Wenn es um die Qualifikation für große Turnier ging, dann war Lars Lagerbäck stets zur Stelle, hat sich der Aufgabe gestellt und diese dann erfolgreich abgehakt. Der 64-jährige, der bei den letzten drei FIFA WM-Endrunden dabei war, weiß genau, was es heißt, sich erfolgreich in einer Qualifikation durchzusetzen.

Doch der Weg nach Brasilien 2014 stellt für ihn eine neue Herausforderung dar, denn der ehemalige Nationaltrainer Schwedens und Nigerias möchte nun Island erstmals in seiner Geschichte zu einer WM-Endrunde führen. Am 7. September beginnt der Weg nach Brasilien, wenn Lagerbäcks neues Team auf einen alten skandinavischen Bekannten trifft, nämlich Norwegen, das Spitzenteam in Gruppe E.

Nur wenige Experten können sich vorstellen, dass Island eine Überraschung gelingt. Schließlich haben die Isländer in der Qualifikationen für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ und für die UEFA EURO 2012 nur jeweils eine Partie gewonnen und den letzten beziehungsweise vorletzten Platz belegt. So war es auch nicht verwunderlich, dass die Mannschaft im April auf die mit Rang 131 bis dahin schlechteste Position in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste abgerutscht war.

Lagerbäck blickt mit Zuversicht nach vorne
Der Trainer bleibt jedoch optimistisch und die Verbesserung in der Weltrangliste scheint ihm Recht zu geben, denn in der jüngst veröffentlichten Rangliste hat Island zwölf Plätze gut gemacht. Dies ist auch auf den 2:0-Sieg gegen Faröer am 16. August zurückzuführen und so ist man guter Dinge, zum Auftakt für eine Überraschung sorgen zu können. "Die Spieler sind positiv gestimmt und haben hart gearbeitet", sagt Lagerbäck. "Norwegen wird sehr gut spielen müssen, um uns zu schlagen."

Die Überzeugung des schwedischen Trainers begründet sich auch darauf, dass Island mittlerweile wieder über eine ganze Reihe von Angreifern und offensiven Mittelfeldspielern internationaler Klasse verfügt. So macht sich beispielsweise Mittelstürmer Kolbeinn Sigthorsson gerade einen Namen beim niederländischen Spitzenklub Ajax Amsterdam und erzielte zuletzt beide Tore beim Sieg gegen Faröer. Der 22-Jährige hat mittlerweile sechs Mal in elf Länderspielen ins Schwarze getroffen. Dennoch muss er sich gegen harte Konkurrenz im Angriff durchsetzen, und zwar in Gestalt von Heerenveens Alfred Finnbogason – Top-Torschütze des schwedischen Meisters Helsinborgs in der vergangenen Saison – und Bjorn Bergmann Sigurdarson, der erst kürzlich für EUR drei Mio. von den Wolverhampton Wanderers verpflichtet wurde.

Eidur Gudjonsen, Islands Rekordtorschütze, ist eine weitere Option und kam als Einwechselspieler beim Sieg gegen Faröer zum Einsatz. Der ehemalige Angreifer vom FC Barcelona und FC Chelsea wurde mittlerweile in der Schaltzentrale durch Kreativspieler Gylfi Sigurdsson ersetzt, um dessen Vertragsunterschrift Liverpool und Tottenham Hotspur im vergangenen Sommer erbittert gekämpft hatten.

Hoffnungsträger Sigurdsson
Am Ende setzten sich die Spurs durch und bezahlten EUR 8,5 Mio. für einen Spieler, dessen technische Fertigkeiten, Spielübersicht und Schussstärke ihn zu einem der spektakulärsten Spieler der vergangenen Saison in der englischen Premier League machten. Das sieht auch Coach Lagerbäck so: "Gylfi hatte eine fantastische Saison bei Swansea City. Er hat große Qualitäten. Er ist wirklich ein großartiger Spieler mit herausragender Übersicht. Ich glaube, dass er im richtigen Team ein Weltklassespieler sein könnte. Er hat viel Ballgefühl und kann aus allen Lagen schießen. In der isländischen Nationalmannschaft haben wir eine Position für ihn gefunden, in der er das Offensivspiel unserer Mannschaft steuern kann."

Sollte Sigurdsson in großer Form aufspielen, hat Island nach Ansicht des Trainers durchaus Chancen in einer Gruppe, in der man neben Norwegen noch auf Slowenien, die Schweiz, Albanien und Zypern treffen wird. "Das ist nicht unbedingt die härteste Gruppe, die es gibt", sagte Lagerbäck, wohl wissend, dass sich keiner der Gegner in Gruppe E für die EURO 2012 qualifizieren konnte. "Von den fünf, sechs ganz großen Teams sind wir verschont geblieben."

Dennoch bleibt Island Außenseiter. Doch angesichts der großen Talente und des erfahrenen Trainers könnte der jüngste Sprung nach oben in der Weltrangliste das erste Kapitel einer längeren Erfolgsgeschichte Islands sein.