Im Januar 1989 fand in den Niederlanden die erste FIFA Futsal-Weltmeisterschaft statt. Damals musste Brasilien im Finale im Sportpaleis Ahoy zu Rotterdam sein ganzen Können in die Waagschale werfen, um gegen den Gastgeber die Oberhand zu behalten. Vor allem ein Mann hatte sich dabei den Respekt des Zuckerhut-Ensembles verdient: Victor Vic Hermans.

Der damals 35-Jährige hatte in den sieben Partien zuvor sechs Tore erzielt und somit großen Anteil am Endspiel-Einzug von Oranje. Zwar gelang dem Kapitän der Niederlande in der Partie um die WM-Trophäe kein weiterer Treffer und sein Team verlor letztendlich mit 1:2, doch Hermans wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt und sieht darin bis heute die Grundlage für seine beispielhafte Karriere im Futsal.

"Das war ein wichtiger Moment in meiner Laufbahn, und erst später habe ich wirklich realisiert, was er für mich bedeutet hat. Diese WM-Teilnahme hat mir viele weitere WM-Türen geöffnet", erinnerte sich Hermans im Exklusiv-Interview mit FIFA.com.

Ich denke, dass meine Mannschaft sehr gute Chancen hat, das Viertelfinale bei der WM zu erreichen.

Victor Hermans (Trainer, Thailand)

23 Jahre später wird der Niederländer im November seine siebte WM-Endrunde erleben. Gastgeber Thailand sicherte sich die Dienste der Futsal-Ikone aus Maastricht, die 1992 Hongkong und 1996 Malaysia als Trainer sowie 2000 die Niederlande als Co-Trainer beim weltweiten Kräftemessen betreute. Bei den Turnieren 2004 und 2008 agierte Hermans als Mitglied der Technischen Studien-Gruppe (TSG) der FIFA.

Nachdem er sowohl mit Hongkong als auch Malaysia bereits in der Vorrunde und mit seinem Heimatland in der Zwischenrunde die Segel streichen musste, hat sich der heute 59-Jährige mit seiner Mannschaft einiges für die Heim-WM vorgenommen.

"Ich denke, dass meine Mannschaft sehr gute Chancen hat, das Viertelfinale bei der WM zu erreichen. Natürlich kommt es auch ein wenig auf die Vorrundengruppe an. Bei extrem starken Gegnern könnten wir ein Problem bekommen. Aber mein Ziel ist der Sprung unter die Letzten Acht", ließ Hermans zuversichtlich verlauten.

Seine Spieler haben sogar noch höhere Ambitionen und strotzen vor Selbstbewusstsein, wie der sympathische Niederländer verriet: "Sie wollen den Titel bei der AFC-Meisterschaft [Anm.d.Red.: 25. Mai bis 1. Juni] und unter die besten Vier bei der WM kommen." Hermans unterstützt den Anspruch seiner Mannschaft, denn "nur wenn man sich hohe Ziele steckt, kann man sie auch erreichen."

Sowohl bei der AFC-Meisterschaft als auch bei der WM wollen wir nicht ins offene Messer laufen. Deshalb müssen wir taktisch und technisch an uns arbeiten.

Victor Hermans (Trainer, Thailand)

Der Coach ist von der Qualität seiner Akteure überzeugt, weiß jedoch gleichzeitig, dass ohne harte Arbeit bei der WM im eigenen Land eine große Enttäuschung droht. Deshalb plant Hermans die kommenden Monate akribisch.

"Thailand verfügt über sehr gute Spieler, die vor allem offensiv stark sind. In der Verteidigung wurde das Team bislang zu selten gefordert. Wir werden deshalb nach Europa reisen, um gegen stärkere Mannschaften Testspiele zu bestreiten. Sowohl bei der AFC-Meisterschaft als auch bei der WM wollen wir nicht ins offene Messer laufen. Deshalb müssen wir taktisch und technisch an uns arbeiten", erklärte der erfahrene Trainer im Gespräch mit dem Fussball-Weltverband.

Bevor die WM vor den eigenen Fans ansteht, kann sich Hermans mit seinem Team bei der AFC-Meisterschaft Ende Mai weiteres Selbstvertrauen holen. Beim Qualifikationsturnier für die Futsal-WM, für die Thailand automatisch qualifiziert ist und somit das kontinentale Kräftemessen ohne Druck angehen kann, soll eine erste Duftmarke gesetzt werden. "Thailand hat bei der AFC-Meisterschaft immer eine gute Rolle gespielt. Wir wollen mindestens das Halbfinale erreichen. Sollten wir den Einzug in die Vorschlussrunde schaffen, werden wir sehen, was passiert."