1986 wurde Kalusha Bwalya einer der ersten afrikanischen Spieler, die ihr Glück in Europa versuchten. Der damals 23-jährige Fussballer aus Sambia begab sich auf eine Fussballreise, die ihn von den Mufulira Wanderers über Belgien, die Niederlande und die Vereinigten Arabischen Emirate bis zu den Correcaminos in Mexiko führen sollte. Kalushas Abenteuer haben mittlerweile über zwei Jahrzehnte lang Millionen von Zeitungslesern und Möchtegern-Superstars im afrikanischen Fussball inspiriert.

Kalusha fand über seinen Vater zum schönsten aller Spiele. Jener hatte einen Job in der Fussballverwaltung. Zusammen mit seinem Bruder wuchs der Junge mit Fussball und nichts als Fussball auf. Gemeinsam mit ihrem Vater besuchten die Brüder damals alle nur möglichen Spiele im südlichen Afrika.

"Wir waren von morgens bis abends beschäftigt", erinnert sich Kalusha. "Für mich war es ein schönes Leben, und ich war entschlossen, bei dieser Sache zu bleiben und nicht vorzeitig aufzugeben, wie so viele andere vor mir."

1979 erzielte der talentierte und entschlossene 16-Jährige bereits bei seinem Debüt für Mufulira Blackpool ein Tor. Ein Jahr später spielte er bereits für Sambias populärsten Verein, die Mufulira Wanderers. 1983 offenbarte er dann sein einzigartiges Talent, bei wichtigen Spielen zu treffen, als er auch bei seinem Länderspieldebüt gegen Uganda erfolgreich war. Der Junge hatte schon etwas Besonderes, und 1986 beschloss der belgische Verein Cercle Brügge, 25.000 Dollar zu investieren, um herauszufinden, ob der vielversprechende Afrikaner - der erste, der seit den 60-er Jahren wieder den Weg nach Europa finden sollte - sich gegen die Besten der Welt durchsetzen würde.

"Als ich dort ankam, wussten die meisten noch nicht einmal, wo Sambia lag", erzählt der heute 41-Jährige lächelnd. "Ich erinnere mich daran, dass ich beim Probetraining wirklich  in Bestform war. Ich war überglücklich, als man mir nach einer Woche mitteilte, dass man mich verpflichten würde.

Ich weiß noch, dass ich darum bat, meine Mutter und meinen Vater anrufen zu dürfen, um ihnen die guten Neuigkeiten mitteilen zu können. Jemand fragte dann doch tatsächlich, ob wir überhaupt Telefone in Afrika hätten - so war das eben damals."

Als harter Arbeiter und intelligenter Spieler, der mit einem begnadeten linken Fuß ausgestattet war, fand Kalusha bald Anerkennung in Europa. Aber erst zwei Jahre später, im fernen Seoul (Südkorea), sollte er sich zu weltweiten Ruhm schießen, als er einer der wenigen Spieler wurde, denen ein Hattrick gegen eine italienische Abwehr gelang, nämlich beim 4:0-Sieg Sambias im Rahmen des Olympischen Fussballturniers. Die Afrikaner erreichten damals das Viertelfinale, wobei Kalusha sechs Treffer erzielte, nur einen weniger als der damalige Torschützenkönig Romario. 1988 wurde er dann der einzige Spieler Sambias, der jemals zu Afrikas Fussballer des Jahres gewählt wurde.

Später sollte er noch viel mit Romario zu tun haben, als er im folgenden Jahr zum PSV Eindhoven in die niederländische Ehrendivision wechselte. "Ich glaube, dass Romario der beste Spieler war, mit dem ich jemals zusammen gespielt habe - er war einfach von einer anderen Welt. Es gab jedoch noch andere beim PSV, wie Gerald Vanenberg, Eric Gerets, Hans van Breukelen oder Sören Lerby - alles wahre Könner auf ihrer Position. Es war eine Freude, sie im Training zu sehen."

Der niederländische Verein holte zwei Mal in Folge die Meisterschaft (1991 und 1992), und war wohl der Verein, dessen Transferpolitik eine neue Ära einleitete. "Der PSV hatte einen großen Kader. Ich war einer von 14 Nationalspielern. Wenn man ins Ausland fuhr, um für die eigene Nationalelf zu spielen, gab es keine Garantie, dass man seinen Platz in der Mannschaft behalten würde", fügte er hinzu. "Es gab viel Konkurrenz im Team, und es war so etwas wie Rotation innerhalb der Mannschaft aufgekommen. Heute sieht man das auch bei Vereinen wie dem FC Chelsea und dem AC Mailand, aber wir (der PSV) waren damals wohl die ersten."

Aufgrund seiner Verpflichtungen für den Verein nahm Kalusha nicht an der unglückseligen Reise in den Senegal zu einem FIFA WM-Qualifikationsspiel im Jahr 1993 teil. Alle Personen an Bord eines Militärflugzeugs, einschließlich 18 Spieler der Nationalelf Sambias, kamen vor Libreville ums Leben. Die Katastrophe ging unter dem Namen 'Gabon Air Disaster' in die Geschichte ein.

"Ich befand mich damals in Holland und war dabei, meine eigene Anreise dorthin (nach Dakar) zu organisieren, als mich jemand anrief und mir die Nachricht mitteilte", erinnert er sich traurig. "Man lebt damit den ganzen Tag - wir hatten so viele talentierte Spieler, mit denen wir zur Weltmeisterschaft hätten fahren können. Und von einem Tag auf den anderen waren sie nicht mehr da."

Später schrieb er über die Auswirkungen, die dies auf den Fussball in Sambia hatte: "Wir hatten Glück, als das Schicksal seine eigene Entscheidung traf. Wir, die Überlebenden, blieben mit furchtbaren und nie endenden Albträumen zurück, die sich um das drehten, was hätte passieren können. Der Tod hat Sambia in grausamer Weise so vieler hervorragender Fussballer beraubt, etablierter wie auch junger, talentierter Spieler. Mein Fussballleben ist nach wie vor durch die Ereignisse vom 28. April 1993 geprägt."

Trotz der Tragödie hätte Sambias neue Mannschaft, die um Kalusha herum aufgebaut wurde, sich fast für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1994 qualifiziert. Man erreichte jedoch das Finale im Afrikanischen Nationen-Pokal in Tunesien.

Im selben Jahr beschloss der allseits beliebte Kalusha von Europa nach Mexiko, zum Club América, zu wechseln. Abgesehen von einem kurzen Gastspiel bei Al Wahda in den Vereinigten Arabischen Emiraten sollte Mexiko in den nächsten sieben Jahren die fussballerische Heimat des Afrikaners werden. Er spielte dort für Necaxa, Leon, Irapuato und Vera Cruz.

 

Sambias Kapitän Kalusha Bwalya (re.) im Kampf mit Issa Sanogo von Burkina Faso im Jahr 2000.
(AFP)
"Ich liebte Mexiko. Ich wurde wieder geboren und spielte dort zum Teil meinen besten Fussball", erinnert er sich voller Wärme. "Fussball ist dort so wichtig, man kann es nicht fassen. Es gibt kaum etwas, was man mit dem Gefühl vergleichen kann, vor 120.000 Fans im Azteken-Stadion zu spielen."

Für sein Land fand er immer Zeit und bestritt zahlreiche Partien im Afrikanischen Nationen-Pokal. 1996 wurde er mit fünf Treffern Torschützenkönig des Turniers in Südafrika, wo Sambia den dritten Platz belegte. Er war Spielführer Sambias beim Afrikanischen Nationen-Pokal in Burkina Faso 1998 und zwei Jahre darauf in Nigeria, wo er als fast 37-Jähriger auch in seinem letzten Länderspiel noch einen Treffer erzielte.

Wie ein anderer großer afrikanischer Spieler, Kameruns Roger Milla, scheinen auch Kalushas Kräfte nicht zu schwinden. Eine ganze Reihe von Comebacks hat es mittlerweile gegeben, und Sambias Fussballanhänger konnten noch eine Weile eine lebende Legende in Aktion sehen.