FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste

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FIFA-Weltrangliste

Madagaskar richtet den Blick in die Zukunft

Madagascar celebrates
© imago
  • Madagaskar stößt in die Top 100 der Weltrangliste vor
  • Inselstaat erntet Früchte der ersten Teilnahme am CAF Afrikanischen Nationen-Pokal
  • Bodenständig und bescheiden richtet die Nation den Blick in die Zukunft

In den 60 Jahren zwischen der ersten Qualifikationsrunde für den CAF Afrikanischen Nationen-Pokal 1957 und der Auflage 2017 lesen sich die Ergebnisse der madagassischen Fussball-Nationalmannschaft wie folgt: "Nicht teilgenommen", "Zurückgezogen", "Nicht qualifiziert", "Ausgeschlossen". Damit konnte Madagaskar den Wettstreit der anderen Nationen um den afrikanischen Fussball-Thron bei insgesamt 31 Turnierauflagen allein als Zuschauer verfolgen.

Doch im vergangenen Oktober wendete sich das Blatt, als sich das madagassische Nationalteam durch einen 1:0-Erfolg über Äquatorial-Guinea für den CAF Afrikanischen Nationen-Pokal 2019 in Ägypten qualifizierte – ein historischer Erfolg. Die Auslosung bescherte der Mannschaft eine schwierige Gruppe, in der Madagaskar als klarer Außenseiter ins Rennen ging. Das Team hätte sich fast damit zufriedengegeben, überhaupt an dem Turnier teilzunehmen, und war eigentlich darauf vorbereitet, nach drei Niederlagen und vielen lehrreichen Erfahrungen wieder die Heimreise anzutreten.

Doch Madagaskar verblüffte die Fussballwelt und stieß bis ins Viertelfinale vor. Dieser herausragende Erfolg schlägt sich nun auch in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste vom Juli in Position 96 nieder – damit kletterte das Team gegenüber dem Vormonat um zwölf Plätze.

"Wir bauen seit zweieinhalb Jahren diese Mannschaft mit dem Ziel auf, uns für den CAF Afrikanischen Nationen-Pokal zu qualifizieren. In einer Gruppe mit Senegal, Sudan und Äquatorial-Guinea war das alles andere als ein leichtes Unterfangen. Letztlich konnten wir uns im vergangenen Oktober als Erste für die Kontinentalmeisterschaft qualifizieren. Dadurch hatten wir ausreichend Zeit, um uns gründlich vorzubereiten und ohne Vorbehalte ins Turnier zu gehen", versucht Kapitän Faneva Andriatsima den unerwarteten Erfolg seines Teams zu erklären.

Madagascar celebrate
© Others

Madagaskars Ergebnisse beim CAF Afrikanischen Nationen-Pokal 2019

  • Guinea – Madagaskar 2:2 (Gruppe B)
  • Madagaskar – Burundi 1:0 (Gruppe B)
  • Madagaskar – Nigeria 2:0 (Gruppe B)
  • Madagaskar – DR Kongo 2:2, 4:2 i. E. (Achtelfinale)
  • Madagaskar – Tunesien 0:3 (Viertelfinale)

Gut vorbereitet, voller Begeisterung und getragen vom unbändigen Willen, die nach der historischen Qualifikation nicht enden wollende Feierlaune der 25 Millionen Madagassen aufrecht zu erhalten, ließ Madagaskars Fussball-Nationalmannschaft mit dem 2:2-Remis gegen Guinea um Starspieler Naby Keita bereits zu Turnierbeginn mächtig aufhorchen. Es folgte der 1:0-Erfolg gegen Burundi, ebenfalls Turnierdebütant. Doch das Beste sollte erst noch kommen …

Im letzten Gruppenspiel beherrschte Madagaskar seinen Gegner Nigeria – eines der Schwergewichte des afrikanischen Fussballs – fast nach Belieben und erkämpfte sich durch den 2:0-Erfolg Platz 1 in der Gruppe B. Im Achtelfinale setzte sich das Team gegen den früheren Titelträger aus der DR Kongo durch. Wenngleich die Ergebnisse überraschen mögen, erscheinen sie angesichts des gebotenen Fussballs fast schon folgerichtig: "Ich lasse meinen Spielern auf dem Feld freie Hand. Sie haben die Aufgabe, das Spiel zu gestalten, da wir wissen, wie das geht", erklärt Madagaskars französischer Trainer Nicolas Dupuis im Interview mit France Football. "Unser Markenzeichen müssen viel Ballbesitz und eine hohe Passquote sein. In der Defensive können wir im Gegensatz zu vielen anderen afrikanischen Mannschaften einen kohärenten Block vorweisen. Das macht schon einen gewissen Unterschied aus."

Auch das Bild, dass die madagassische Auswahl vor der Amtsübernahme von Dupuis 2016 auf dem Kontinent abgab, könnte die herausragenden Leistungen Madagaskars beim CAF Afrikanischen Nationen-Pokal erklären: "Ich habe das Gefühl, dass sich unsere Gegner zu sicher waren und uns etwas auf die leichte Schulter genommen haben. Wir hingegen wussten, wozu wir in der Lage sind", so Nicolas Dupuis, der parallel zu Madagaskars Nationalteam auch den FC Fleury 91 in Frankreichs höchster Amateurklasse betreut. "Niemand außer uns war sich unserer Stärken bewusst."

Wenn man bedenkt, dass sich die Madagassen auf der Weltkarte des Fussballs bis zuletzt eher als unbeschriebenes Blatt zeigten, scheint es vielleicht ein wenig verwegen, den Gegnern vorzuwerfen, das Team unterschätzt zu haben.

Madagaskar in der FIFA-Weltrangliste:

  • Durchschnittliche Platzierung seit Einführung der Wertung: 135
  • Platzierung im Juni 2019, vor dem CAF Afrikanischen Nationen-Pokal: 108
  • Bislang schlechteste Platzierung: 190 (März 2014)
  • Bislang beste Platzierung: 78 (Dezember 1992)

Zwar haben Madagaskars Leistungen in Ägypten die Mannschaft in den Fokus des afrikanischen Fussballs gerückt und in die Top 100 der Weltrangliste gebracht. Doch die Madagassen wissen auch, dass es weitaus schwieriger ist, diese Position zu verteidigen. "Es wird schwer, unsere Leistung beim nächsten Mal zu übertreffen", blickt Nationalcoach Dupuis bereits voraus. "Das bisher Erreichte zeigt, dass sich unser Engagement auszahlt. Doch wir müssen weiter hart arbeiten, sonst wird unser Erfolg nur von kurzer Dauer sein", so Dupuis, der in den letzten Jahren auch von der Unterstützung der madagassischen Regierung und den von der FIFA finanziell unterstützten Entwicklungsprojekten profitierte.

"Wir sind und bleiben ein kleines Team mit überschaubaren Mitteln und ganz viel Herz. Mit etwas Glück und Intelligenz erreicht man eben das, was wir erreicht haben", erklärt Madagaskars 35-jähriger Kapitän Andriatsima nicht ohne Stolz. "Wir haben unser Land würdig vertreten. Auch wenn wir im Viertelfinale ausgeschieden sind, konnten wir die Madagassen in aller Welt vereinen. Nun hoffe ich, dass wir auch bei der kommenden Turnierauflage in zwei Jahren dabei sein werden."

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