Entwicklung

Futsal im Weltmeisterland Argentinien auf dem Vormarsch

(FIFA.com)
LNFA's Regional Final - Patagonia
© AFA

Río Grande ist gut 1.000 km von der Antarktis entfernt und zählt zu den südlichsten Städten der Welt. Bis dorthin, mitten in die argentinische Provinz Feuerland mit ihren spektakulären Landschaften, ist das FIFA-Forward-Programm vorgedrungen. Der Grund war ein ehrgeiziges Projekt: die Liga Nacional de Futsal Argentina (LNFA).

Über ein Jahr lang hatten Verantwortliche des FIFA-Forward-Programms und Repräsentanten des argentinischen Fussballverbands gemeinsam auf einen landesweiten Futsal-Wettbewerb hingearbeitet. 2018 wurde das Projekt in Gestalt der Liga Nacional de Futsal Argentina (LNFA) nun endlich umgesetzt. Neun Turniermonate, 123 Mannschaften aus mehr als 20 Provinzligen, 392 Spiele und 2.214 beteiligte Spieler sowie die Qualifikation für die Copa Libertadores de Futsal 2019 – das sind die beeindruckenden Fakten.

Vom 9. bis zum 14. Oktober machte die Liga in Río Grande Station, dem Austragungsort einer der fünf Regionalphasen des Turniers. Zwölf Teams aus der Region Patagonien traten im Kleinstadion "Arena Sport" gegeneinander an. Das lokale Team Camioneros setzte sich im Finale gegen Ateneo aus Ushuaia durch, Grund zum Feiern hatten jedoch beide Teams. Sie werden nämlich an der nationalen Phase teilnehmen, in der die zwölf besten argentinischen Klubs den ersten Meister der LNFA ausspielen werden.

Starker Plan, entscheidende Unterstützung
Seit dem Titelgewinn der Albiceleste bei der FIFA Futsal-Weltmeisterschaft Kolumbien 2016 erlebte die Sportart im Land einen wahren Boom.

"Die Anzahl der Klubs und der Spieler ist erheblich gestiegen", so Jonathan Sanzi, Präsident der Nationalen Futsalkommission des argentinischen Fussballverbands (AFA) im Gespräch mit FIFA.com.

Angesichts dieser Tatsache hatte Weltmeistertrainer Diego Giustozzi dem AFA den Vorschlag gemacht, eine Landesliga einzurichten. Präsident Claudio Tapia gab seine Zustimmung und so begann ein Projekt, das "den Aufbau des wichtigsten Turniers der Sportart auf kontinentaler Ebene zum Ziel hatte", meint Luis Castro, Leiter der Entwicklungsabteilung des AFA.

Mit guten Absichten allein war es jedoch nicht getan. Zur Umsetzung des Plans auf einem ganz speziellen Territorium war auch ein wirtschaftliches Standbein erforderlich. "Argentinien ist ein sehr großes Land, in dem weite Entfernungen zurückzulegen sind, und wir haben allein in Buenos Aires 100 Mannschaften", erklärt Sanzi.

"Um diese Sportart wirklich auf Landesebene anbieten zu können, brauchten wir substanzielle finanzielle Unterstützung. Das Forward-Programm war für uns zweifellos die Rettung."

"Außer den großen Distanzen und den [schwierigen] geographischen Gegebenheiten zwang uns der unterschiedliche Entwicklungsstand des Futsals in den verschiedenen Regionen unseres Landes dazu, ein besonderes Modell zu entwerfen", meint Luis Castro.

"Wir haben natürlich die wichtigen Ligen der Welt eingehend unter die Lupe genommen, dann aber einen Plan umgesetzt, der ganz auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten ist."

Bei der Schaffung und Entwicklung des Grundgerüsts spielt auch die FIFA eine Rolle, die Berater mit umfangreichen Erfahrungen bereitstellt, und permanente Unterstützung über die Subdivision der Mitgliedsverbände Amerikas und das entsprechende Regionalbüro in Asunción bietet.

"Sie beraten uns, korrigieren uns und helfen uns. Sie spielen bei vielen Detailfragen eine Rolle. Javier Lozano [spanischer Trainer, zweifacher Weltmeister und Mitglied der Technischen Studien-Gruppe (TSG)] hat uns bei der Konzeptionierung und im Spielbetrieb enorm unterstützt", offenbart Sanzi.

Früher Erfolg
Das Turnier, das über Facebook live ausgestrahlt wird, begann im April mit der Provinzphase. Mittlerweile ist die Regionalphase abgeschlossen, und es müssen nur noch zwei Teilnehmer der nationalen Phase ermittelt werden: der Meister der Primera A des AFA und der Ausrichter dieser letzten Phase, die im Dezember an einem noch zu benennenden Ort stattfinden wird.

Sanzi dazu: "Die bedingungslose Unterstützung von Präsident Tapia war ein entscheidender Faktor für den Erfolg der LNFA. Er mag diese Sportart sehr, und wir sind ihm sehr dankbar."

"Einige Mannschaften aus Provinzen und Ligen im Landesinneren haben eine enorme Entwicklung hingelegt, die sich aufgrund dieses Turniers sicherlich fortsetzen werden", erklärt Castro. "Auch der Nachhall im gesellschaftlichen Umfeld ist sehr positiv. In allen teilnehmenden Städten gab es hohe Zuschauerzahlen und eine umfangreiche Berichterstattung in den Medien."

Sanzi weiter: "Dank des Anstoßes durch den AFA und die entscheidende Unterstützung seitens der FIFA über das Forward-Programm sind neue Geschäftsvereinbarungen mit lokalen Unternehmen möglich geworden. Diese werden für die zukünftigen Auflagen der LNFA ausgesprochen hilfreich sein."

Sergio Palacios, Projektkoordinator des Regionalbüros der FIFA in Asunción, konnte laut Sanzi viel Unterstützung für die LNFA bieten. Er war in Río Grande anwesend, um sich vor Ort von den Fortschritten zu überzeugen.

"Das FIFA-Forward-Programm war von entscheidender Bedeutung für die echte Dezentralisierung des Futsals in Argentinien. Zahlreiche Klubs und Tausende Spieler aus allen Regionen des Landes haben dadurch die Möglichkeit erhalten, am Wettbewerb teilzunehmen", so Palacios.

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