Der zweite Platz der indonesischen Fussball-Nationalmannschaft beim Tiger Cup war möglicherweise eine Enttäuschung für den englischen Cheftrainer Peter Withe. Es war Indonesiens dritte Teilnahme am renommiertesten Turnier in Südostasien. Der ehemalige englische Nationalstürmer, einst für Aston Villa und Nottingham Forest aktiv, hatte als Trainer der thailändischen Nationalmannschaft die vergangenen beiden Turniere gewonnen. Dieses Jahr versuchte er, einen persönlichen Hattrick zu erzielen und gleichzeitig den Menschen in dem von der Flutkatastrophe schwer erschütterten Land eine kleine Freude zu bereiten.

Es sollte nicht sein - doch niemand kann den bemerkenswerten Mut in Abrede stellen, den es erforderte, angesichts der Bilder dieser schrecklichen Naturkatastrophe weiter zu spielen. Withe, der im vergangenen Jahr verpflichtet worden war, um den gesamten Fussballsport des Landes, inklusive der Frauenmannschaft, zu koordinieren, weiß, dass er nichts anderes tun kann, als mit sportlichen Erfolgen die leidgeprüften Menschen aufzumuntern.

FIFA.com traf den Mann, der 1982 das entscheidende Tor für Aston Villa im Finale des Europapokals der Pokalsieger gegen Bayern München erzielte, um über seine Fussballphilosophie und seine Visionen für den asiatischen Fussball zu sprechen.

FIFA.com: Trotz der Final-Niederlage im Tiger Cup: Ihr Team hat unter schwierigen Bedingungen gespielt und den indonesischen Fans etwas gegeben, auf das sie stolz sein können. Sind Sie mit der Leistung während des Turniers zufrieden?
Peter Withe: Ich würde sagen, wir haben unser Bestes gegeben und gut gespielt. Unsere Mannschaft bot attraktives Passspiel, eine offensive Ausrichtung und sie erspielte sich Torchancen. Es gab nur ein Spiel, in dem wir kein Tor erzielten (das Gruppenspiel gegen den späteren Sieger Singapur). In der Gruppenphase schossen wir in vier Spielen 17 Tore ohne einen Gegentreffer und trafen dann noch sieben Mal in der K.o.-Runde. Auf das Halbfinale gegen Malaysia konnten wir uns nur zwei Tage lang vorbereiten, weil die indonesische Liga erst am 23. Dezember endete. Wir unterlagen im Hinspiel, doch das Rückspiel entschieden wir klar für uns und qualifizierten uns so für das Finale. Doch dann machten wir in beiden Finalspielen zu viele kostspielige Fehler. Außerdem fehlten im Finale zwei wichtige Spieler (einer war verletzt, der andere gesperrt), und das hat sich ausgewirkt.

Welche Probleme entstanden durch die Flutkatastrophe?
Die Mannschaft hat natürlich, wie die gesamte Nation, um die große Zahl der Toten getrauert. Außerdem machten sich die Spieler Sorgen um ihre Familien und Freunde. Zwei unserer Leute, mein Assistenztrainer und einer unserer Spieler verloren den Kontakt zu ihren Familien während der Katastrophe.

Ihr Halbfinal-Hinspiel gegen Malaysia fand nur vier Tage nach der Flutkatastrophe statt. Haben sie normal weiter trainiert?
Ja, trotz der Schwierigkeiten versuchten wir, uns so gut wie möglich vorzubereiten. Ich habe zu meinen Spielern gesagt: 'Jungs, ihr seid gute Fussballer. Wenn ihr auf den Platz geht, müsst ihr alles andere vergessen. Konzentriert Euch auf das Training oder das Spiel, denn nur so können wir den Menschen Trost bringen.' Das haben sie gut umgesetzt."

Wie haben Sie das Team vor dem Finale gegen Singapur motiviert?
Ich habe meinen Spielern gesagt: "Viele Menschen haben ihr Leben oder ihr Heim verloren. Wenn wir die Trophäe gewinnen, ändert das daran nichts und wir können auch keine Familien zurückbringen. Aber wir können unseren Teil dazu beitragen, dass sich die Leute besser fühlen und ihnen zumindest einen kleinen Grund zur Freude geben."

Sie und ihre Mannschaft haben ein Viertel ihrer Prämie für das Erreichen des Finales gespendet...
Ja, das haben wir. Indonesische Fussballspieler sind nicht reich und sie müssen ihre Familien unterstützen, doch die Mannschaft wollte unbedingt etwas für die leidenden Menschen tun. Nun denken wir darüber nach, einige Benefizspiele gegen starke Gegner auszutragen, um Geld aufzutreiben. Das wollen wir tun und das können wir auch tun.

Die FIFA und der Rest der Fussballwelt haben auch sehr schnell gespendet.
Die Solidarität der Fussballwelt war unglaublich und hat uns sehr geholfen. Die FIFA, der Fussballweltverband, hat sehr weitsichtig gehandelt bei seiner Hilfe für die betroffenen Nationen. Das hat dafür gesorgt, dass die Menschen, nicht nur in Indonesien, sondern auch in anderen, von der Flutkatastrophe betroffenen Ländern, gemerkt haben, dass wir eine große Fussball-Familie sind.

Sie haben das indonesische Herren-Nationalteam nach der Asienmeisterschaft im vergangenen August übernommen. Seitdem hat die Mannschaft drei WM-Qualifikationsspiele und acht Tiger Cup-Spiele bestritten. Sie haben fünf davon gewonnen, vier verloren und zwei Mal unentschieden gespielt. Wie würden sie die Fortschritte der Mannschaft beurteilen?
Das Wichtigste ist, dass sich die Einstellung der Spieler verbessert hat. Sie glauben jetzt mehr an sich selbst und sie haben keine Angst mehr vor schweren Gegnern. Und sie haben gelernt, alle Mannschaften zu respektieren, gegen die sie spielen.
 
In Asien und im Rest der Welt glauben viele Menschen, dass die Spieler aus Südost-Asien, auch aus Indonesien und Thailand, individuell stark, technisch gut und schnell sind, aber dass sie keine echte Mannschaft bilden. Sie gelten immer als Außenseiter.
Das Potenzial in dieser Region ist riesengroß, doch wir müssen gegen starke Gegner spielen, wie Korea, Japan oder den Iran. Dann können wir uns verbessern. In meinen sechs Jahren in Thailand hat die Mannschaft den Abstand immer mehr verkleinert. Bei den Asien-Spielen 1998 schlugen wir Korea und erreichten das Halbfinale. In der Qualifikation zum FIFA Weltpokal Korea/Japan 2002™ erreichte Thailand erstmals die letzte Runde und spielte gegen asiatische Spitzenteams wie den Iran und Saudiarabien. Wir spielten unentschieden gegen den Iran und hätten eigentlich gewinnen müssen. Mannschaften aus Südostasien können die Topmannschaften in Asien herausfordern, wenn sie sich weiter stetig verbessern.

Welche langfristigen Ziele verfolgen sie mit dem indonesischen Fussball?
Meine Ziele sind, die Qualität des Fussballs zu verbessern und mehr junge Talente zu fördern. Ich bin ja auch für den Frauenfussball zuständig. Für das Männerteam gilt: wir müssen zunächst bei den regionalen Turnieren gut abschneiden. Darauf aufbauend können wir versuchen, den Durchbruch bei den kontinentalen Wettbewerben wie der Asien-Meisterschaft, den Asien-Spielen und der WM-Qualifikation zu schaffen.

Das Wort "Einstellung" haben sie wiederholt verwendet. Ist das der Grundstein ihrer Fussball-Philosophie?
Die Aufgabe eines Trainers ist es, das Beste aus seinen Spielern herauszuholen, nicht nur im Fussball, sondern in allem. Um das zu erreichen, muss ein Trainer flexibel sein. Er ist Lehrer, Elternteil, Freund, Dirigent und Anführer. Den Spielern muss man Loyalität, Verantwortungsbewusstsein, Fleiß, Intelligenz und eine professionelle Einstellung vorleben und beibringen. Was immer man tut, es geht darum, sie zu besseren Spielern und zu besseren Menschen zu machen.

Sie waren ein berühmter englischer Nationalspieler. Nun trainieren sie seit sieben Jahren in Asien und haben sich hier als Trainer mit Erfahrung etabliert. Was motiviert sie, sich so dem Fortschritt des asiatischen Fussballs zu widmen?
Egal ob als Spieler oder Trainer, ich will immer nur gewinnen. Ich will gewinnen, also gebe ich 100% Einsatz. Obwohl ich Europäer bin, bin ich loyal zu meiner Mannschaft. Ich fühle und denke inzwischen wie ein Indonesier. Korea hat bei der WM 2002 viel erreicht für den asiatischen Fussball und ich glaube, dieser Kontinent wird immer stärker werden.