FIFA eWorld Cup

Chu 'ChuBoi' Morah: "Es war verrückt, ins kalte Wasser geworfen zu werden"

(FIFA.com)
Chu Morah interviews 'Msdossary'
© Getty Images
  • Über 'MegaBit':"Ich glaube nicht, dass es jemanden gibt, der mehr Zeit und Energie in das Spiel investiert"
  • "Jeder wird nervös"
  • Chu Morah spricht mit FIFA.com über seinen Weg zum FIFA-eSports-Experten sowie über die vergangene und kommende Saison

Chu 'ChuBoi' Morah ist seit Anfang 2017 Teil der FIFA eSports Szene und analysierte als Experte die Spiele des FIFA eWorld Cup Grand Final 2018. Wir haben uns mit ihm über seinen Weg in den FIFA eSports, die letzte Saison und über die kommende Saison unterhalten.

Wie kamst du zum FIFA eSports?

Chu: 2012 habe ich noch in den Vereinigten Staaten gelebt, da aber mein Studenten-Visum ablief, suchte ich nach einem Job in Kanada und wurde Community Manager bei EA Sports. Nach 4 Jahren entschied ich - da dies immer ein Traum von mir war - mich mit YouTube-Videos und Streaming selbständig zu machen. Nachdem mich EA Sports bei der FUT Championship Series erstmals mit ins Boot holte, wurde ich auch Teil des FIWC und später des FeWC Broadcast Teams.

Was war dein erstes Event?

Chu: Mein erstes Event waren die Regional Finals in Paris 2017. Zuerst war ich der Post-Match-Interviewer, aber durch meine Expertise, da ich auch ein großer Fan von Statistiken bin und die Spielweise der Pro-Spieler kenne, habe ich nach kurzer Zeit in eine Analyse-Rolle gewechselt.

Wie war die Erfahrung?

Chu: Das war irgendwie verrückt, einfach so ins kalte Wasser geworfen zu werden. Du musst unglaublich schnell lernen - mein erstes Event wurde auf ESPN etc. übertragen und man muss lernen, innerhalb von Millisekunden zu antworten. Insgesamt habe ich durch die ersten Erfahrung extrem viel gelernt und fühlte mich in der Rolle viel wohler.

Wie hat sich dein Privat-Leben innerhalb der letzten Jahre verändert?

Chu: Ich reise wahrscheinlich viel zu viel. FIFA eSports hat mich an Orte gebracht, an die ich nie gedacht habe - wie zum Beispiel Australien - wofür ich sehr dankbar bin. Du musst dich an die Reisen gewöhnen, deine Zeit gut einteilen, immer fokussiert sein und dich auch gesund ernähren, um fit zu bleiben.

Du warst auch live während des Final Showdown des FIFA eWorld Cup 2018 - wirst du noch nervös vor oder während Übertragungen?

Chu: Das Interessanteste, was ich mit der Zeit gelernt habe ist, dass jeder nervös wird. Auch andere Kommentatoren, erfahrenere FIFA eSports Moderaten, werden manchmal nervös. Das trifft auch auf Kommentatoren von anderen eSports Titeln zu. Es ist in Ordnung auch mal einen Fehler zu machen - wenn ich Fernsehen schaue, sehe ich mittlerweile Dinge, die mir davor nie aufgefallen sind - jeder macht Fehler.

Hast du Tipps für jemanden, der ebenfalls Teil von FIFA eSports Übertragungen werden möchte?

Chu: Hartnäckigkeit. Halte dir immer deine Ziele vor Augen und wenn du Arbeit in diese Ziele steckst, werden diese auch erfüllt. Als ich 2017 in Paris mein erstes Event hatte, musste ich dauerhaft an das FIWC Grand Final denken. Ich habe das Grand Final ein Jahr davor geschaut und wollte unbedingt Teil davon werden, was dann auch geklappt hat. Man sollte auch immer die Extra-Meile für Leute gehen und immer höflich mit allen Menschen umgehen, da viele Augen auf dich gerichtet sind. Das gilt auch für Twitter: Wenn du nichts Nettes zu sagen hast, sag es nicht.

Welcher Teil von FIFA eSports fasziniert dich am meisten?

Chu: Da gibt es einige Dinge. Es ist immer schön, alle bei den Events zu sehen: Die Spieler, das Broadcast Team und auch die Community. Was mich auch immer fasziniert sind Comebacks, z.B. der Final Showdown des FIWC Grand Final 2017, als Gorilla nach einem Rückstand im ersten Spiel am Ende noch souverän gewann. Außerdem finde ich Verlängerungen immer extrem spannend.

Welcher Spieler hat dich diese Saison mit seinem Spiel-Stil am meisten beeindruckt?

Chu: Einige Spieler. 'F2Tekkz' zum Beispiel. Wie er den FUT Cup in Barcelona dominiert hat war beeindruckend. Alles, was er bei diesem Turnier machte, schien zu funktionieren. Wenn ich auf das Grand Final schaue, dann 'Maestro'. Er ist sicher nicht so weit gekommen wie erwartet, aber er schießt meiner Meinung nach die schönsten Tore und hat deswegen eine Erwähnung verdient. Und natürlich muss man auch über den Champion, 'Msdossary', reden. Mit jedem Spiel der FIFA Reihe verändert sich die Spielmechanik, aber ein paar wenige Spieler sind immer konsistent und dazu zählt auch Mosaad. Er hat sowohl Turniere in 2017 (Whistler) als auch in 2018 (Manchester und natürlich London, das Grand Final) gewonnen.

Was war die größte Überraschung des Grand Final für dich?

Chu: Definitiv die Bühne. Das war das beste Set-Up, dass ich jemals gesehen habe. Als ich das erstmal ins The O2 gekommen bin, war ich einfach beeindruckt. Wenn ich über die Spieler spreche, dann sicherlich 'kurt0411', nach seiner überragenden Offensiv-Leistung dachte ich, er könnte sich den Titel holen.

Was war der Schlüssel für 'Msdossarys' Gewinn?

Chu: Er verteidigt viel besser als jeder Andere. Den Druck, den er dauerhaft ausübt, ist unglaublich und es scheint immer so, als wäre er seinem Gegner zwei Schritte voraus, selbst wenn du dich vorbereitest, weiß er, was dein nächster Schritt ist. Nur ’Gorilla’ schaffte es wirklich, gegen ihn offensiv zu überzeugen und es ist einfach überragend, ohne Gegentore im Final Showdown zu bleiben.

Verglichen mit den FIWC17 Grand Final - wie hat sich das Turnier innerhalb eines Jahres verändert?

Chu: Der Maßstab von allem hat sich verändert, alles wurde noch ein Stück besser und größer. Und auch die Spieler habe sich vor der Kamera deutlich verbessert. Sie sind die zukünftigen Stars und gewöhnen sich mittlerweile an die Interviews mit der Presse und benehmen sich sehr professionell.

Auf was freust du dich für die nächste Saison?

Chu: Ich bin sehr auf die Austragungsorte gespannt und zudem sehr neugierig, welche Spieler nach einem eher enttäuschendem Jahr wieder zurückkommen. Ich möchte, dass die Leute, die in FIFA 17 überzeugt haben, wieder ein Comeback schaffen.

Wer könnte deiner Meinung nach der neue Star in 2019 werden?

Chu: Ich habe mich mit einigen eSports-Managern und -Spielern unterhalten, die schon FIFA 19 gespielt haben, und für uns stach eine Person heraus: 'MegaBit'. Ich glaube nicht, dass es jemanden gibt, der mehr Zeit und Energie in das Spiel investiert. FIFA 19 könnte seine Saison werden.

Und welches Team sieht am stärksten aus?

Chu: Wenn man schon über 'MegaBit'‘ spricht - Werder Bremen eSports ist mit ihm und 'MoAubameyang' extrem stark aufgestellt. Es gibt sicher auch Teams wie Hashtag United or FutWiz aber mit 'MoAubameyang's offensiver Stärke und 'MegaBit's Hingabe ist Bremen für mich das aktuell stärkste Team.

Wir hatten zwei Champions aus Saudi-Arabien und zwei aus Dänemark in den letzten 5 Jahren - Welche Nation wird nächstes Jahr überzeugen?

Chu: Es gab noch nie einen deutschen Champion. Sie gehen den Sport sehr seriös an und präsentieren sich selber sehr gut. Nächste Saison könnten wir einen deutschen Sieg sehen und das Land hat es auch verdient, da es so viele professionelle deutsche Spieler gibt und sie so viel in das Spiel investieren.

Welche persönlichen Projekte planst du für die nächste Saison?

Chu: Ich habe zwei Ziele im Kopf: Ich möchten den Spieler mehr Zeit auf meinen Kanälen widmen und auch die Nordamerikanischen FIFA Spieler in den Fokus rücken und sie der Welt vorstellen.

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