FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste

FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste

FIFA-Weltrangliste

Liechtenstein setzt neue Duftmarken

Liechtenstein's Michele Polverino celebrates with teammate Franz Burgmeier (R)
© AFP

Der Begriff "Fussball-Zwerg" ist verständlicherweise eher negativ behaftet. Doch im Falle von Liechtenstein hat dies eine etwas andere Bedeutung, schließlich reden wir hier über den sechstkleinsten Staat der Welt. Lediglich 160 Quadratkilometer misst das Fürstentum zwischen Schweiz und Österreich in der Mitte Europas. Auch fussballerisch sind die Erfolge bisher eher bescheiden geblieben. Angesichts von lediglich 36.000 Einwohnern auch kein Wunder. Zum Vergleich: Allein die deutsche Hauptstadt Berlin ist rund 900 Quadratkilometer groß und hat mehr als drei Millionen Einwohner.

So sind auch schon die kleinsten Veränderungen als großer Erfolg zu werten. Gerade erst avancierte das Team zu einem der größten Aufsteiger der November-Ausgabe der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste. 25 Plätze kletterten die Liechtensteiner nach oben. Rang 130 bedeutet zugleich die beste Platzierung seit über zweieinhalb Jahren. Die durchschnittliche Platzierung des Landes seit Einführung der Rangliste beträgt insgesamt 146.

Ein außergewöhnliches ErlebnisGrund für den Sprung sind die aktuellen Ergebnisse. So wurde in der EM-Qualifikation Moldawien mit 1:0 besiegt, womit eine Serie von 21 sieglosen Spielen zu Ende ging. Kapitän Franz Burgmeier markierte eine Viertelstunde vor dem Ende das entscheidende Tor in der in Chisinau ausgetragenen Partie. "Das war ein perfekter Abend für die ganze Mannschaft", jubelte der Schütze des goldenen Treffers anschließend.

"Wir sind überglücklich. Das ist unser zehnter Sieg. Wir haben erstmals seit zwei Jahren gewonnen. Es ist absolut brillant, dass wir ein Auswärtsspiel gewonnen haben. Wir haben nun eine Gelegenheit für eine große Feier. Keine Sorge, das werden wir tun“, ergänzte Nationaltrainer René Pauritsch und fügte bescheiden an: “Unsere Aufgabe in der Gruppe ist es, nicht Tabellenletzter zu werden. Heute haben wir einen Sieg geholt, und wir wollen auch in unseren nächsten Spielen Punkte holen. Wir haben defensiven Fussball gespielt. Von Zeit zu Zeit kommen dabei für uns gute Ergebnisse heraus."

Einen Auswärtssieg hatten die Liechtensteiner letztmals vor über einem Jahrzehnt in einem WM-Qualifikationsspiel gegen Luxemburg gefeiert. Matthias Voigt, Präsident des Verbandes LFV, sprach nach dem zehnten Länderspielsieg der Verbandsgeschichte dementsprechend euphorisch von einem "außergewöhnlichen Erlebnis" und einer "inneren Genugtuung“.

Eine Rekordmarke gegen LuxemburgSeit 1982 trägt Liechtenstein offizielle Länderspiele aus, seit 20 Jahren nimmt das Fürstentum (seit 1974 Mitglied der UEFA und der FIFA) an den Qualifikationsturnieren zu einer großen Endrunde teil, doch in zehn Anläufen gelang es dem Team aus dem Fürstentum nur einmal, den letzten Platz in seiner Qualifikationsgruppe zu vermeiden.

Im Kampf um das WM-Ticket nach Deutschland 2006 schnitt man mit zwei Siegen (gegen Luxemburg) und zwei Unentschieden (Portugal, Slowakei) aus zwölf Partien so gut ab wie nie zuvor. Der 4:0-Auswärtserfolg in Luxemburg ist der bislang höchste Sieg in der Fussball-Historie des Landes - bis heute eine Rekordmarke für das kleine Land. Auf dem Weg nach Südafrika 2010 bzw. Brasilien 2014 blieb Liechtenstein allerdings wieder ohne Sieg und wurde beide Male Letzter. Ähnlich sieht die Bilanz auf den Wegen zu den kontinentalen Gipfeltreffen aus.

Doch dank der Aufstockung des EM-Teilnehmerfeldes scheint der Traum eines Tickets für eine Endrunde tatsächlich machbar zu sein. Vier Punkte hat Liechtenstein bisher nach vier Spielen geholt. Russland und Montenegro liegen nur jeweils ein Zähler davor, Schweden auf Rang zwei lediglich zwei.

Am 27. März 2015 gastiert Tabellenführer Österreich (zehn Punkte) in Vaduz, und das Team um David Alaba und Kapitän Christian Fuchs sollte sich seiner Sache keineswegs sicher sein, auch wenn es bisher in sechs Aufeinandertreffen sechs Niederlagen (1:22 Tore) gab. Sollte tatsächlich ein Punktgewinn für die Gastgeber dabei herausspringen, so dürfte aus dem "Fussball-Zwerg" Liechtenstein zumindestens kurzzeitig ein "Fussball-Riese" werden.

Mehr zu diesem Thema erfahren

Empfohlene Artikel