Er ist Sambias Trainer, stellvertretender Präsident des Fussballverbandes und mit 41 Jahren immer noch die Seele der Mannschaft auf dem Platz. Kurz nachdem er den Siegtreffer in letzter Minute erzielte, mit dem er seinem Land an die Spitze der Qualifikationsgruppe zur FIFA Fussball-WeltmeisterschaftTM schoss, sprach Kalusha Bwalya, der einzige Spieler aus dem südlichen Afrika, der jemals zum Spieler des Jahres dieses Kontinents gewählt wurde, mit FIFA.com über Freude, Tragödien und ein nicht enden wollendes Märchen.

Kalusha hätte gegen Liberia eigentlich gar nicht spielen sollen. Sambias größter Fussballer hatte seine Stiefel schon lange an den Nagel gehängt. Vor zwei Monaten jedoch hatte er sich selbst in der zweiten Halbzeit gegen Mauritius in einem Spiel um den Cosafa-Cup eingewechselt, um sich von den zehn Millionen Fussballfans seines Landes zu verabschieden.

"Ich wollte den Fans nur Lebewohl sagen", erklärte Sambias Trainer, der im vergangenen Jahr die Nationalelf übernommen hatte. "Wir hatten immer ein gutes Verhältnis, und ich hatte nie die Gelegenheit gehabt, ihnen für ihre Unterstützung zu danken."

Aber nach einem typischen Kalusha-Tor wenige Minuten nach seiner Einwechslung waren die Dinge nicht mehr so klar.

"Es war mein 49. Tor im 99. Spiel", erklärte er in Athen, wo er als Mitglied der Technischen Studiengruppe der FIFA beim Olympischen Fussball-Turnier arbeitete. "Ich habe mich gefragt, ob es nicht schön wäre, auf einhundert Länderspiele zu kommen und die 50 Tore voll zu machen."

Viele hätten nun geglaubt, dass Kalusha, der immer mit der Mannschaft trainiert hatte, um fit zu bleiben, sich ein leichtes Freundschaftsspiel gegen Ende des Jahres aussuchen würde, um das doppelte Jubiläum zu begehen. In Athen hatte er jedoch seine wahren Absichten durchblicken lassen. "Ich werde fünf Minuten vor dem Ende aufs Feld kommen und ein Freistoßtor schießen", witzelte er. Wirklich?

Nachdem Sambia im wichtigen Qualifikationsspiel für Deutschland 2006 gegen Liberia es an der nötigen Durchschlagskraft im Angriff fehlen ließ, verblüffte der Trainer die Zuschauer damit, dass er sich zunächst an der Seitenlinie aufwärmte und sich dann in der zweiten Halbzeit selbst einwechselte. Es war eigentlich eines der langweiligsten Spiele, die in der letzten Zeit in der Hauptstadt Sambias zu sehen gewesen waren, aber keiner der 35.000 Zuschauer hätte gerne das verpasst, was sich kurz vor Ende des Spiels ereignete. Kalusha, einer der größten Spieler Afrikas aller Zeiten, setzte seinem mythischen Status dadurch die Krone auf, dass er einen Freistoß in die Maschen des gegnerischen Tores donnerte.

"Viele waren nicht eingeweiht, aber wir mussten etwas Außergewöhnliches unternehmen", erklärte der Trainer nach seinem fantastischen Tor. "Ich musste einfach aufs Feld kommen und den Burschen helfen."

So hat er also sein 50. Tor im 100. Länderspiel erzielt. Obwohl Kalusha allgemein bekannt für seine entscheidenden Treffer ist, war dies doch ein besonders wichtiges Tor, da es Sambia zur Tabellenspitze in Gruppe 1 neben Togo und dem Senegal verhalf und der Mannschaft eine realistische Chance bewahrt, sich zum ersten Mal für eine FIFA Fussball-Weltmeisterschaft zu qualifizieren.

Vor 16 Jahren wählte man Kalusha zu Afrikas Spieler des Jahres, als der offensive Mittelfeldspieler von Chipolopolo im Zenith seiner Laufbahn zu stehen schien. Noch bevor er 1988 einen Hattrick beim 4:0-Sieg gegen Italien im Rahmen des Olympischen Fussballturniers erzielte, war er mit seinen herausragenden Leistungen in Belgien schon zu einer Art afrikanischem Fussballpionier in Europa geworden. Seitdem war er als Fussball-Globetrotter unterwegs, der in seiner langen und beeindruckenden Karriere für Vereine in Europa, Mexiko und den Vereinigten Arabischen Emiraten spielte.

 

Kalusha Bwalya spielte in der Saison 1994/1995 in Mexiko für Club de America.
(AFP)
MEXSPORT/MARTIN VENEGAS
In all diesen Jahren hat er immer alles für sein Land gegeben. So war er insgesamt sechs Mal beim Afrikanischen Nationen-Pokal im Einsatz, wo er etwa 1994 mit Sambia bis ins Finale vorstieß. Dies nur zwei Jahre, nachdem die meisten Spieler der großen Mannschaft von Seoul 1988 bei dem berüchtigten Flugzeugabsturz vor Gabun (dem 'Gabon Air Distaster', einer der schlimmsten Tragödien in der Geschichte des Fussballs) ums Leben kamen.

Für welchen Verein er auch spielte, Kalusha fand immer Zeit für sein Land. Das stolze Land hatte in den vergangenen Jahren jedoch nur wenige Erfolge zu verzeichnen, doch nachdem der legendäre Spielführer nun zum Trainer der Mannschaft aufgestiegen ist, scheint der Aufschwung nur eine Frage der Zeit zu sein. Wird es ein erneutes Comeback von Kalusha im März 2005 gegen den Kongo geben? Der Magier hat seinem Land schon so viel gegeben, dass man in Sambia nichts mehr für unmöglich hält.