Viele Jahre lang hatte der Fussballverband der Elfenbeinküste mit den TV-Anstalten des Landes verhandelt, um mehr Spiele aus der nationalen Liga im Fernsehen zu übertragen, doch die Antwort war stets die gleiche geblieben: Die Sendezeit für die Übertragung von einheimischen Fussball im TV müsse bezahlt werden.

Doch vor wenigen Wochen veränderte sich die Situation vollkommen, als der Verband einen Vertrag für Live-Übertragungen der Ligue 1 auf RTI unterzeichnete. Denn dies wurde nicht durch den Kauf der Sendezeit erreicht, sondern durch den Verkauf der Medienrechte - eine vollständige Umkehrung der Situation also, die durch nichts anderes als die Investition in den Bau einiger Flutlichtanlagen ausgelöst wurde.

Bis Mai 2016 war an der Elfenbeinküste einzig das Stade Félix Houphouët-Boigny mit Flutlicht ausgestattet, ein Stadion mit 35.000 Plätzen, das viel zu groß und daher viel zu teuer für Ligaspiele ist. Als die FIFA im Rahmen des Win-Win-Programms dem Bau von Flutlichtanlagen im Stade Robert Champroux und im Parc Des Sports in Abidjan zustimmte (zwei kleinen Stadien für je 3.000 Zuschauer), geschah dies nicht, um dort einfach mehr Spiele zu ermöglichen, sondern um eine Entwicklungsspirale in Gang zu setzen, die dem Fussball nachhaltige Einnahmen bringen soll.

"Dank der Flutlichtanlagen können die Fans später ins Stadion kommen, nach der Arbeit, wenn es zudem nicht mehr so heiß ist. Dank der erweiterten Nutzungszeiträume können wir nun auch Doppelansetzungen vornehmen und die Anstoßzeiten so legen, dass Überschneidungen mit Spielen in Europa vermieden werden. Das ist für die TV-Anstalten sehr wichtig. Daher konnten wir nun diesen Vertrag unterzeichnen und zudem noch eine Absichtserklärung für einen vierjährigen internationalen TV-Vertrag", so FIF-Vizepräsident Sory Diabaté. "Das bedeutet Mehreinnahmen, die in die Förderung der Liga selbst und des ivorischen Fussballs im Allgemeinen zurück fließen."

Diese Entwicklung an der Elfenbeinküste ist nur eines von vielen Beispielen für den aktuellen Ansatz der FIFA, aufstrebende Fussballnationen zu stärken, und zwar nicht nur durch die Bereitstellung von Ressourcen, sondern durch Hilfe auf dem Weg hin zu nachhaltiger finanzieller Unabhängigkeit. Bei Win-Win-Projekten wie dem an der Elfenbeinküste beginnt die fussballerische Entwicklung also an einem eher ungewöhnlichen Ausgangspunkt - in diesem Fall Flutlichtanlagen - und zielt darauf ab, solide und konstante Einnahmen zu erzielen, die wieder in die fussballerische Entwicklung fließen.

Die Kraft der Sonne
Ein Kernpunkt des Programms besteht in der Verpflichtung des jeweiligen Mitgliedsverbands, die durch Verbesserungen erzielten Einnahmen wieder in die Entwicklung des Fussballs zu investieren. Dieses Prinzip funktionierte auch bei einem der renommiertesten Win-Win-Projekte in Guam. Die kleine Inselnation in Mikronesien trat 1996 der FIFA bei und profitierte vom Finanziellen Hilfsprogramm (FAP) des Weltverbands, mit dessen Hilfe in Harmon ein nationales Trainingszentrum errichtet werden konnte. Für einen kleinen Verband wie den von Guam zog dies allerdings eine enorme Herausforderung nach sich, nämlich die Bereitstellung der erforderlichen Mittel, um das Zentrum überhaupt in Betrieb zu halten.

"Wir hatten große Probleme, das Geld aufzutreiben, um unser Technisches Zentrum zu nutzen. Dadurch waren kaum noch Ressourcen für die Investition in die fussballerische Entwicklung frei", erläuterte Guams Verbandspräsident Richard K. Lai bei der Beantragung von Mitteln aus dem Win-Win-Programm im September 2012.

Die Temperaturen in Guam liegen ganzjährig zwischen 25 und 31°C, bei mehr als 2.000 Sonnenstunden pro Jahr. Das ist zwar fast zu warm, um während des Tages Fussball zu spielen, doch es sind perfekte Bedingungen für die Stromerzeugung mit Solarzellen. Durch die Installation von Solarmodulen veränderte sich für den Fussballverband Guams und sein Trainingszentrum alles: Der nachhaltig erzeugte Solarstrom und das damit betriebene Flutlicht ermöglichen es dem Verband, nun insbesondere auch die Abendstunden zu nutzen.

So bringt man es auf bis zu 200 Spiele pro Woche, von der Altersklasse der sechsjährigen Mädchen und Jungen bis hin zu Seniorenteams. Die Einsparungen bei der Stromrechnung summieren sich auf bis zu USD 70.000 pro Jahr. Ein solcher Betrag ist bei einem so kleinen Verband entscheidend dafür, ob die neuen Anlagen optimal genutzt oder gerade am Laufen gehalten werden können.

"Wir verfügen mittlerweile über eine Vollzeit-Nachwuchsakademie für Kinder im Alter von acht bis elf. Erstklassige internationale Trainer übernehmen die Betreuung der Spieler. Ohne die Einnahmen aus den Solarmodulen hätten wir ganz sicher enorme Probleme, die Ressourcen für ein derartiges Projekt aufzubringen", so Lai.

Und die Resultate sind unübersehbar. Guam hat nur knapp 180.000 Einwohner. Seit dem FIFA-Beitritt 1996 hat sich das kleine Land in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste von Platz 206 bis auf Platz 150 hochgearbeitet. Kürzlich gab es sogar die ersten Siege im Rahmen der WM-Qualifikation für Russland 2018: ein 1:0 gegen Turkmenistan und ein 2:1 gegen Indien. "Noch wichtiger: in den vergangenen 20 Jahren entwickelte sich der Fussball in der Beliebtheitsskala von Platz sieben bis auf Platz eins, was die Aktiven angeht", freut sich Lai.

Eigene TV-Produktion
Bei der Suche nach Möglichkeiten zur Erzielung nachhaltiger Einnahmen geht es nicht nur um finanzielle Unterstützung, sondern auch um die Bereitstellung von Expertenwissen zu deren Ermittlung und der praktischen Umsetzung. Diese Art der Unterstützung war auch in Tadschikistan entscheidend, wo der Fussballverband bis zum vergangenen April bei der Übertragung von Fussballspielen vom einzigen Übertragungswagen des Landes abhängig war, der sich im Besitz des öffentlichen Fernsehkanals befand und entsprechend häufig nicht zur Verfügung stand.

Im Rahmen des Win-Win-Programms unterstützte die FIFA den Ankauf eines eigenen Übertragungswagens für den Fussballverband von Tadschikistan und stellte auch die Berater zur Verfügung, die Mitarbeitern des Verbandes die Kenntnisse für die Produktion eigener Berichte vermittelten.

"Wir versuchen, praktisch umsetzbare Wege zu finden, um aufstrebenden Fussballnationen eine gute Entwicklung und größere finanzielle Unabhängigkeit zu ermöglichen, damit sie nach eigenem Ermessen selbst in den Fussball investieren können. Dies muss darüber hinaus gehen, den Verbänden einfach nur Geld oder Trainingsanlagen zur Verfügung zu stellen", so Daniel Krebs, Manager of Football Facilities and Income Generation Programmes bei der FIFA. "Von Anfang an beziehen wir Berater mit ein, führen Machbarkeitsstudien der einzelnen Projekte durch, verfolgen die Umsetzung und bieten Schulungen, sofern erforderlich. Die FIFA überwacht den gesamten Prozess und auch die finanziellen Ergebnisse."

Nach einem Jahr technischer Schulungen konnte der Fussballverband Tadschikistans am 8. September erstmals eine im eigenen Übertragungswagen und in Eigenregie produzierte Berichterstattung ausstrahlen, als die Mannschaft Australiens in Dushanbe zu Gast war. Das Spiel wurde nicht nur im ganzen Land von tadschikischen Fans verfolgt, sondern auch per Livestream im Internet übertragen. Zudem wurden die Medienrechte an das australische Fernsehen verkauft.

"Das war unser erstes Spiel nach internationalen Maßstäben und für uns ein historischer Moment", so Firuz Khasanov, der Marketing- und Kommunikationsdirektor des Verbandes. "Von nun an können wir die Spiele der nationalen Liga aufzeichnen, was bisher ohne eigenes Equipment nicht möglich war."

Die 28 bislang genehmigten Win-Win-Projekte decken ein breites Spektrum ab: von umfassender Unterstützung bei der Gründung einer Liga in der Dominikanischen Republik bis hin zu Bussen in Burkina Faso. Es gibt vielfältige Möglichkeiten, Mitgliedsverbänden zu helfen, ihr Potenzial zu nutzen und Einnahmen zu erzielen - Einnahmen, die sie in ihre eigene Entwicklung investieren können.