Mit dem 38. Spieltag, der am Samstagabend über die Bühne ging, sind nun auch in Frankreichs Ligue 1 die Würfel endgültig gefallen. Und es ging noch einmal ziemlich heiß her. Während drei Teams Anlass zum Jubeln hatten, zeigte sich ein anderes ob seiner verpassten Vorstellung zum Saisonausklang frustriert. Ein weiteres Team sieht sich wegen des Abstiegs aus Frankreichs höchster Spielklasse, der es über Jahre hinweg als etablierter Verein angehörte, gar am Boden zerstört. FIFA.com wirft einen Blick zurück auf die Saison 2007/08, die in die französische Fussballgeschichte eingehen wird.

Bekannte Gesichter und ein wieder auferstandenes Team an der Tabellenspitze
"Das ist das Schönste, was es gibt", freute sich Klub-Präsident Jean-Michel Aulas. "Es ist, als wäre es das erste Mal", jubelte Juninho. Olympique Lyon hat zum siebten Mal in Folge die französische Meisterschaft gewonnen und damit eine historische Bestmarke aufgestellt. Einfach legendär, diese Mannschaft, die sich offenbar nie geschlagen gibt. Dadurch, dass man lieber vorbeugte als später zu heilen, erweckte OL selbst beim geringsten Anzeichen einer Krise eher den Anschein eines eingebildeten Kranken als den eines angeschlagenen Favoriten. Nach Auffassung von Jean-Michel Aulas verfügt Trainer Alain Perrin, dem er eine hervorragende Arbeit bescheinigte, über "das beste Team, das er je als Präsident des Vereins erlebt habe." Dabei hatte es der ehemalige Lehrer in seiner ersten Saison als Trainer des Klubs aus dem Rhônetal, der für seine Mischung aus früheren und aktuellen Topspielern, aufstrebenden Stars und Neueinkäufen bekannt ist, nicht immer leicht und war zudem nicht unumstritten. Unter anderem wegen Kommunikationsproblemen mit seinem Arbeitgeber, mit dem es nicht zuletzt wegen der von ihm bevorzugten taktischen Varianten mehrfach zu Reibereien kam. Doch der Erfolg gab ihm Recht. Während Benzema förmlich explodierte und mit 20 Treffern bester Torschütze der Saison wurde, schoss Lyons Angriffsreihe insgesamt nicht weniger als 74 Tore. Auf so viele Treffer in einer einzigen Spielzeit konnte bislang noch keine Mannschaft in Frankreichs Ligue 1 verweisen. Außerdem konnte OL seinen Titel erfolgreich verteidigen und hat in der kommenden Woche sogar die Chance, erstmals den französischen Pokal zu gewinnen und damit das Double zu schaffen. Denn der Pokal ist die einzige nationale Trophäe, die in der Präsidentschaft von Aulas noch fehlt.

Zu der Kategorie der Erfolgstrainer dieser Saison zählen auch Laurent Blanc und Laurent Roussey. Der Weltmeister von 1998 verfehlte mit seinem Team, dem er von Beginn an seinen eigenen Stempel aufdrückte, am Ende nur um zwei Punkte den Meistertitel. Tatsächlich präsentierte sich Girondins Bordeaux als eine homogene, solide und gleichzeitig offensive Mannschaft (das Angriffs-Trio Cavenaghi, Wendel und Bellion kam zusammen auf 39 Treffer), die sich überdies als ernsthafter Konkurrent für Olympique Lyon erwies. Eine Konstellation, die der nunmehr siebenmalige Meister in den beiden vergangenen Jahren gar nicht mehr gewohnt war, da ihm faktisch kein einziges Team Paroli bieten konnte. Und der seit zwei Jahren von zahlreichen Klubs verschmähte Blanc brauchte gerade einmal eine Saison, um in den Kreis der besten französischen Klubs aufzusteigen.

Auch für Laurent Roussey verlief die erste Saison als Cheftrainer mehr als zufriedenstellend, denn unter seiner Führung qualifizierte sich AS St. Etienne als Tabellenfünfter nach 29 Jahren erstmals wieder für einen europäischen Wettbewerb. Ein gelungener Befreiungsschlag für den Neuling unter den französischen Erstligatrainern, der zwischenzeitlich von den eigenen Fans beschimpft und auch intern in Frage gestellt worden war. Nachdem sein Team über längere Zeit auf des Gegners Platz keine Punkte einfahren konnte, fand es sich zur Winterpause nur auf Rang 15 der Tabelle wieder. Drei Monate später hatte AS St. Etienne den Anschluss an die Tabellenspitze geschafft, was vor allem Batefimbi Gomis, der 16 Tore beisteuerte, zu verdanken war. Reichlich Anerkennung für seine Arbeit als Trainer erntete auch Guy Lacombe, und das nicht nur bei seinem neuen Verein. Nachdem Stade Rennes ihn mit dem Ziel verpflichtet hatte, dem schwer angeschlagenen Klub aus der Krise zu helfen, brachte der frühere Sündenbock von Paris St. Germain den reichen Klub aus der Bretagne binnen sechs Wochen wieder auf Vordermann. Dank seines beharrlichen Einsatzes fand Stade Rennes inzwischen wieder zu beständigeren Leistungen zurück und schloss die Saison auf Platz sechs der Tabelle ab.

Gerets und Correa verbindet ähnliches Schicksal
Pablo Correa (AS Nancy) und Eric Gerets (Olympique Marseille) sind als Trainer zweier grundverschiedener Mannschaften tätig. Und obwohl ihr Verantwortungsbereich nicht kleiner ist als der in anderen Vereinen, blieben beide bisher von internen Querelen und Auseinandersetzungen mit den Medien weitestgehend verschont. Sowohl der aus Uruguay stammende Correa als auch der Belgier Gerets führen ihre Teams mit eiserner Hand und verfügen zudem über ausgeprägte taktische Fähigkeiten. Darüber hinaus haben sie eines gemeinsam: beide sind in der Lage, das Beste aus ihrer Mannschaft herauszuholen. Als Gerets seinen Trainerposten bei Olympique Marseille antrat, standen die Südfranzosen nach 13 Spieltagen auf dem für sie indiskutablen vorletzten Tabellenplatz. Und siehe da, der in Anspielung auf seine belgische Heimatstadt auch als Löwe von Rekem bekannte Coach schaffte es, einem bis dahin eher apathisch wirkenden Team neues Leben einzuhauchen. Der entscheidende Auswärtssieg am letzten Spieltag über Racing Straßburg spiegelte auf treffende Weise die abgelaufene Saison wider: während sich Mathieu Valbuena, Mamadou Niang, Steve Mandanda und Laurent Bonnart als unverzichtbare Schlüsselspieler erwiesen, ließ die Abwehr erneut zu wünschen übrig. Dazu kommt noch die Unbeständigkeit von Samir Nasri, die schwankenden Leistungen von Djibril Cissé, die Totalausfälle Karim Ziani und Boudewjin Zenden sowie ein Gaël Givet, der nur noch ein Schatten seiner selbst war. Wesentlich stabiler war da der Auftritt des AS Nancy, dessen kompaktes Team sich über drei Viertel der Saison hinweg unter den ersten drei platzieren konnte und am Ende den Platz auf dem Podium nur knapp verfehlte, was in erster Linie auf den verletzungsbedingten Ausfall seiner beiden Spielmacher Sébastien Puygrenier und Kim zurückzuführen ist. Gemeinsam mit Stade Rennes, AS St. Etienne und Paris St. Germain spielt AS Nancy nun in der kommenden Saison im UEFA-Pokal, nachdem man einem Startplatz in der UEFA Champions League schon so nahe war.

Vereine mit üppigen Budgets im Tabellenkeller
Nachdem sie anfangs noch die Teilnahme an den europäischen Wettbewerben als Saisonziel ausgegeben hatten, mussten sich AS Monaco, Paris St. Germain, der FC Toulouse und RC Lens schon bald von ihren eigentlichen Plänen verabschieden. Mehr noch: Alle vier strampelten sich über die gesamte Spielzeit hindurch förmlich ab. Das kurze Gastspiel von Guy Roux, der zu Saisonbeginn für nur fünf Spieltage das Kommando in Lens übernommen hatte, sollte die Nordfranzosen eigentlich wieder in die Erfolgsspur führen. Doch die Trainer-Legende fand eine Mannschaft vor, die sich als weitaus zerbrechlicher erwies, als er es vermuten konnte. Und auch nach seinem Rücktritt schafften es weder seine Nachfolger Jean Pierre Papin und Daniel Leclercq noch die Aktivitäten auf dem Winter-Transfermarkt oder die Unterstützung seitens der Fans, den drohenden Abstieg zu verhindern. Ein Untergang, der mit einem katastrophalen Abend im heimischen Stade Felix Bollaert schon beinahe symptomatisch endete. Die rund 40.000 Zuschauer sahen am Samstagabend das vorerst letzte Heimspiel ihrer Mannschaft in Frankreichs Eliteklasse und mussten unter Tränen mit ansehen, wie sich der RC Lens in die zweite Liga verabschiedete. Nachdem der Klub vor genau zehn Jahren die französische Meisterkrone geholt und sich seither im Kreis der Spitzenmannschaften etabliert hatte, kehrt RC Lens nun seit 1992 erstmals wieder in die Zweitklassigkeit zurück. Obgleich von viel Theaterdonner begleitet, kam dieser Abstieg kaum überraschend. Er ist vielmehr die logische Konsequenz einer verfehlten Einkaufspolitik des Vereinspräsidenten Gervais Martel, der sich derzeit in aller Stille auf das große Aufräumen in der Sommerpause vorbereitet.

Bei seinem Gang in die zweite Liga werden die Nordfranzosen, die immerhin über das fünftgrößte Budget der Ligue 1 verfügen, von Racing Straßburg und dem FC Metz begleitet, die beide ebenfalls auf ganzer Linie enttäuschten. Und das, obwohl die Elsässer mit ähnlichen Ambitionen in diese Saison gestartet waren wie der Klub aus Lothringen. Und Paris St. Germain? Ob Pauleta, Rothen, Landreau, Yepes, Armand, Diané, Luyindula, Gallardo (der zuletzt schon nicht mehr zum Einsatz kam) oder Camara, all diese Namen sprechen nicht unbedingt für einen Platz im unteren Tabellendrittel. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus, denn der Hauptstadtklub kam in dieser Spielzeit nie über das Mittelfeld der Tabelle hinaus. Dabei hatte die Ära von Coach Le Guen bei den Parisern durchaus verheißungsvoll begonnen. Was dann folgte, war bestenfalls durchwachsen bis schlecht. Der Sieg im Finale des Ligapokals ist bislang der einzige Lichtblick von Paris St. Germain und nährt die Hoffnung auf ein erneut gutes Abschneiden im bevorstehenden Pokalendspiel gegen Olympique Lyon. Die Hauptstädter konnten dem Abstieg am letzten Spieltag gerade noch entgehen - zwar aus eigener Kraft, aber meilenweit von der ursprünglichen Zielstellung entfernt.

Zum Offensivgeist zurückgefunden
Im Fall des FC Toulouse ging Trainer Elie Baup weitaus vorsichtiger zu Werke, zumal er vor der schwierigen Aufgabe stand, den begonnenen Aufwärtstrend der Mannschaft zu bestätigen. Allerdings fand sich sein Team nach dem vorangegangenen Ausflug in die UEFA Champions League schon bald auf dem Boden der harten Tatsachen wieder. Andauernde Verletzungssorgen, eine an Ideen arme Spielweise sowie ein interner Streit zwischen dem Coach und Vereinspräsident Olivier Sadran führten dazu, dass der FC Toulouse insgesamt eine enttäuschende oder - wie es der Trainer ausdrückte - "echt ätzende" Saison spielte. Daran konnte selbst Johan Elmander, Schwedens Nationalspieler in Diensten der Südfranzosen, nichts ändern. Auch er blieb insgesamt blass, obwohl er nach der Winterpause etwas besser in Schwung kam. Ähnliches trifft auf Menez, Piquionne sowie weitere Leistungsträger des AS Monaco zu. Nach drei verkorksten Spielzeiten sollte es Ricardo Gomes als neuer Trainer richten, doch die erhoffte positive Schubwirkung blieb bislang aus. Abgesehen von zwei Monaten, in denen sich der AS Monaco einigermaßen spielfreudig präsentierte, konnte der Klub aus dem Fürstentum nie an sein früheres Leistungsniveau anknüpfen. Inzwischen verließ Koller den Verein ebenso wie Klub-Präsident Pastor. Unter dem Strich also eine Saison ohne Leidenschaft, die man in Monaco sicher schnell vergessen will.

Erfreulich ist dagegen die Feststellung, dass Frankreichs Ligue 1, die in der Vergangenheit allzu lange als Defensivliga verspottet war, endlich wieder zum Offensivgeist zurückgefunden hat. Der letzte Spieltag vom vergangenen Samstag war der torreichste seit dem Jahr 1974, und in der Wertung der besten Torschützen folgen hinter dem Torschützenkönig Benzema gleich zehn Spieler, die mindestens zehn Saisontreffer erzielten, darunter Niang und Cissé von Olympique Marseille (Frankreichs bisher erfolgreichster Torschütze überhaupt), das zuvor erwähnte Angriffs-Trio von Girondins Bordeaux sowie Rafik Saïfi und Bakary Koné mit jeweils 14 Toren, die beide ihre Leistungen aus dem Vorjahr bestätigen konnten.