In den vergangenen 20 Jahren haben Vereine in ganz Europa das fussballerische Talent afrikanischer Spieler genutzt. Kalusha Bwalya, dessen spektakuläre Leistungen in Belgien und in den Niederlanden vielen, die nach ihm kamen, den Weg geebnet haben, spricht über die Freude und auch die Opfer, die ein Engagement in den reichsten Ligen der Welt mit sich bringt.

Kalusha war 23 Jahre alt, als Talentspäher vom belgischen Verein Cercle Brügge ihren Vereinsoberen mitteilten, dass sie einen Spieler entdeckt hatten, dessen linker Fuß auf den grünen Spielfeldern Europas sich als ebenso magisch wie auf den staubigen Plätzen Sambias erweisen könnte. Mitte der 80-er Jahre schossen die Transfersummen plötzlich in die Höhe, und die besten Spieler Südamerikas waren bereits von den Top-Klubs in Italien, Spanien, Deutschland, Frankreich und in geringerem Maße auch England weggefischt worden. 1984 hatte Neapel gerade einen Weltrekord bei den Ablösesummen aufgestellt, als man Diego Armando Maradona für 7,5 Millionen Dollar vom FC Barcelona verpflichtete. Aber auch für weniger spektakuläre Spieler aus Argentinien, Brasilien, Uruguay und anderen Ländern wurden hohe Transfersummen und entsprechende Gehälter verlangt.

Afrika entwickelte sich nun zu einer alternativen Nachschubquelle, zu einer interessanten Option. Ohne für allzu viel Furore zu sorgen, hatten die afrikanischen Teams recht gut bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft abgeschnitten, und man hatte allgemein erkannt, dass das Talent der Spieler dieses Kontinents durchaus ausreichte, um mit den Allerbesten mitzuhalten. Um also größeren Vereinen, die durch geschicktes Marketing noch immer reicher wurden, Paroli bieten zu können, waren die weniger reichen europäischen Teams gezwungen, Risiken einzugehen. 1986 beschloss also der Vorstand von Cercle Brügge, den Einsatz von 25.000 Dollar zu riskieren, um den Mittelfeldspieler Kalusha Bwalya aus Sambia zu einem Probetraining zu holen.

"Damals war es noch ziemlich schwierig, nach Europa hineinzukommen", erinnert sich Kalusha. "Man musste schon zu den Besten der Besten gehören - so wie Abedi Pele, George Weah oder Roger Milla. Viele große Spieler hatten nie die Möglichkeit erhalten, in Europa zu spielen. Es war also eine wunderbare Gelegenheit."

Kalusha war bereits Anfang Zwanzig und kam aus fussballerisch bescheidenen Verhältnissen, so dass der Wechsel ins europäische Wunderland kein einfacher war. "Es ist schwierig, wenn man praktisch aus dem Nichts kommt. Jeder möchte dein Freund sein, man muss also schon über ein gutes Urteilsvermögen verfügen. Jeder möchte etwas anderes von dir", erzählt er. "Viel hängt nicht nur von dem ab, was ein Spieler auf dem Platz tut, sondern auch außerhalb. Ob man in guter oder schlechter Gesellschaft ist, wirkt sich auf die Leistung auf dem Rasen aus."

Die ersten Partien des Spielers aus Sambia brachten keinerlei Problem und alles lief wie am Schnürchen. Es war jedoch mitunter recht schwierig, die Interessen des Vereins und der Nationalelf unter einen Hut zu bringen, selbst für 'King Kalusha'.

"Man kann nicht immer einen Mittelweg gehen. Manchmal lässt man seinen Verein im Stich, dann wieder sein Land", fügt er hinzu. "In Afrika, wo es nicht so viele Flugverbindungen gibt, kann ein Spieler, der im Länderspieleinsatz war, mehrere Tage verlieren. Wenn man also in der Startformation steht, kann man schon Probleme bei seinem Verein bekommen. Es gibt immer diese Loyalitätsprobleme, die einem afrikanischen Spieler Schwierigkeiten bringen."

Das Erscheinen der Fussballagenten auf der Bühne des Weltfussballs und die immer weiter steigenden Gehälter haben das Dilemma nur noch schlimmer gemacht. Während viele Spieler weiterhin noch am Tag des Spiels wieder zurück fliegen, wie der 'Große Kalu' es selbst bei zahllosen Gelegenheiten getan hat, gibt es andere, die die gepflegte Umgebung ihrer Vereine nur anlässlich sogenannter "großer" Ereignisse verlassen. Diese Tendenz hat zunehmend Probleme für viele Trainer in Afrika aufgeworfen.

Nun scheint es jedoch Anlass zur Hoffnung zu geben. Kalusha glaubt, dass der vereinheitliche Wettkampfkalender der FIFA sich positiv auswirken wird. Das ist besonders wichtig für einen Kontinent, in dem der fussballerische Erfolg immer mehr mit dem Wohl und Wehe eines Landes zu tun hat.

"Dieses Jahr werden zum ersten Mal die Qualifikationsspiele für den Afrikanischen Nationenpokal und die Weltmeisterschaft zusammengelegt. Das hat es den Vereinen doch wesentlich leichter gemacht, Spieler freizustellen", meinte er. "Als Afrikaner jedoch, die generell die Dinge etwas entspannter sehen, stehen wir aber auch in der Pflicht, uns professionell zu verhalten. Das heißt, wir müssen nach den Spielen sofort zu den Vereinen zurückkehren."

Kalusha selbst möchte, dass die Basis seines Teams aus einheimischen Spielern besteht, während die im Ausland tätigen Spieler zu wichtigen Partien eingeflogen werden.

"Wir näheren uns unserem Ziel immer mehr an", fährt er fort. "In den letzten neun Monaten konnte man sehen, dass es mehr Engagement gibt. Die Spieler hören besser zu, die Unterstützung des Publikums ist da, und das ist sehr wichtig. Es ist sehr schön zu sehen, dass immer mehr Zuschauer die Spiele besuchen."

Das Ansehen Kalushas im Fussball Sambias ist zwar beinahe schon eine Garantie dafür, dass alle Spieler seinem Ruf folgen, dennoch scheint es immer mehr Anzeichen auf dem Kontinent dafür zu geben, dass auch die Spieler anderer afrikanischer Länder Vereins- wie auch Nationalmannschaftsinteressen unter einen Hut bringen. Ob sich das bereits auszahlt, wird sich bei der nächsten FIFA Fussball-Weltmeisterschaft zeigen.