Man konnte die Verzweiflung in jedem kleinen Dorf Guatemalas spüren. Es war im Oktober 2005, als Trinidad und Tobago unter der Regie von Leo Beenhakker die Qualifikation zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ schaffte und das größte und bevölkerungsreichste Land Mittelamerikas für die nächsten vier Jahre von der internationalen Fussballbühne verbannte. Nach einem gelungenen Neuanfang blicken die Spieler Guatemalas und ihre Fans nun wieder zuversichtlich in die Zukunft. Der Glaube an den Fussballgott scheint zurückgekehrt.

Im Februar gelang dem Mittelamerikameister von 1967 ein Sprung um 18 Ränge nach oben in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste. Seitdem schwimmen die Guatemalteken auf einer Welle der Euphorie, haben ihre alte Spielstärke wiedergefunden und der Defensive neue Sicherheit verliehen. Die Mannschaft, die in Mittelamerika von jeher für ihr gepflegtes Kurzpassspiel und die schnell vorgetragenen Angriffe bekannt ist, wird seit April durch den Kolumbianer Hernán Darío Gómez trainiert. Nach einem ziemlich holprigen Start in diversen Freundschaftsspielen mit zwei Niederlagen gegen Honduras, jeweils einer Niederlage gegen Venezuela und Panama sowie einem Unentschieden gegen den neuen Karibikmeister aus Haiti geht es für Guatemala nun offenbar wieder aufwärts.

Für "El Bolillo", der die ecuadorianische Nationalmannschaft zur FIFA WM 2006™ führte und der in der Branche einen herausragenden Ruf besitzt, waren die vergangenen Monate ein langsamer, aber stetiger Lernprozess. Die schwierige Phase nahm Anfang dieses Monats ein Ende, als das von Fredy Thompson und César Alegria angeführtes Team zu alter Form fand und beim mittelamerikanischen UNCAF Nationen-Pokal in El Salvador jeweils mit 1:0 gegen Nicaragua und Belize siegte. Ein 0:0 im abschließenden Gruppenspiel gegen El Salvador reichte zusammen mit den Gastgebern, die ebenfalls sieben Punkte auf dem Konto hatten, zum Einzug ins Halbfinale.

Trotz der guten Leistungen offenbarten die Spieler Guatemalas ohne ihre Sturmspitze Carlos "El Pescadito" Ruiz eine eklatante Abschlussschwäche und unterlagen mit 0:2 gegen Panama. Durch die Halbfinalteilnahme hat es die Mannschaft von "El Bolillo" dennoch geschafft, sich mit elf anderen Mannschaften für den CONCACAF Gold Cup im Juni zu qualifizieren - dem größten Turnier der Region. Für Guatemala, das im Vorfeld des UNCAF Nationen-Pokals bis auf ein Remis gegen Haiti alle Testspiele verlor, ging es seit Januar 2007 fast 20 Plätze in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste nach oben. Nun will Guatemala wieder in alte Regionen vorstoßen: Im August 2006 belegte das Land den 50. Rang.

Momentan liegt das Team auf Platz 88, noch vor dem Karibikmeister Haiti und der Nationalmannschaft Boliviens. In der CONCACAF-Zone belegt Guatemala derzeit den zehnten Rang und liegt nur knapp hinter Kanada und Panama. Aufgrund der guten Leistungen konnte das Fehlen des Topstürmers Ruiz schnell vergessen werden, und die Guatemalteken treten wieder als geschlossene Einheit auf.

"El Bolillo" macht alles richtig
Das Land, das mit dem Klub Deportivo Marquense, in dessen Reihen eine Handvoll Nationalspieler unter Vertrag stehen, auch im Viertelfinale beim CONCACAF Champions Cup steht, hat einen kompletten Neuanfang vollzogen. Die Tatsache, dass der eher unbekannte Verein (zu einem nationalen Titel hat es nie gereicht) unter den Topmannschaften Nord- und Mittelamerikas sowie der Karibik steht, ist eine Genugtuung für das Scheitern der guatemaltekischen U-20-Auswahl bei dem Versuch, sich für die FIFA U-20-Weltmeisterschaft Kanada 2007 zu qualifizieren.

Mit einer neuen Defensivstrategie, die auf Trainer Gómez zurückzuführen ist, der traditionellen Angriffslust und dem präzisen Passspiel im Mittelfeld wird mit den Guatemalteken, die vor allem Spieler aus der nationalen Liga in ihren Reihen haben, beim CONCACAF Gold Cup zu rechnen sein. Das übergeordnete Ziel, das vom Trainer ausgegeben wurde, besteht aber darin, neben Honduras, El Salvador und Costa Rica das vierte mittelamerikanische Land zu werden, das an einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ teilnimmt. Das wäre die absolute Krönung in der Geschichte eines fussballverrückten Landes, das seit Ende der 50er Jahre (seit der erstmaligen Teilnahme im Vorfeld der Weltmeisterschaft 1958) immer wieder in der WM-Qualifikation gescheitert ist.

Die Erinnerungen an die Qualifikation 2005, als lediglich zwei Punkte zur WM-Teilnahme fehlten, könnten einem überwältigenden Triumph auf dem Weg nach Südafrika 2010 Platz machen. Die aktuelle Formkurve und die Platzierung in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste sind zumindest eindeutiger Beleg eines wiedererstarkten Guatemalas.