Der FC Sochaux belegt derzeit den 17. Platz in der französischen Ligue 1 und hat lediglich zwei Punkte Vorsprung auf den Tabellenletzten. Die Lage könnte somit kaum prekärer sein. Vor den zwei entscheidenden Begegnungen im Kampf um den Klassenerhalt haben sich die beiden Eigengewächse des Vereins, Marvin Martin und Ryad Boudebouz, mit FIFA.com zum Exklusiv-Interview getroffen.

Die Zukunft dieses französischen Traditionsvereins wird auswärts in Caen und vor eigenem Publikum gegen Olympique Marseille entschieden. Im Falle des Abstiegs würde die Ligue 1 nicht nur eines ihrer Gründungsmitglieder verlieren, sondern auch einen Verein, der insgesamt 64 Spielzeiten in der französischen Eliteliga verbracht hat.

"Ein Abstieg würde vor allem jenen Spielern wehtun, die in diesem Verein ausgebildet wurden. Ohne Sochaux wären wir heute keine Profifussballer", erläutert Marvin Martin. Genauso wie sein Mannschaftskamerad Ryad Boudebouz weiß auch der Spielgestalter nur zu genau, dass der Klub aus dem Osten Frankreichs möglicherweise bald nicht mehr zur Elite gehört.

"Sollte Sochaux absteigen, wird das eine ganze Region, die für den Verein lebt, mit in den Abgrund reißen", befürchtet seinerseits der algerische Nationalspieler. "Wir verspüren richtig Lust, uns noch mal für die Fans, die uns im Stadion anfeuern und seit Langem unterstützen, ins Zeug zu legen."

Unter Brüdern
Obwohl Martin und Boudebouz bei den großen Klubs Begehrlichkeiten geweckt haben, blieben sie bis zuletzt dem Verein treu, in dessen familiärem Umfeld sie als Spieler herangereift sind. "Marvin ist wie mein Bruder", sagt der 22-jährige Boudebouz mit einem Lächeln. Die zwei Freunde unterschrieben 2008 ihren ersten Profivertrag und waren Teil jener starken Generation, die in der abgelaufenen Saison Tabellenplatz fünf erreichte und sich damit einen Platz in der Qualifikation für die UEFA Europa League sicherte.

Diesem großen Erfolg steht eine überaus schwierige Spielzeit gegenüber. Die Hoffnung auf den Klassenerhalt ist indes wieder gestiegen, nachdem AS Nancy am 7. Mai in letzter Minute mit 1:0 besiegt wurde. Durch diesen Erfolg hat der FC Sochaux die Abstiegsränge erstmalig seit dem 21. Dezember 2011 wieder verlassen. "Im Verlauf einer Saison gibt es immer schwierige Momente. Dann zeigt sich, ob der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft stimmt", erläutert Boudebouz.

Sochaux hat die Saison 2011/12 allerdings auch mit einigen neuen Gesichtern bestreiten müssen. Nach dem Weggang von Trainer Francis Gillot, der seine Zelte in Bordeaux aufgeschlagen hat, fanden auch zahlreiche Veränderungen im Kader statt. "Für eine solche Mannschaft ist es nicht ganz einfach, den Abgang von fünf Stammspielern zu verkraften", bemerkt der Algerier.

"Letztes Jahr habe ich zum ersten Mal eine volle Saison bestritten und stand bei allen Begegnungen auf dem Platz. Marvin und ich dachten, dass alle bleiben und der Verein sich für die Europa League verstärken würde. Die Vorstellung, diesen Wettbewerb mit der gleichen Mannschaft zu bestreiten, hatte damals den Ausschlag für unseren Verbleib gegeben. Das wäre für den Verein, aber auch für uns aus persönlicher Sicht gut gewesen, da wir uns in dieser Saison hätten weiterentwickeln können."

Ein Löwenherz
Der europäische Traum endete indes bereits in der ersten Runde nach einer deutlichen Niederlage gegen Metalist Kharkov. Auch wenn die anderen immer schuld sein mögen, werden diejenigen, die geblieben sind, nicht immer von der Schuld freigesprochen. "Diese Saison hat man uns eine große Last aufgebürdet", bedauert Martin. "Das ist ungerecht, da eine Mannschaft als Ganzes auftritt und nicht nur von zwei Spielern abhängig ist. Der Fussball ist ein Mannschaftssport. Es ist schade, dass man uns die Schuld in die Schuhe schiebt, wenn es mal nicht so rund läuft."

Anfang März wurde schließlich der bosnische Trainer Mécha Baždarević beurlaubt, nachdem die Mannschaft seit dem 6. November 2011 nicht mehr gewonnen hatte. Éric Hély, ehemaliger Akteur des Vereins und seit 2003 Trainer des Nachwuchses und der Reserve, übernahm das Ruder einer Mannschaft, die er bereits in- und auswendig kannte. Gleich bei seinem ersten Einsatz an der Seitenlinie endete eine schwarze Serie, die vier Monate angedauert hatte: Mit Doppeltorschütze Édouard Butin sowie Vincent Nogueira steuerten zwei weitere Eigengewächse die entscheidenden Treffer zum 3:2-Sieg in Evian bei.

"Trainer Hély hat uns eine Botschaft auf den Weg gegeben. Und er ist einer, der kein Blatt vor den Mund nimmt", erinnert sich Martin. "Uns war vielleicht nicht ganz klar, in welch schwieriger Lage wir uns befinden." In dieser kritischen Situation haben sich die Spieler des FC Sochaux auf die eigenen Stärken besonnen und bewiesen, dass sie mit Herz spielen können. Jetzt müssen sie nur noch den Kampf annehmen, um den drohenden Abstieg abzuwenden.