Die Salomon-Inseln können bei der FIFA Futsal-Weltmeisterschaft bereits auf eine stolze Tradition zurückblicken, die für die Inselgruppe von enormer Bedeutung ist. Die Pazifiknation nimmt in Kolumbien nämlich bereits zum dritten Mal in Folge am Weltturnier teil. Um wirklich beurteilen zu können, was das für die Salomon-Inseln bedeutet, muss man sich jedoch zunächst mit dem Hintergrund und der Entwicklung dieses Landes vertraut machen.

Die Salomon-Inseln sind eine Gruppe von 900 einzelnen Inseln nordöstlich von Australien. Auf einer Fläche von über 25.000 Quadratkilometern leben hier etwa eine halbe Million Menschen. Es gibt einige wenige größere Landmassen, darunter auch die Insel Guadalcanal mit der Hauptstadt Honiara. Angesichts dieser Voraussetzungen stellt es schon eine Herausforderung dar, überhaupt eine Mannschaft zusammenzustellen.

In der aktuellen Auswahl der Kurukuru befindet sich ein harter Kern von Spielern, die noch zur ersten Generation gehören, die mit dem Futsal in Kontakt gekommen ist – darunter auch Kapitän Elliot Ragomo sowie Micah Leaalafa, der bereits an der FIFA Klub-Weltmeisterschaft teilgenommen hat. Die Menschen auf den Salomon-Inseln sind schon seit jeher fussballbegeistert, sodass auch diese Variante des Spiels dort schnell Freunde gefunden hat. Sie wurde Anfang der 2000er Jahre nach einer Periode innerer Unruhen von Missionaren der australischen Dural Baptist Church auf die Inselgruppe gebracht.

Nachdem die Salomon-Inseln eine Mannschaft zusammengestellt hatten, die bei Reisen nach Australien beeindruckende Leistungen verbuchen konnte, nahmen sie 2008 an der Futsal-Meisterschaft der ozeanischen Fussballkonföderation (OFC) teil und gewannen das Turnier. Damit hatten die Spieler, die noch halbe Teenager waren, ihr erstes Ticket für die Futsal-WM in der Tasche und nahmen an der Auflage von 2008 in Brasilien teil. Seither sind sie wichtige Botschafter ihres Landes und genießen bei den Menschen in ihrer Heimat viel Bewunderung.

"Wann immer ein Team von den Salomon-Inseln spielt, ist die Hölle los, weil zu Hause jeder weiß, wer wir sind. Jeder einzelne", meint Ragomo nach der 2:4-Niederlage des Teams gegen Costa Rica. "Sie haben die Entwicklung des Teams verfolgt und kennen unsere reale Situation, und gestern haben wir unserem Land Hoffnung gegeben. Wir haben das Spiel verloren, dafür aber in unserem Land alle Herzen gewonnen."

"Ich weiß genau, was jetzt auf den Salomon-Inseln vorgeht", fügt der aus Brasilien stammende Trainer Juliano Schmeling hinzu. "Sie geben den Menschen dort Hoffnung. Sie geben allen einen Grund, weiterzumachen und zu spielen. Für die Gemeinschaft der Salomon-Inseln ist es eine Ehre, an der WM teilzunehmen."

Mit dieser Leidenschaft hat das Team die Herzen der Fans in Kolumbien im Sturm erobert. Sie haben gesehen, mit welcher Begeisterung die Kurukuru Spiele gegen scheinbar unschlagbare Gegner angehen, beispielsweise gegen den CONCACAF-Meister oder den amtierenden Titelträger der Copa América, Argentinien. "Wir haben alles gegeben, als sei es das letzte Spiel unseres Lebens", so Ragomo über die Partie gegen die Argentinier. "Mit diesen Jungs macht es Spaß, gegen eines der besten Teams der Welt zu spielen und bis zum Schluss unablässig zu kämpfen."

Die ungleiche Ressourcenverteilung wurde im Spiel gegen die Albiceleste noch deutlicher. "Wir kommen aus einem Land, in dem es sehr schwer ist, Hochleistungssport zu treiben. Das ist schwer zu vergleichen", erklärt Schmeling. "Die Spieler haben eine Mahlzeit am Tag, keine Schuhe, keinen Futsalplatz, keine Bälle. Das ist eine große Herausforderung, und ich bin vor allem sehr stolz auf die Spieler."

Der nächste Schritt besteht nun darin, auf den Salomon-Inseln ein Umfeld zu schaffen, das eine weitere Entwicklung ermöglicht. Schmeling musste das Team umbauen und zu einer Einheit zusammenschweißen, und nach der Rückkehr aus Thailand im Jahr 2012 blieben ihm nur zwei Turniere, bis es zwei Jahre später bereits darum ging, sich für die nächste WM in Kolumbien zu qualifizieren. Außerdem stellen die klimatischen Bedingungen das Team vor immer neue Herausforderungen. Die offizielle Zyklonsaison dauert fünf Monate im Jahr. Doch der Fussballhunger ist unstillbar.

"In Ozeanien zu arbeiten ist immer ein Vergnügen, weil man spürt, dass dies ein gewachsenes Fussballumfeld ist", so Paul Toohey, OFC-Beauftragter für Futsal-Entwicklung. "Wenn man dort hinkommt, sieht man überall Kinder, die kleine Spielchen bestreiten. Das ist alles ganz natürlich und unverfälscht. Sie lieben den Fussball. Er nimmt einen wichtigen Stellenwert in ihrem Leben ein. Leute wie Juliano, die aus einem Land mit großer Fussballtradition stammen, empfinden dies genauso."

Angesichts der Spuren, die das Team in Kolumbien hinterlässt, ist die Hoffnung groß, dass auch der Mangel an Einrichtungen die weitere Entwicklung nicht aufhalten kann. "Das wird hoffentlich das Vermächtnis dieses Turniers sein, und der Schwung, der durch einen so erfolgreichen Auftritt entsteht, sollte dazu beitragen, die Errichtung eines Futsal-Platzes voranzutreiben."

"Mit einem nationalen Futsal-Zentrum sowie Training und Wettbewerben für alle Altersklassen – im Männer- wie im Frauenbereich – wären sicherlich alle sehr zufrieden."

"Das ist eine große Lektion für die ganze Welt", glaubt Ragomo. "Denn nichts ist unmöglich, es geht immer weiter, und wir werden immer weitermachen, egal, was nach dieser WM passiert oder welche Hindernisse sich uns in den Weg stellen."