Jährigen, Mike Milligan. Die aktuelle Generation australischer Spieler ist einfach nicht stark genug.

Sie haben sich als erste Mannschaft für den AFC Asien-Pokal qualifiziert. Glauben Sie, dass Sie das Turnier gewinnen können?
Wir möchten es gewinnen, so lautet meine klare Zielsetzung. Ich bin ein sehr positiv denkender Mensch. Wenn man mir genügend Zeit gibt, mich mit der Mannschaft vorzubereiten, dann werden wir auch gut abschneiden. Es sieht so aus, dass wir als die Nummer 1 in Asien in dieses Turnier gehen, weswegen jeder versuchen wird, uns zu schlagen. Zu den Favoriten bei so einem prestigeträchtigen Turnier zu zählen, ist eine große Herausforderung für Australien, auf die ich mich schon sehr freue.

Glauben Sie, dass wir Australien bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ sehen werden?
Das ist für uns alle das größte Ziel. Was in Deutschland geschah, hat Appetit auf mehr gemacht. Die Szenen bei der Rückkehr des Teams nach Australien sind noch unvergessen. Das ganze Land spielte verrückt. Während zuvor die Socceroos nicht vom ganzen Land unterstützt wurden, sind wir mittlerweile die Nationalmannschaft, und das gilt für Fans aller Sportarten. Ich kann mich daran erinnern, wie wir 2001 vor gerade einmal 1.800 Zuschauern gegen Paraguay spielten. Als Paraguay jedoch im letzten Jahr hier zu einem Freundschaftsspiel antrat, erschienen 48.000 Fans. Das zeigt, wie schnell die Dinge sich entwickelt haben. Da ich seit 1985 erst als Spieler und dann als Assistenztrainer dabei bin, habe ich genug von den schlechten Zeiten gesehen, um mich über die jetzige Entwicklung zu freuen.

Sie waren lange Zeit Assistenztrainer. Wie leicht war für Sie der Übergang zum Chefcoach?
Es war ein ganz natürlicher Prozess. Es war eine tolle Erfahrung, von Leuten wie Guus Hiddink und Frank Farina zu lernen, doch ich bin von meiner Persönlichkeit her ein Führungsmensch und habe insgeheim immer damit geliebäugelt, den nächsten Schritt zu machen.

Es ist jedoch kein Geheimnis, dass die FFA immer wieder mit sehr renommierten Trainern wie Jürgen Klinsmann und Gerard Houllier in Verbindung gebracht wird. Haben Sie angesichts dessen noch Hoffnung, Ihren Job auch nach dem Asien-Pokal behalten zu dürfen?
Frank Lowy (FFA-Vorsitzender) ist von Anfang an sehr ehrlich zu mir gewesen. Ich weiß also, dass man sehr daran interessiert ist, mit einem erfahrenen Coach in die Qualifikationsspiele zur Weltmeisterschaft zu gehen. Der gegenwärtige Plan sieht so aus, dass ich jeden unterstütze, den man verpflichtet. Ich sehe mich noch als jungen Trainer, so dass ich damit kein Problem habe. Andererseits bin ich auch ehrgeizig, und wenn ich der Mannschaft helfen kann, den Asien-Pokal zu gewinnen, dann dürfte die FFA schon ins Grübeln kommen. Die Weltmeisterschaft war fantastisch, doch mittlerweile ist sie Geschichte. Australien muss sich weiter entwickeln, und ich bin zuversichtlich, dass ich der Mann bin, der das Team auf das nächsthöhere Niveau führen kann.