FIFA Futsal-Weltmeisterschaft Chinese Taipei 2004

FIFA Futsal-Weltmeisterschaft Chinese Taipei 2004

21 November - 5 Dezember

;

Chinese Taipei 2004: Spanien verteidigt Weltmeistertitel

FIFA Futsal World Championship Chinese Taipei 2004
© Action Images

Der dreifache Weltmeister Brasilien wollte bei der FIFA Futsal-Weltmeisterschaft Chinese Taipei 2004 alles daran setzen, nach dem gegen Spanien verlorenen WM-Endspiel in Guatemala 2000 den Titel zurückzuerobern. Doch nach einem bis dahin überzeugenden Turnierverlauf mussten sich Falcao & Co. im Halbfinale erneut gegen die Iberer geschlagen geben, der Traum vom vierten WM-Titel war geplatzt. Die Spanier ließen sich auch im Finale nicht beirren und sicherten sich mit einem 2:1-Erfolg über Europameister Italien den zweiten WM-Titel in Folge.

Die großen Überraschungen blieben in Chinese Taipei zwar aus, doch die Zuschauer wurden mit attraktiven Spielen unterhalten, das Leistungsgefälle der teilnehmenden Teams hat sich gegenüber den Titelkämpfen vier Jahre zuvor merklich verringert. Blicken Sie mit FIFA.com zurück auf ein hoch interessantes Turnier in Chinese Taipei!

A*Spanien glänzt durch mannschaftliche Geschlossenheit 
*

Vor dem Turnier waren die spanischen Spieler durchaus skeptisch, wenn es darum ging, die eigenen Chancen auf eine Wiederholung des Titelgewinns von Guatemala 2000 einzuschätzen. Zu unsicher schien die Einschätzung des eigenen Potentials, zu groß die Anzahl möglicher Kontrahenten. Noch während des Turniers meinte Trainer Javier Lozano, dass neben Spanien vier weitere Teams Chancen auf den Titel hätten. In der Tat war in der Vorrunde und der Zweiten Runde im spanischen Team noch nicht alles Gold, was glänzt, selbst wenn die Ergebnisse zunächst eine andere Sprache zu sprechen schienen. Nach dem wichtigen 2:0-Auftaktsieg gegen die Ukraine hielt man sich mit ungefährdeten Erfolgen gegen Chinese Taipei (10:0) und Ägypten (7:0) schadlos. In der Zweiten Runde mussten sich die Spanier dann aber allerdings schon gewaltig ins Zeug legen, um das Halbfinale zu erreichen. Denn nach dem 2:0-Arbeitssieg gegen Tschechien verlor der amtierende Titelträger gegen Italien 2:3 und brachte sich damit in eine unangenehme Position, denn im abschließenden Spiel wartete mit Portugal ein alles andere als leichter Gegner. Doch die Spanier behielten einen kühlen Kopf und rangen den Nachbarn mit 3:1 nieder, die Runde der letzten vier Teams war erreicht.

Im Halbfinale wartete in einer Neuauflage des Finales von 2000 Brasilien. Lozano versprach bereits im Vorfeld eine attraktive Auseinandersetzung und er sollte Recht behalten. Das Spiel wogte hin und her, mal erarbeite sich Brasilien Vorteile, dann schien wieder Spanien die Nase vorne zu haben. Am Ende konnte sich Spanien mit viel Herz und ein wenig Glück nach Elfmeterschießen gegen die Südamerikaner durchsetzen, mehr wegen ihrer mannschaftlichen Geschlossenheit, denn aufgrund der individuellen Klasse ihrer Spieler. Im Endspiel wartete dann Europameister Italien, das Team, gegen das man wenige Tage zuvor noch verloren hatte. Vorteil oder Nachteil? Darüber waren sich die Trainer beider Teams vor dem Finale nicht gerade einig, doch die Spanier warfen im Finale ihre ganze Erfahrung in die Waagschale, bestritten sie doch ihr drittes WM-Endspiel in Folge. Die etwas müde wirkenden Italiener mussten sich am Ende knapp mit 1:2 geschlagen geben, feierten dennoch den größten Erfolg ihrer Futsal-Geschichte. Im gesamten Turnierverlauf wussten die Italiener durch eine gleichermaßen kompakte wie attraktive Spielweise zu gefallen. Bacaro wurde zum drittbesten Spieler des Turniers ausgezeichnet, Trainer Alessandro Nuccorini war zurecht stolz auf seine Mannschaft.

*Argentinien zieht ins Halbfinale ein 
*

Lange Zeit waren die Argentinier ein unbeschriebenes Blatt in der Futsal-Welt, doch in Chinese Taipei setzten die Albiceleste ein kräftiges Ausrufezeichen. Schon in ihrer schweren Vorrundengruppe mit Portugal, Iran und Kuba hatten die Argentinier souverän mit drei Siegen das bessere Ende für sich, Höhepunkt der Vorrunde war sicherlich der 1:0-Erfolg gegen die Portugiesen, nachdem man sich in der Auftaktpartie gegen Kuba (3:0) lange Zeit die Zähne am gegnerischen Schlussmann Wilfredo Carbo ausgebissen hatte. Zum Abschluss gewann das Team von Trainer Fernando Larrañaga dann klar mit 6:1 gegen den mit großen Hoffnungen angetretenen Iran.

In die Zwischenrunde startete das Team mit einem 2:1-Erfolg gegen die USA, nach einer knappen 1:2-Niederlage gegen Brasilien musste die Partie gegen die Ukraine über den Aufstieg ins Halbfinale entscheiden. Ein Unentschieden hätte den Argentiniern bereits gereicht und am Ende war es beim 0:0 eine Punktlandung, welche die Südamerikaner ins Halbfinale beförderte. Doch dort stand man gegen Italien auf verlorenem Posten, fing sich einen schnellen Rückstand ein, der sich als unaufholbar herausstellen sollte, auch wenn Argentinien in der zweiten Halbzeit noch einmal sein wahres Können aufblitzen ließ.

Ballzauberer Falcão

Der Brasilianer Falcão war der unumstrittene Star der fünften FIFA Futsal-Weltmeisterschaft. Mit seinen 13 Treffern avancierte er nicht nur zum besten Torschützen und zum Publikumsliebling des Turniers, darüber hinaus erhielt er die Auszeichnung zum besten Spieler. Der 27-Jährige beeindruckte die Zuschauer ein ums andere Mal mit seinen technischen Fähigkeiten, paarte seine individuelle Klasse jedoch mit einer mannschaftsdienlichen Spielweise, die dem gesamten Team zunutze kam. Bereits im Auftaktspiel gegen Australien traf er erstmals ins Schwarze, Höhepunkt war sein im Spiel gegen Thailand erzielter Treffer namens "Carretilha", mit dem er nicht nur den thailändischen Torhüter düpierte, sondern sich unauslöschlich einen festen Platz in der Erinnerung der Fans sicherte.

*Gestiegenes Leistungsvermögen gegenüber Guatemala 2000 
*

Das allgemeine Leistungsniveau der teilnehmenden Teams hat sich gegenüber den vergangenen Titelkämpfen in Guatemala 2000 merklich verbessert, wie u. a. Brasiliens ehemaliger Nationaltrainer Ferretti bemerkte. Hatte beispielsweise der Gastgeber vor vier Jahren noch eine herbe 2:29-Niederlage einstecken müssen, fiel die höchste Niederlage der jungen, bunt zusammengewürfelten Truppe aus Chinese Taipei vergleichsweise milde aus (0:12 im Auftaktspiel gegen Ägypten). Länder wie Japan, Thailand, Ägypten oder Kuba haben sich deutlich verbessert, was dem Sport im Allgemeinen sehr zugute kommt. Australien wusste trotz dreier Niederlagen zu gefallen, auch die USA zeigten trotz ihrer nicht gerade mit Futsal-erfahrenen Spielern gespickten Mannschaft eine ansprechende Leistung. Spanien, Italien und Brasilien zementierten ihre Position in der Weltspitze, Argentinien gehörte mit dem vierten Platz zu den positiven Überraschungen des Turniers. Schon jetzt darf man sich auf die nächsten Titelkämpfe 2008 freuen.

Teilnehmer: 
Ägypten, Spanien, Ukraine, Chinese Taipei, Australien, Brasilien, Thailand, Tschechische Republik, Italien, Paraguay, USA, Japan, Argentinien, Portugal, Iran, Kuba.

Abschlusstabelle:

  1. Spanien 

  2. Italien 

  3. Brasilien 

  4. Argentinien

Namen, die man sich merken sollte: 
Luis Amado, Javi Rodríguez, Marcelo (alle ESP), Vinicius Bacaro, Edgar Bertoni, Grana (alle ITA), Falcão, Simi, Franklin (BRA), Carlos Sanchez, Javier Guisande, Leandro Planas (alle ARG), Ivan, Joel Queiros (beide POR), Wael Abdel Mawla (EGY), Sergiy Koridze (UKR), Johnny Torres (USA), Wilfredo Carbo (CUB), Kenichiro Kogure (JPN), Vahid Shamsaee (IRN), Anucha Munjarern (THA)

Stadien: NTU in Taipeh City, Linkou Gymnasium in Tao Yuan 
Tore (gesamt): 237, Durchschnitt = 5,93 pro Spiel 
Erfolgreichste Torjäger: 
13 Tore: Falcao (BRA) 
10 Tore: Indio (BRA) 
9 Tore: Marcelo (ESP) 
Zuschauer: 50.923 
Durchschnittliche Zuschauerzahl pro Spiel: 1.273

Interessantes am Rande:
Noch nie zuvor endete bei einer FIFA Futsal-Weltmeisterschaft ein Spiel 0:0. In Chinese Taipei 2004 gab es gleich zwei historische torlose Remis. Zunächst trennten sich Italien und Portugal 0:0, nur wenige Tage später endete das Spiel Argentinien gegen Ukraine mit dem gleichen Ergebnis, Beleg für die wachsende Defensivstärke der Teams.

;

K.-o.-Runde

;

FIFA FUTSAL-WELTMEISTERSCHAFT