In der niederländischen Eredivisie wird es zum Saisonende meistens noch einmal richtig spannend. Dies war auch in der eben zu Ende gegangenen Spielzeit 2010/11 der Fall. Nachdem sich der FC Twente und Ajax Amsterdam über die gesamte Saison hinweg ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert hatten, wurde die Meisterschaft wie so oft erst am letzten Spieltag entschieden. Dieses Mal sicherte sich Ajax Amsterdam den begehrten Titel. Zuletzt war Ajax im Jahr 2004 niederländischer Meister geworden. Auf den Plätzen drei und vier landeten PSV Eindhoven und AZ Alkmaar. Beide Klubs spielen in der kommenden Saison in der UEFA Europa League.

FIFA.com wirft für Sie einen Blick auf die abgelaufene Saison im Land des Vize-Weltmeisters, die bis zum Schluss voller Spannung und Emotionen war.

Der Meister
"Wir müssen die Ajax-Philosophie wiederherstellen." Diese im Gespräch mit FIFA.com von Frank de Boer geäußerte Zielstellung ist dank dieses Titelgewinns nicht mehr nur Selbstzweck, sondern führte auch zum Erfolg. Seit er im Dezember 2010 als Nachfolger von Martin Jol zum Trainer der ersten Mannschaft ernannt wurde, hat der frühere Nationalverteidiger dem Ajax-Team, das seit der Winterpause ohne Luis Suárez auskommen musste, methodisch und stilistisch seinen Stempel aufgedrückt. "Dass unsere Spielphilosophie so schnell zu diesem großartigen Erfolg geführt hat, ist einfach wunderbar",  freute sich De Boer, unter dessen sportlicher Leitung Ajax Amsterdam seine letzten sechs Punktspiele allesamt gewann.

Siem de Jong (12 Saisontore) traf beim 3:1 im gestrigen "Endspiel" über Twente Enschede gleich doppelt und bestätigte damit seinen Aufwärtstrend, der übrigens in dem Moment begonnen hatte, als Mounir El Hamdaoui (13 Saisontreffer) auf seinen Sturmpartner Suárez verzichten musste.

Die Platzierten
Titelverteidiger Twente Enschede stand kurz vor dem Double-Gewinn aus Meisterschaft und Pokal, zumal man im Finale des Ligapokals gegen Ajax Amsterdam mit 3:2 die Oberhand behalten hatte. Außerdem hatte sich der FC Twente während der gesamten Saison an der Tabellenspitze gehalten, obwohl seine wichtigste Offensivkraft Bryan Ruiz gleich zwei Mal wegen einer Verletzung pausieren musste. Seinen Ausfall kompensierten Luuk de Jong (12 Tore), Marc Janko (14 Tore) und Nacer Chadli, die alle drei für den von McClaren-Nachfolger Michel Preud’homme bevorzugten Offensivfussball stehen.

Der PSV Eindhoven hingegen war zwar über längere Zeit Tabellenführer, am Ende reichte es indes nur für einen Startplatz in der UEFA Europa League. Vor allem die beiden Niederlagen in diesem Frühjahr gegen Twente Enschede und Feyenoord Rotterdam machten dem Team von Trainer Fred Rutten schwer zu schaffen. Ebenfalls die Startberechtigung für die UEFA Europa League sicherte sich AZ Alkmaar mit Coach Gerrit Verbeek, wobei der Titelträger von 2009 auch von den Fehlern seines Mitkonkurrenten Feyenoord Rotterdam profitierte, dem auf der Zielgeraden zusehends die Luft ausging.

Die anderen Teams
Die Mannschaft des FC Groningen, deren Spieler das jüngste Durchschnittsalter der Eredivisie aufwiesen, wird sich bis zur Playoff-Runde gedulden müssen, um sich möglicherweise mit dem dritten und letzten Ticket für die UEFA Europa League belohnen zu können. Allein schon mit dem Erreichen des fünften Tabellenplatzes hat sich der Klub aus dem Norden des Landes auf eindrucksvolle Weise in der Elite des niederländischen Fussballs zurückgemeldet. Gleiches gilt für Roda JC Kerkrade, bei dem zahlreiche Belgier den Ton angeben, allen voran Trainer Harm van Veldhoven. Komplettiert wird das Vierer-Feld der Playoff-Runde zur Ermittlung des dritten Startplatzes für die UEFA Europa League durch ADO Den Haag und Heracles Almelo.

Mit einem für den Traditionsklub enttäuschenden Rang zehn beendete Feyenoord Rotterdam, das über einen längeren Zeitraum sogar vom Abstieg bedroht war, die Saison 2010/11. Für die mit Abstand größten Schlagzeilen sorgte das Team aus der Hafenstadt im Oktober 2010, als man beim PSV Eindhoven mit 0:10 unter die Räder geriet und damit einen historischen Negativrekord aufstellte. Ähnlich enttäuschend ist das Abschneiden des SC Heerenveen, des FC Utrecht und von Vitesse Arnhem.

Die wichtigsten Akteure
Paradoxerweise gehört keiner der vier besten Torschützen der Saison einem der vier erstplatzierten Teams an. Bester Torjäger aus dem Führungsquartett war der ungarische Nationalstürmer Balázs Dzsudzsak vom PSV Eindhoven, der es auf 16 Treffer brachte. Gleichzeitig sind die drei erfolgreichsten Angreifer auch keine einheimischen Profis, hinzu kommt, dass man von Mads Junker (Dänemark) von Roda JC Kerkrade, Dmitri Bulykin (Russland) von ADO Den Haag und Björn Vleminckx (Belgien) vom NEC Nijmegen vor Saisonbeginn auch gar nicht erwartet hatte, dass sie am Ende die Torschützenliste anführen würden.

Obgleich er insgesamt weniger Tore schoss, begeisterte Nacer Chadli (Twente Enschede) aus dem benachbarten Belgien vor allem mit seiner exzellenten Balltechnik. Gleichfalls für Furore in den Stadien sorgten Ola Toivonen (PSV Eindhoven) aus Schweden und Kolbeinn Sigthorsson (AZ Alkmaar) aus Island, ebenso wie die beiden niederländischen Nachwuchstalente Luc Castaignos (Feyenoord Rotterdam) und Ricky van Wolfswinkel (FC Utrecht).

Abstieg und Relegation
Mit einer riesigen Enttäuschung endete die Saison für Willem II Tilburg, das den bitteren Gang in die zweite Liga antreten muss. Angesichts der 98 Gegentore, die der Tabellenletzte insgesamt kassierte, war der Abstieg kaum zu vermeiden. Insbesondere, wenn dem lediglich 37 eigene Treffer entgegenstehen. Mit nur 15 Punkten verlor Willem II Tilburg seinen Erstligaplatz an den RKC Waalwijk, der als Tabellenführer der zweiten Liga den direkten Sprung in die Eredivisie schaffte. Die auf den Plätzen zwei bis acht rangierenden Zweitligateams sind für die Playoff-Aufstiegsrunde qualifiziert. VVV Venlo und Excelsior Rotterdam haben ihrerseits noch die Chance, sich über die Relegationsspiele den Verbleib in der höchsten Spielklasse zu sichern.

Abschlusstabelle

Die ersten Drei
1 - Ajax Amsterdam (73 Punkte)
2 - FC Twente Enschede (71)
3 - PSV Eindhoven (69)

Die erfolgreichsten Torschützen
1 - Björn Vleminckx (NEC Nijmegen) - 23 Treffer
2 - Dmitri Bulykin (ADO Den Haag) - 21
3 - Mads Junker (Roda JC Kerkrade) - 20

Statistik
30 – So viele Gegentore kassierte Ajax Amsterdam im Verlauf der Saison. Damit stellt Ajax die beste Abwehr der Spielzeit 2010/11. Die Hintermannschaft des neuen Titelträgers, in der sich neben dem Belgier Toby Aldeweireld vor allem Gregory van der Wiel, Jan Vertonghen und Routinier André Ooijer hervortaten, erwies sich in den meisten Partien als überaus solide.