"Ich bin in Rom geboren, Römer und Romanista." Für Francesco Totti ist das Trikot des AS Rom wie eine zweite Haut. Und wenn er sie abstreift, zeigen seine Tattoos, unter anderem das eines antiken römischen Gladiatoren, dass seine Stadt und sein Klub dem Kapitän der Giallorossi sogar buchstäblich unter die Haut gehen.

Der im Viertel Appio Latino vor fast 35 Jahren geborene Totti spielt nicht einfach nur für die Farben des Klubs. Er kämpft für sie, er lebt für sie, er würde fast alles für sie geben. "Auch wenn ich mehrere Möglichkeiten hatte, zu wechseln, habe ich immer gesagt, dass ich in meiner Karriere nur das Trikot eines einzigen Klubs tragen wollte", erklärte er im Vorfeld des mit Spannung erwarteten Traditionsduells gegen Juventus Turin gegenüber FIFA.com.

"Ich kann mir nicht vorstellen, ein anderes zu tragen. Außerdem weiß ich nicht, wie ich das jemals vor meinen Kindern hätte rechtfertigen können. Die Liebe war immer stärker als alle Angebote. Ich bin glücklich mit meiner Entscheidung. Für mich bedeutet das mehr als ein Ballon d’Or."

Denn ähnlich wie Raúl, Paolo Maldini oder Alessandro Del Piero gehörte Totti zwar mehrmals zu den Kandidaten, wurde jedoch nie mit der höchsten individuellen Auszeichnung geehrt. Wenn es indes einen Ballon d’Or für Konstanz gäbe, wäre der 58-malige italienische Nationalspieler mit Sicherheit ein ernsthafter Anwärter.

Seit seinen Anfängen im Trikot der Roma reiht er Tore und Rekorde aneinander. Er ist der Spieler mit den meisten Einsätzen in der Geschichte des Klubs sowie Rekordtorschütze, zudem ist Totti in der Geschichte des italienischen Fussballs der Spieler mit den meisten Toren für ein und denselben Verein.

Noch ein paar schöne Jahre
Es spricht einiges dafür, dass er seine außergewöhnlichen Statistiken weiter verbessern wird. "Ich habe noch zwei Jahre Vertrag, und wenn ich meine körperliche Fitness halten kann, hoffe ich zu spielen, bis ich 40 Jahre alt bin", antwortete Totti auf die Frage nach einem möglichen Rücktritt in naher Zukunft.

"Doch im Moment sind das nur leere Worte. Solange ich mich fit fühle und der Mannschaft helfen kann, werde ich dieses Trikot weiterhin mit großem Stolz überstreifen. Wenn ich mich dazu nicht mehr in der Lage fühle, bin ich der erste, der hinschmeißt. Ich glaube an mein Potenzial. Wichtig ist, die nötigen Anstrengungen zu unternehmen, um sich in Form zu halten. Ein gesundes Leben zu führen und sich wie ein wahrer Profi zu verhalten."

Seine Professionalität stellte Totti zu Beginn der Saison bei der Ankunft des neuen Trainers Luis Enrique einmal mehr unter Beweis. Der Spanier kam in der Absicht in die italienische Hauptstadt, ein von seinen Jahren beim FC Barcelona inspiriertes Projekt umzusetzen. Enrique gehörte einst dem Dream Team unter Johan Cruyff an und zeichnete sich später als Nachwuchstrainer der Katalanen aus. Und der römische Routinier spielte in seinen Plänen nicht unbedingt mehr eine Rolle. Seine Degradierung auf die Ersatzbank schmeckte dem Weltmeister von 2006 naturgemäß nicht, doch er warf seinem Trainer niemals Knüppel zwischen die Beine.

"Wenn du nicht spielst, ist es normal, dass einem das nicht gefällt. Doch ich stand dem Team immer zur Verfügung", sagte er im Rückblick. "Und wenn ich spielte, habe ich meine Sache nicht so schlecht gemacht, und der Mister hat mich wieder berücksichtigt." Dass Luis Enrique seine Meinung geändert hat, ist sicherlich nicht der geringste Grund für die Rückkehr zu alter Stärke des AS Rom. Denn der Saisonstart geriet zunächst zu einem Albtraum, sowohl in der Serie A wie auch in der UEFA Europa League, in der bereits nach der ersten Runde Schluss war.

Unvergleichliche Freude
Inzwischen trägt die Arbeit des neuen Trainers Früchte, und die Giallorossi bieten mit den attraktivsten Fussball in Italien. Auch die Qualifikation für die europäischen Wettbewerbe ist wieder in Reichweite. "Ich sage immer, dass man bei Veränderungen etwas Zeit benötigt, um sich an alles zu gewöhnen", erklärte Totti, der in dieser Saison fünf Tore erzielt hat, die er nach wie vor "zu Ehren aller Kinder, und besonders meiner eigenen" bejubelt, indem er seinen Daumen lutscht. "Das Ziel des Trainers ist, in Italien eine neue Mentalität einzuführen. Sein Spielsystem gefällt mir, und ich bin mir sicher, dass es sich sehr bald als erfolgreich erweisen wird."

Und Erfolge für den AS Rom sind in den Augen des Kapitäns mit nichts zu vergleichen. Der italienische Meister von 2001 durfte zwar mit der Squadra Azzurra auch den Pokal bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006 in die Höhe stemmen. Doch bei der Frage, welche dieser beiden Erfahrungen er gerne noch einmal erleben möchte, überlegte er nicht lange: "Ohne zu zögern: der Scudetto mit der Roma. Das ist eine unvergleichliche Freude."

Da Totti noch lange nicht an Rücktritt denkt, bleiben ihm noch einige Jahre, um dem Klub seines Herzens diese Freude zu schenken. Und wenn eines Tages dann doch die Stunde des Rückzugs schlägt, wird er sich voll und ganz seiner zweiten Beschäftigung widmen. Zusammen mit seiner Ehefrau hat er eine Bekleidungsmarke kreiert, die sie "Never Without You" tauften.

"Niemals ohne dich" - schwer vorstellbar, dass damit irgendjemand anderes als seine geliebte Roma gemeint sein könnte.