Die spanische Frauen-Nationalmannschaft hat einen neuen Trainer. Nach 27 Jahren im Amt erklärte Ignacio Quereda seinen Rücktritt. Sein Nachfolger wird der bisherige Trainer der U-19-Auswahl: Jorge Vilda.

Seine Leidenschaft für den Frauenfussball erbte er von seinem Vater Angel, mit dem Vilda vor acht Jahren im Nachwuchsbereich der Frauen-Nationalmannschaft zu arbeiten begann. Er ist zu einem großen Teil für die Leistungssteigerung der Rojitas auf internationaler Ebene verantwortlich.

Unter seiner Leitung gewann die U-17-Auswahl zwei EM-Titel, nur 2012 wurde der oberste Podiumsplatz verpasst. Bei der FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft in Trinidad und Tobago holte sein Team Bronze und in Costa Rica 2014 den zweiten Platz. Im Anschluss übernahm er die U-19-Auswahl, mit der er vor wenigen Wochen Vize-Europameister in dieser Alterskategorie wurde.

Nun steht der 34-jährige Vilda, der schon 2010 und 2014 bei der Wahl zum Trainer des Jahres im Frauenfussball zu den zehn Finalisten gehörte, vor der Herausforderung, diese Erfolge zukünftig mit der A-Nationalmannschaft fortzuführen.

FIFA.com sprach nach seiner Ernennung exklusiv mit dem Trainer aus Madrid.

Der Moment der Wachablösung ist gekommen. Was wird Jorge Vilda der spanischen A-Nationalmannschaft Neues bringen?
Vor allem Lust, Freude und harte Arbeit. Das Ziel ist die Qualifikation für die EURO 2017 in den Niederlanden. Wir werden versuchen, die Arbeitsweise in den Nachwuchskategorien auf die A-Mannschaft zu übertragen. Wir werden den gleichen Stil beibehalten, doch ich werde meine eigenen Facetten und Konzepte einbringen.

Was zeichnet Ihre charakteristische sportliche Handschrift aus?
Im spanischen Verband halten wir schon immer an einer ähnlichen Spielphilosophie in allen Alterskategorien fest, um die Wechsel zu erleichtern. Dennoch setzt jeder Trainer konzeptuell andere Schwerpunkte. Bei der Neuausrichtung der A-Nationalmannschaft werden wir sicherlich einige Änderungen vornehmen, doch wir sind noch in der Planungsphase. Es ist zu früh, um etwas Konkreteres zu sagen.

Welche Aufgaben haben Sie sich bis zu Ihrem Debüt gesetzt?
Wir haben im September FIFA-Termine und ich beabsichtige, rund um diese Tage ein Trainingslager abzuhalten, um intensiv zu arbeiten. Dort müssen wir die Arbeitsgrundlagen für die Partie gegen Finnland im Oktober legen.

Was hat Ihnen Ihr Vorgänger gesagt?
Er hat mir Glück gewünscht und steht mir zur Verfügung, wenn ich etwas brauchen sollte.

Das Debüt der Roja bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft verlief relativ enttäuschend und endete mit dem Ausscheiden nach der Gruppenphase. Dies führte zu Spannungen zwischen den Spielerinnen und dem Trainer. Die Mädchen verlangten einen Richtungswechsel, der jetzt schließlich kommt. Erhöht dies den Druck und die Erwartungen an Sie?
Ich setze mich selbst mehr unter Druck als dies von außen geschehen kann. Das ist der schlimmste Druck, ich weiß, aber so funktioniere ich, das kann ich nicht ändern. Gleichzeitig denke ich, dass es eine 'schützende Aura' erzeugt und mich der Druck von außen nicht beeinträchtigt.

Befürchten Sie, dass diese ganze Situation, die die Mädchen durchmachen mussten, Spuren hinterlassen hat? Dass Sie auch im mentalen Bereich und an der Motivation arbeiten müssen?
Nicht im Geringsten. Sie sind sehr professionell, und ich bin mir sicher, dass genug Zeit vergangen sein wird, um diese Emotionen zu verarbeiten, wenn wir mit dem Training beginnen. Ich bin mir sicher, dass sie in bester Verfassung sein werden, um einen neuen Zyklus zu beginnen und die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Sie werden ihre ganze Energie dafür aufwenden, die Zukunft zu verbessern.

Haben Sie schon mit den Spielerinnen gesprochen?
Ja, sie haben mir viel Unterstützung und Aufmunterung übermittelt. Sie haben mir ihre Bereitschaft, Lust und Freude versichert, um hart zu trainieren und in bester Verfassung spielen zu können.

Welche der Botschaften, die Sie in diesen Tagen erhalten haben, hat Ihnen am meisten bedeutet?
Nun, als es öffentlich wurde, rief ich natürlich meinen Vater an, bevor ich mich um die empfangenen Nachrichten gekümmert habe. Er war und bleibt mein Lehrer, dem ich alles verdanke, was ich in menschlicher und fussballerischer Hinsicht bin. Der erste Anruf galt ihm. Er hat sich sehr gefreut.

Hat er Ihnen einen Rat gegeben?
Er ist kein Mensch, der Ratschläge gibt. Wenn ich Fragen habe, steht er immer gerne für ein Gespräch zur Verfügung, aber er gibt keinen Rat. Sein großer Weitblick und seine Unterstützung sind sehr hilfreich für mich.

Was ist Ihrer Meinung nach der Grund dafür, dass der jüngste Erfolg im Nachwuchsbereich in der A-Nationalmannschaft keine Fortsetzung gefunden hat?
Zum einen gibt es einen großen Leistungsunterschied zu den Spitzennationen, der in der A-Nationalmannschaft noch größer ist. Eine stärkere Liga zu haben, wäre ein großer Schritt nach vorne. Daran wird gearbeitet. Es ist für uns von großem Vorteil, dass einige Spielerinnen ins Ausland und in die besten Ligen Europas gehen. Das wird sich bemerkbar machen. Dann müssen wir Geduld haben und einige Zeit warten, damit diese jungen Spielerinnen, die in den Jugendkategorien die WM-Endrunden erreicht haben, ihre Entwicklung fortsetzen und reifen können, um ein leistungsstärkeres Team zu formen - mit mehr internationaler Erfahrung im Erwachsenenbereich.

Sie haben die WM von Spanien aus verfolgt. Wie wurde sie hier erlebt?
Es gab ein großes Interesse. Das überraschte sogar mich. Ich wusste, dass die Menschen es zwar verfolgen würden, aber so große Aufmerksamkeit hätte ich nicht erwartet. Viele Menschen, für die der Frauenfussball bisher fremd war, haben sich trotz des großen Zeitunterschieds die Spiele angesehen. Dieser Sport hielt Einzug in die Haushalte und konnte in den Medien verfolgt werden. Ich hoffe, dass es keine Eintagsfliege war und wir die Konstanz erreichen, um diesen Platz einzunehmen, den sie in den Medien und in der Gesellschaft verdienen.