Der FC Barcelona will nach dem Ende der Ära von Frank Rijkaard, in der es für die Katalanen trotz ihrer Superstars Ronaldinho und Deco seit zwei Jahren zu keinem Titel mehr reichte, ein neues Projekt beginnen. Die Vereinsführung unter Joan Laporta, die aufgrund mangelnder Ergebnisse und Titel oftmals heftiger Kritik ausgesetzt war, holte mit dem ehemaligen Barça-Spieler Josep Pep Guardiola einen neuen Trainer, der die Mannschaft zu neuen Höhenflügen führen soll.

Mit der Rückkehr Guardiolas leitet erstmals seit sechs Jahren wieder ein Spanier die Geschicke des Klubs, der auch sogleich sein Spielsystem präsentierte. Guardiola gehörte jener Spielergeneration an, die in den 90er Jahren unter Trainer Johan Cruyff das Dream Team bildete. Gemeinsam mit anderen Spielern aus dem eigenen Nachwuchs wie Albert Ferrer oder Guillermo Amor und großen Stars wie Ronald Koeman, Hristo Stoichkov, Michael Laudrup oder Romario begeisterte Barça damals die gesamte Fussballwelt mit seiner Spielweise, seinen Toren und seinen Erfolgen.

Mit Disziplin zum Erfolg
Guardiola hat den Vorteil, die Barça-Fans hinter sich zu haben und einen technisch versierten Fussball, ein perfektes Passspiel und eine offensiv ausgerichtete Spielweise zu bevorzugen - das alles soll seine eher bescheidene Erfahrung als Trainer wettmachen. Nachdem Pep gemeinsam mit anderen Ex-Spielern im Jahr 2005 die Trainerlizenz erworben hatte, trainierte er bislang nur die zweite Mannschaft des FC Barcelona.

Trotz seines relativ jungen Alters bewies Guardiola bereits seit dem Tag seiner Präsentation großes Durchsetzungsvermögen und stellte klar, wie seine Mannschaft auftreten würde. Als eine seiner ersten Maßnahmen in der Vorbereitungszeit sorgte er in der Umkleidekabine für einen neuen Stil und brachte deutlich zum Ausdruck, dass er großen Wert auf Disziplin legt. Er sorgte für großes Aufsehen, als er verkündete, auf Superstars wie Ronaldinho, Deco und Samuel Eto'o verzichten zu wollen.

Der nach dieser Ankündigung besonders motivierte Kameruner gab dem neuen Trainer die Antwort auf dem Platz und erzielte in den Vorbereitungsspielen Tore am Fließband. Deco hingegen wechselte zum FC Chelsea, der ab dieser Saison von Luiz Felipe Scolari trainiert wird, und Ronaldinho versucht beim AC Mailand zu seiner alten Form zurückzufinden.

Alte Bekannte und ein großes Ziel
Trotz des Abgangs dieser zwei Schlüsselspieler, die dem FC Barcelona in der Vergangenheit zu großen Erfolgen verholfen hatten, mangelt es der neuen Mannschaft von Guardiola keinesfalls an Qualität. Der Argentinier Lionel Messi, der gerade mit der argentinischen Auswahl die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Peking gewann und bei der Wahl des FIFA Weltfussballers 2007 den zweiten Platz belegte, soll Barça gemeinsam mit dem Franzosen Thierry Henry und dem wieder erstarkten Eto'o zu Erfolgen in der Meisterschaft und in der UEFA Champions League führen.

Zudem verfügen die Katalanen auch über die Europameister Xavi Hernández, der zum besten Spieler der UEFA EURO 2008 in Österreich und der Schweiz gewählt wurde, Mittelfeldmotor Andrés Iniesta und Kapitän Carles Puyol in der Innenverteidigung.

Guardiola ist sich seiner Wurzeln jedoch durchaus bewusst und fördert daher auch gezielt die Nachwuchsarbeit beim FC Barcelona. Zu den vielversprechendsten Talenten zählt Bojan Krkic, aber auch Pedro Ledesma und Víctor S. Mata konnten bereits auf sich aufmerksam machen.

Alles für die Show
Das neue Dream Team, wie man den FC Barcelona der Ära Guardiola bereits nennt, strebt eine Steigerung von Spiel zu Spiel an. Das erste Ziel - die Qualifikation für die Gruppenphase der UEFA Champions League - haben die Katalanen bereits erreicht, nachdem sie Wisla Krakau in der dritten Qualifikationsrunde der europäischen Königsklasse besiegt hatten (4:0 zu Hause, 0:1 auswärts).

Die Neuverpflichtungen passen sich nach und nach dem Spielsystem an. Die ehemaligen Stars des FC Sevilla, Daniel Alves und Seydou Keita, sollen den Ball in den eigenen Reihen halten, was für die Strategie des FC Barcelona von besonderer Bedeutung sein wird. Hinzu kommen die Verpflichtungen von Aleksandr Hleb aus Belarus und Martín Cáceres aus Uruguay sowie die Rückkehr des Eigengewächses Gerard Piqué, der die von Kapitän Puyol organisierte Abwehr verstärken soll.

Aufgabe des neuen Barça-Teams wird es sein, den Erfolgshunger der Fans und der eigenen Spieler zu stillen. Der große Erfolgsdruck könnte für das "Projekt Guardiola", das erst einen Rhythmus finden und in Fahrt kommen muss, um in den kommenden Jahren Erfolge einzufahren, jedoch eine hohe Hürde darstellen.