Nur wenige Fussballfans hätten wohl erwartet, dass Kamerun beim CAF Afrikanischen Nationen-Pokal, der derzeit in Gabun ausgetragen wird, so stark aufspielen würde – nicht zuletzt auch, weil es viele Ausfälle zu verkraften gab. Für die Unzähmbaren Löwen sollte es noch schlimmer kommen, denn die Auslosung meinte es mit ihnen auch nicht gut, so dass man es mit dem Gastgeber, Burkina Faso (Finalist 2013) und dem Überraschungsteam von Guinea-Bisseau zu tun bekam.

Obwohl die Fans aus Kamerun vor dem Turnier also eher pessimistisch waren, schaffte die junge Mannschaft um Benjamin Moukandjo durch ein 1:1 gegen Burkina Faso, einen 2:1-Sieg gegen Guinea-Bisseau und das 0:0 gegen Gabun den Einzug ins Viertelfinale. Dadurch beendete man die Gruppe A auf dem zweiten Platz, direkt vor den Gastgebern, die damit ausgeschieden sind.

Kameruns belgischer Trainer Hugo Broos sprach mit FIFA.com über diesen Erfolg. "Ich bin sehr froh über das, was wir bisher bei diesem Turnier erreicht haben, denn unsere Gruppenspiele waren sehr schwierig", meinte er. "Wenn man sich anschaut, dass Teams wie die Elfenbeinküste, Algerien und Gabun ausgeschieden sind, kann man mit unserem Abschneiden ziemlich zufrieden sein."

Am Ende des Spiels gegen Gabun hatte Kamerun auch ein wenig Glück, als der Turnier-Gastgeber zuerst den Pfosten des von Fabrice Ondoa gehüteten Tors traf, um dann fast noch den Nachschuss zu versenken.

"Ich hatte nie daran gezweifelt, dass wir die Qualität haben, uns für das Viertelfinale zu qualifizieren, doch wenn der Ball so gegen den Pfosten fliegt, ist danach alles möglich", erläuterte der 64-Jährige. "Unser Schlussmann hat uns erneut gerettet. Wir hatten Glück, dass wir da kein Tor kassiert haben, denn dann wären wir ausgeschieden. Allgemein gesehen hatten wir in dem Spiel aber einige gute Chancen und hatten das Weiterkommen verdient, wenn man auf alle drei Spiele blickt."

Veränderungen
Nun, da die Gruppenphase gelaufen ist, konzentriert sich Kamerun vollständig auf das sehnsüchtig erwartete Viertelfinale gegen Senegal, das sich gegen Tunesien (2:0) und Simbabwe (2:0) durchsetzte und gegen Algerien ein 2:2 holte. Allerdings lief man im letzten Spiel gegen Algerien fast komplett mit der B-Elf auf. Die Löwen von Teranga gewannen damit ihre Gruppe und gelten mittlerweile bei vielen Fans als Turnierfavorit.

"Wir sind jetzt in der K.-o.-Phase, wo nicht mehr an Punkte gedacht werden muss und alles viel offener zugeht", so Broos. "Daher ist es schwierig, den Sieger vorherzusagen. Senegal hat bisher wirklich stark gespielt und die Fans teilweise sogar begeistert. Wir bereiten uns so gut wie möglich vor, um dann ins Halbfinale einzuziehen."

Dass Teams wie Algerien und die Elfenbeinküste bereits nicht mehr dabei sind, macht es in der Tat schwierig, die folgenden Partien vorauszusagen.

Um die Zentralafrikaner so weit zu bringen, baute Broos seine Mannschaft um und legte im Training großen Wert auf Disziplin. Die Mannschaft scheint nun geeint, die Arbeit des Trainerteams scheint sich auszuzahlen.

"Als ich ankam, habe ich einige neue Spieler in den Kader berufen, denn zehn Spieler hatten die Nationalmannschaft gerade verlassen", erinnert sich der belgische Coach. "Ich habe in den nationalen Ligen sowie in ganz Europa nach neuen Spielern Ausschau gehalten. Ich habe interne Regeln und Disziplinarmaßnahmen aufgestellt. Wir haben ihre Mentalität verändert – die Spieler sind nun hochmotiviert und stolz darauf, ihr Land zu repräsentieren. Wir haben eine gefestigte Gruppe, die als Team arbeitet und auftritt, das hat sich positiv auf unsere Ergebnisse ausgewirkt."

Hohe Ziele
Alle Viertelfinalisten in Gabun dürfen sich nun noch Hoffnungen auf den Turniersieg machen. Glaubt Broos, dass für Kamerun der fünfte Triumph beim Afrika Cup möglich ist?

"Nicht immer gewinnt der Favorit, das gilt besonders bei diesem Turnier", sagt er. "Es sind immer noch starke Mannschaften vertreten, wer weiß schon was passieren wird?"

"Zu Beginn des Turniers wurde ich bei einer Pressekonferenz gefragt, wer das Turnier gewinnen würde. Ich sagte, dass alle Teilnehmer in der Lage seien, es zu gewinnen. Bei der Europameisterschaft im vergangenen Jahr hätte niemand geglaubt, dass Portugal den Titel holen würde."

Kurz vor Ende des Interviews wurde deutlich, wie sehr Broos sich wünschen würde, dass seine Mannschaft in Gabun triumphiert und so am FIFA Konföderationen-Pokal 2017 teilnehmen kann. "Jeder Trainer will bei großen Turnieren dabei sein, besonders der FIFA Fussball-WM, dem Konföderationen-Pokal und dem Afrika Cup. Der Sieger dieses Turniers ist 2017 beim Konföderationen-Pokal dabei. Und wenn wir das sein sollten, wären wir sehr stolz darauf, Afrika in Russland repräsentieren zu dürfen."

"Aber bevor wir über den Sieg beim Afrika Cup und die Teilnahme am Konföderationen-Pokal sprechen sollten, müssen wir erst einmal ein Viertelfinale gewinnen. Und dann ein Halbfinale und Finale. Man darf träumen. Aber man muss mit beiden Füssen auf dem Boden bleiben und sich auf das nächste Spiel konzentrieren."