Als Razak Omotoyossi Anfang 2007 ins winterlich-kalte Helsingborg wechselte, wusste man nur wenig über den Afrikaner und erwartete wohl noch weniger von ihm. Schon der Name des Beniners, dessen Weg nach Helsingborg über Moldawien führte, war eine echte Herausforderung für die Fans, und viele erwarteten, dass er selbst an der Herausforderung scheitern würde, sich an die körperlichen Anforderungen, das Wetter und die Lebensumstände im Süden Schwedens anzupassen.

Doch der Afrikaner benötigte nur eine Saison, um all diese Befürchtungen gründlich zu widerlegen. Schon sehr bald konnten die Fans den Namen Razak Omotoyossi perfekt aussprechen, und sie sangen ihn an den Wochenenden in voller Lautstärke von den Rängen.

Omotoyossi fand sich in der beneidenswerten Rolle des Sturmpartners von Henrik Larsson wieder und schloss die Saison 2007 prompt mit 14 Treffern als Rekordtorschütze ab. Auch im laufenden UEFA-Pokalwettbewerb ist er bislang einer der erfolgreichsten Stürmer. Mit sechs Toren (ebenso viele wie Larsson) im zweiten großen europäischen Vereinswettbewerb hatte Omotoyossi erheblichen Anteil daran, dass Helsingborg die Runde der letzten 32 Teams erreichte. Es kann daher nicht wirklich überraschen, dass der 22-Jährige kürzlich in der italienischen Sportzeitschrift Guerin Sportivo als einer der 50 voraussichtlichen Topstars der nahen Zukunft genannt wurde.

Während der Erfolg des Beniners für viele überraschend kam, hat FIFA.com den schnellen Stürmer schon seit der FIFA U-20-Weltmeisterschaft vor zwei Jahren in den Niederlanden intensiv beobachtet, als er das erste Tor aller Zeiten für Benin bei einer WM-Endrunde erzielte. "Ich will immer Tore schießen, jedes Mal, wenn ich den Platz betrete", sagte er damals.

Trotz der durchaus beeindruckenden Leistungen des Teams schied Benin damals nach der ersten Runde wegen der schlechteren Tordifferenz aus. Omotoyossi und sein Sturmpartner Gariga Abou Maiga hatten allerdings Geschmack am Spiel auf hohem Niveau gefunden und stehen auch jetzt wieder gemeinsam im Team Benins, das im Januar erst zum zweiten Mal in seiner Geschichte beim Afrikanischen Nationen-Pokal in Ghana dabei sein wird.

Razak erklärt, warum er mit seinem Sturmpartner, der auch privat gut mit ihm befreundet ist, eine so große Gefahr auf dem Platz darstellt. "Wir (Maiga und ich) verstehen uns auf dem Feld nahezu blind", so Omotoyossi. "Wir spielen schon seit unserer Jugend zusammen und kennen die Laufwege und die Bewegungen des anderen genau. Maigas Fähigkeit, den Ball zu halten und dann genau im richtigen Moment den entscheidenden Pass zu spielen, ergänzt sich hervorragend mit meiner Schnelligkeit und Zweikampfstärke."

Razak wuchs in ärmlichsten Verhältnissen in der nigerianischen Metropole Lagos auf, wo er auf den staubigen Straßen Fussball spielte. Auch nach dem Umzug seiner Familie ins Nachbarland Benin spielte er weiterhin leidenschaftlich Fussball. Dank seines stämmigen Körperbaus, seiner immens kräftigen Beinmuskulatur und der daraus resultierenden Schnelligkeit sowie seiner Torgefährlichkeit war er schon bald auf dem Weg nach oben.

Ein verschlungener Weg zum Erfolg
Zunächst spielte er für die ärmlichen Teams von AJSA FC und JS Pobe in Benin, wo ihm nach der U-20-WM von 2005 der FC Sheriff Tiraspol aus Moldawien einen Vertrag anbot. Nachdem er in der Saison 2005/06 seinen Torhunger eindrucksvoll demonstriert hatte, trat Helsingborg auf den Plan.

Zufällig kam er gleichzeitig mit dem schwedischen Nationalstürmer Henrik Larsson in dessen Heimatstadt an, und die beiden eroberten die Herzen der Fans im Sturm. Zwar schloss man die Ligasaison nur als Achter ab, was zum Rücktritt des Trainers Stuart Baxter führte, doch der Vorstoß in die Runde der letzten 32 Teams im UEFA-Pokal ist durchaus ein schöner Erfolg, der in großen Stücken dem geradezu telepatischen Verständnis zwischen Larsson und Omotoyossi zu verdanken ist.

"Er hat sich im Laufe dieser Saison immens verbessert", so Larsson über seinen Sturmpartner, nachdem er zwei Tore gegen Austria Wien erzielt und seinem Klub damit den Einzug in die K.O.-Runde des UEFA-Pokals gesichert hatte. "Er spielt jetzt vielseitiger und macht nicht mehr alles allein. Er hat sich zu einem besseren Mannschaftsspieler entwickelt und ist dabei weiterhin ein brandgefährlicher Stürmer geblieben. Noch hat er sein volles Leistungsvermögen gar nicht erreicht."

Es steht in den Sternen, ob der ambitionierte Stürmer noch für Helsingborg auflaufen wird, wenn es im UEFA-Pokal weitergeht, bzw. wenn die Saison 2008 beginnt. Denn Omotoyossi macht keinen Hehl daraus, dass er so bald wie möglich in die englische Premier League wechseln will. Es kann nur eine Frage der Zeit sein, bis Angebote von größeren Klubs in stärkeren Ligen kommen. Omotoyossi, der seit seinem Debüt in Benins A-Nationalmannschaft 14 Länderspiele bestritten hat, sieht den Afrikanischen Nationen-Pokal im kommenden Monat als weitere gute Gelegenheit, seinen Wert zu beweisen.

Allerdings spielt Benin unter dem neuen deutschen Trainer Reinhard Fabisch in einer starken Gruppe mit Nigeria, Mali und der Elfenbeinküste. Doch mit Omotoyossi und seinem Freund Abou Maiga, der in der dritten französischen Liga für US Créteil spielt, scheint für Benin alles möglich.

"Es ist ein ganz besonderes Gefühl, für Benin zu spielen", so der junge Stürmer, der genau weiß, dass Benin bei der ersten Teilnahme am Afrikanischen Nationen-Pokal 2004 ohne Punktgewinn und mit nur einem Tor ausschied. "Ich wurde zwar nicht hier geboren, aber dennoch ist dies nun meine Heimat. Jeder einzelne Spieler versucht so zu spielen, dass unsere Fans in der Heimat stolz auf uns sein können."