Nach der vielversprechenden Leistung bei der letzten FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ hat Chile das großartige Niveau seiner aktuellen Generation bestätigt und zum ersten Mal in seiner Geschichte die Copa America gewonnen. Durch diesen Triumph beim traditionsreichen kontinentalen Wettbewerb im eigenen Land qualifizierte sich Chile gleichzeitig für den FIFA Konföderationen-Pokal Russland 2017, bei dem La Roja ihr Debüt geben wird.

Wenige Monate vor Beginn der Qualifikation zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ konnten einige der teilnehmenden Mannschaften ihren Status bestätigen, aber es gab auch einige erfreuliche Überraschungen und bittere Enttäuschungen zu vermelden. Einmal mehr war es ein Turnier mit großen Emotionen, das den Reichtum und die Qualität des südamerikanischen Fussballs bewies. FIFA.com präsentiert im Rückblick eine Analyse des Wettbewerbs, der am Samstag in Santiago de Chile endete.

Der Meister
Angriffsfussball und bedingungslose Opferbereitschaft - mit diesen Eigenschaften wusste das vom Argentinier Jorge Sampaoli geleitete chilenische Team erneut zu glänzen. Der Gastgeber gehörte von Beginn an zum Favoritenkreis und zeigte sich, angetrieben vom heimischen Publikum, von seiner besten Seite. Es legte durchgehend die Mentalität und den Charakter an den Tag, die man in einem solchen Wettbewerb benötigt. Schon bei der WM im vergangenen Jahr lieferte Chile durch seine aggressive und engagierte Spielweise mit guter Organisation, enger Verteidigung und permanentem Pressing eine überzeugende Vorstellung ab. La Roja unterlag damals dem Gastgeber Brasilien erst nach einer hart umkämpften Partie in einem nervenaufreibenden Elfmeterschießen.  Schon zu dieser Gelegenheit bewies diese attraktive und vielversprechende Auswahl, dass ihre starken Leistungen kein Zufall waren.

Angeführt vom Mittelfeld-Motor Arturo Vidal bahnte sich Chile mit der Unterstützung von Alexis Sanchez im Angriff, Jorge Valdivia bei der Spielgestaltung und dem sicheren Claudio Bravo im Kasten seinen Weg zum Triumph. Nach Siegen gegen Ecuador (2:0) und Bolivien (5:0) sowie einem Unentschieden gegen Mexiko (3:3) zog der Gastgeber als Gruppensieger in die K.o.-Runde ein. Im Viertelfinale behielt er gegen den Titelverteidiger Uruguay knapp die Oberhand (1:0), bevor im Halbfinale Peru souverän bezwungen wurde (2:1). Dank ihres unerschütterlichen Kampfgeistes konnten die Chilenen im Endspiel Argentinien in Schach halten, und nach torlosen 120 Minuten zeigten sie im Elfmeterschießen schließlich die besseren Nerven (4:1 i.E.).

"Wir haben heute einen unglaublichen Schritt gemacht. Das ist ein Traum. Die Mannschaft hat sich für all ihre Mühen einen solchen Erfolg redlich verdient. Wenn wir in der Nationalmannschaft zusammentreffen, spielen wir um unser Leben", sagte Vidal überschwänglich. Der süße Geschmack des ersten Triumphs beschert Chile außerdem die denkbar beste Ausgangslage für den Kampf um das Ticket zur kommenden FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™.

Die Erkenntnisse
Für Argentinien war es das unglückliche Ende einer wechselhaften Turnierleistung. Mit Höhen und Tiefen lavierte der von Gerardo Martino angeführte Finalist von Brasilien 2014 durch den Wettbewerb und scheiterte erneut an der letzten Hürde. Das Team wartet nun seit 22 Jahren auf einen Titel. Noch im Halbfinale hatte die Albiceleste mit einem 6:1-Kantersieg gegen Paraguay aufhorchen lassen, doch in der entscheidenden Partie waren ihre Galionsfiguren Lionel Messi und Sergio Agüero nicht auf der Höhe. Die Lehren aus diesem Auftritt werden mit Blick auf die beginnende WM-Qualifikation dazu dienen, an den Details zu arbeiten.

Peru und Paraguay waren die großen Überraschungen der Copa América. Die Außenseiter gingen ohne nennenswerte Erfolge aus der jüngsten Zeit in das Turnier und erreichten überraschend das Halbfinale. In unmittelbarer Zukunft wird weiter mit ihnen zu rechnen sein. Ganz anders die Teams aus Kolumbien und Brasilien, die im Vorfeld als Favoriten gehandelt wurden. Sie zeigten weder die spielerische Qualität noch die Durchschlagskraft, die von ihnen erwartet wurden, und verabschiedeten sich mit einer großen Enttäuschung.

Bolivien wiederum war diejenige Mannschaft, die gemessen an ihren geringen Erwartungen wohl am besten abgeschnitten hat. Sie mag keine berauschenden Leistungen gezeigt haben, schaffte aber inmitten des Neuaufbaus, der kürzlich in Angriff genommen wurde, den Einzug ins Viertelfinale. Uruguay befindet sich ebenfalls im Umbruch und ließ bei diesem Turnier mit Blick auf zukünftige Aufgaben einige interessante Ansätze erkennen. Ecuador und Venezuela hingegen zeigten gelegentlich ihre Qualität und erzielten das eine oder andere gute Ergebnis. Insgesamt aber konnten sie die Fortschritte der letzten Jahre nicht bestätigen, auch wenn beide Teams ihren Kredit noch nicht verspielt haben.

Die Schlüsselspieler
Neben den bereits erwähnten Akteuren ragte der kolumbianische Torhüter David Ospina heraus, der sich insbesondere im Viertelfinale gegen Argentinien 90 Minuten lang als geradezu unüberwindliche Mauer erwies. Der Peruaner Paolo Guerrero spielte wie vor vier Jahren erneut ein starkes Turnier und gehört mit vier Treffern zu den erfolgreichsten Torschützen. Der Paraguayer Derlis González ließ einige Male sein Talent aufblitzen und zeigte, warum sein Trainer Ramon Diaz so großes Vertrauen in ihn setzt. Der Argentinier Nicolás Otamendi etablierte sich endgültig in der Hintermannschaft der Albiceleste und avancierte im Finale gar zum besten Akteur des Teams.

Hätten Sie's gewusst?
Chiles Nationalcoach, der Argentinier Jorge Sampaoli, ist nunmehr der dritte Trainer in der Geschichte der Copa America, der das Turnier mit der Auswahl eines anderen Landes gewonnen hat. Die anderen zwei waren der Brasilianer Danilo Alvim, der 1963 mit Bolivien triumphierte, und der Engländer Jack Greenwell, der Peru 1939 zum Titel führte.

Die Statistik
64
- So viele Tore wurden im Verlauf des Wettbewerbs erzielt, zehn mehr als in der vorherigen Auflage 2011 in Argentinien. Seit der Einführung des aktuellen Turniermodus im Jahr 1991 war Venezuela 2007 mit 86 Treffern die torreichste Auflage.

Das Zitat
"Als Land sind wir es nicht gewohnt, jemals etwas zu gewinnen, absolut gar nichts. Das ist eine Ausnahme. Wir haben heute Kopf und Kragen riskiert und wussten, dass wir auf jeden Fall gewinnen würden. Wir sind also sehr stolz. Wir haben die negative Geschichte hinter uns gelassen, es ist eine hervorragende aktuelle Generation. Auf dass alle Chilenen dies wie nie zuvor genießen, denn das hier ist wirklich einzigartig." Claudio Bravo (Kapitän, Chile)