Real Mallorcas Dani Güiza, erfolgreichster Torschütze der gerade beendeten Saison in der spanischen Liga, hat seine Effizienz vor dem gegnerischen Tor mit dem Ticket für die UEFA EURO 2008 belohnt gesehen. In Österreich und der Schweiz möchte er allen seine Klasse im Strafraum zeigen und mit der spanischen Auswahl möglichst weit kommen.

Der mit 27 Jahren erst spät in die Nationalmannschaft berufene Güiza nimmt auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn als Stürmer an der EM teil. Keinen seiner 27 Saisontreffer erzielte er per Freistoß oder Elfmeter, sondern sie waren alle Ergebnis seines unglaublichen Instinkts vor dem gegnerischen Tor. Er könnte genau der Spieler sein, denn die Spanier so dringend brauchen, um endlich einmal über die Schwelle des Viertelfinales hinauszukommen.

Sein Debüt bei der Furia Roja feierte der frisch gebackene Torschützenkönig recht spät. Luis Aragonés hatte den Stürmer von Real Mallorca bereits im November für die letzten beiden Qualifikationsturniere gegen Schweden und Nordirland in den Kader berufen, doch Güiza musste bis zum Spiel gegen die Nordiren warten, um endlich sein erstes Länderspiel zu bestreiten.

Nun ist der Augenblick gekommen, bei der bevorstehenden Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz sein ganzes Potenzial zu zeigen. "Ich hatte doch Sorgen, dass ich nicht mitfahren würde, denn Torschützenkönig zu sein ist allein noch keine Garantie", erklärte er, nachdem er erfahren hatte, dass er zu den 23 Spielern gehört, die Aragonés ausgewählt hat.

Das rote Trikot zu tragen, ist der Höhepunkt einer Karriere voll Licht und Schatten. Der Spieler aus bescheidenen Verhältnissen hatte von klein an ein ganz besonderes Idol: Francisco Miguel Narváez, Kiko, Star von Cádiz und Atlético Madrid Ende der 90er Jahre. Kiko selbst war es, der den Jungen im Alter von neun Jahren beim Fussballspielen in den Straßen von Jerez de la Frontera in Südspanien entdeckte. Güiza feiert heute jedes seiner Tore mit einer Geste, die an sein großes Idol erinnern soll.

Der Weg zum Erfolg
Von beeindruckender Physis mit 1,82 m Größe sowie einem Gewicht von 80 Kilo und einer beneidenswerten Kaltblütigkeit im entscheidenden Augenblick vor dem gegnerischen Tor begann Güiza seinerzeit im Nachwuchs von Xerez CD und Dos Hermanas CF, wo er bereits sein großes Talent und seinen Torinstinkt unter Beweis stellte. So verwunderte es nicht, dass er 2000 im Alter von 19 Jahren bei RCD Mallorca in der Primera División debütierte. Es war seine erste Phase beim Verein von der Urlaubsinsel, der ihn immer wieder anziehen sollte.

Nach vielversprechendem Beginn ließen seine Leistungen aus Gründen, die abseits des Platzes zu suchen waren, deutlich nach, so dass der mallorquinische Verein beschloss, ihn an Recreativo de Huelva abzugeben. Dort traf er auf einen seiner Förderer, Trainer Lucas Alcaraz, der ihn bereits bei Dos Hermanas (Sevilla) betreut hatte. Über seine Zeit bei Huelva gibt es nichts Besonderes zu berichten, und am Ende der Saison 2002/03 wechselte er schließlich zum Farmteam des FC Barcelona (zweite Division B).

Dann ging es zu Murcia, einem Verein, der gerade in die zweite Liga aufgestiegen war und der eine Art Wendepunkt in seiner Karriere werden sollte. In Murcia fand er seine alte Spielfreude wieder und erzielte 36 Tore in zwei Spielzeiten. Bald sollten sich die ersten Interessenten aus der ersten Liga melden.

Im August 2005 streifte er das Trikot von Getafe über und gewöhnte sich rasch an den Rhythmus in der Primera División, wo er bald seinen Torinstinkt unter Beweis stellen sollte. Ángel Torres, Präsident von Getafe, bezeichnete ihn schon damals "als besten Torjäger der Liga, der nur von Ronaldo übertroffen wird."

Die Zeit und auch die Zahlen sollten Torres Recht geben. Der Stürmer erzielte 2006 elf Tore in der Liga und sechs im Pokal. Güiza brillierte besonders im Rückspiel des spanischen Pokalwettbewerbs gegen den FC Barcelona. Der kleine Verein aus der spanischen Hauptstadt drehte ein schon verloren geglaubtes Duell und siegte am Ende in der Addition aus Hin- und Rückspiel mit 5:2. Zwei der vier Treffer beim Heimsieg erzielte Güiza. Zum ersten Mal in seiner Laufbahn strebte er einen Titelgewinn an. Das Finale verlor man dann allerdings gegen den FC Sevilla.

Nach seiner Rückkehr zu Mallorca, dem Verein, der ihm als erster eine Chance gegeben hatte, spielte Güiza eine überragende Saison. Seine 27 Treffer sicherten ihm nicht nur die Pichichi-Auszeichnung (für den erfolgreichsten Torschützen der Liga), sondern trugen auch dazu bei, dass sein Verein im Gegensatz zu den letzten Spielzeiten nicht gegen den Abstieg zu kämpfen hatte und am Ende mit dem siebten Platz nur knapp die Qualifikation für den UEFA-Pokal verpasste. Es war die beste Platzierung des Vereins seit 2001.

Sein Trainer bei Mallorca, Gregorio Manzano, hat die harte Arbeit des andalusischen Stürmers hervorgehoben. "In 24 Jahren als Trainer hatte ich in meinen Teams noch nie einen Spieler, der den Pichichi gewonnen hat. Dani ist der beste Torjäger unserer Liga, und dass, ohne einen einzigen Treffer vom Elfmeterpunkt aus erzielt zu haben. Er hat sich die Teilnahme an der Europameisterschaft wirklich verdient."

Jetzt hat er die Gelegenheit, seinen Torinstinkt in den Dienst seiner Nationalmannschaft zu stellen. Die spanischen Fans können wieder hoffen, dass ihre Furia Roja die teuflische Schwelle des Viertelfinales dieses Mal überwindet.