Entwicklung

Dacourt: "Ein Mittel, um Sorgen zu vergessen"

(FIFA.com)
France former football player Olivier Dacourt (L) and Zinedine Zidane (C)
© AFP

Die Organisation der verschiedenen FIFA Fussball-Weltmeisterschaften™ ist nur die sichtbare Spitze des Eisberges. Fernab vom Scheinwerferlicht widmet sich die FIFA das ganze Jahr über der Entwicklung des Fussballs auf der ganzen Welt. Die FIFA-Programme umfassen alle Varianten der "Königsdisziplin", vom Jugendfussball über den Frauenfussball bis hin zum Beach Soccer. Um die Bedeutung dieser Aktivitäten hervorzuheben, lässt FIFA.com regelmäßig eine Fussballpersönlichkeit zu Wort kommen, die sich in der Entwicklung engagiert.

Zum Auftakt dieser Interview-Reihe unterhielten wir uns mit Olivier Dacourt. Der ehemalige französische Nationalspieler (21 Einsätze) brillierte einst in der heimischen Meisterschaft ebenso wie bei klangvollen Klubs wie Leeds United, AS Rom oder Inter Mailand. Nach seinem Rücktritt vom aktiven Sport widmete er sich zwei Jahre lang anderen Tätigkeiten im Verlagswesen und mit einer Kunstgalerie, doch sein Schicksal bleibt eng mit dem Fussball verbunden.

Der ehrgeizige und großzügige Dacourt hat klare Vorstellungen von seiner Zukunft und sprach mit FIFA.com über seine Karriere, seine Umschulung, seine Wahrnehmung des aktuellen Fussballs und seiner Entwicklung.

Olivier Dacourt, wie verlief Ihr Werdegang als junger Fussballer? Unter welchen Bedingungen wurden Sie entdeckt?
Der Fussball ist für mich seit frühester Kindheit eine Leidenschaft. Ich fing in meinem Viertel Aulnay-Sous-Bois, im Norden von Paris, mit dem Fussballspielen an. Im Alter von 13 Jahren wurde ich zu Sichtungslehrgängen von Saint-Etienne und Racing Strasbourg eingeladen. Ich wählte Strasbourg, um in ihr Ausbildungszentrum zu kommen. Es war eine sehr schwere Zeit, das erste Mal, dass ich Paris verließ. Um die Widrigkeiten zu überstehen, dachte ich oft an mein Viertel. Was mich betrifft, ist es eine Schule des Lebens, ein großartiger Moment. In der Zeit meines Erfolgs gab mir dies Kraft. Bildung und Respekt sind der Reisepass für das Leben, das will ich meinen Kindern vermitteln.

Wie sehen Sie den Bereich Entwicklung, in dem die FIFA stark engagiert ist? Inwiefern ist er heutzutage unerlässlich?
Die Entwicklung des Fussballs ist eine Verpflichtung. Die Aktivitäten der FIFA in diesem Bereich sind unverzichtbar. Die finanzielle, technische und materielle Unterstützung der FIFA erweist sich als grundlegend, um Disziplinen wie Futsal, Beach Soccer oder den Frauenfussball sowie auch allgemein das Niveau aller Akteure, wie etwa Schiedsrichter und Trainer, zu verbessern. Sie ermöglicht es auch, in aufstrebenden Nationen durch die Entwicklung der Infrastruktur und von Lehrgängen zur Verbesserung des Fussballs beizutragen.

Apropos Frauenfussball: Kennen Sie den Gewinner der letzten FIFA Frauen-Weltmeisterschaft?
Japan! [lacht] Ich habe die Frauen-Weltmeisterschaft ein wenig verfolgt. Das Niveau der Mädchen ist teilweise beeindruckend. Die Paarungen sind attraktiv, es wird engagiert, spektakulär und offensiv gespielt. Es herrscht eine Ausgeglichenheit auf hohem Niveau. Der Frauenfussball hat Zukunft, sein Aufschwung ist wichtig. Man muss nur das Beispiel der französischen Frauen-Nationalmannschaft sehen und die Begeisterung, die während der Weltmeisterschaft um sie herrschte. Es ist nicht zu leugnen! Die französische Frauen-Nationalmannschaft hat einen neuen Status erreicht. Das Bild, das die Bleues abgegeben haben, entspricht den Erwartungen des Publikums. Die Menschen mögen das praktizierte Spiel, aber auch die Einstellung und Lebensfreude, die in dieser Mannschaft herrschen, und die Werte, die sie transportiert.

Viele ehemalige Profis haben sich im Beach Soccer engagiert. Haben Sie diese Disziplin jemals praktiziert?
Nein, leider hatte ich noch nicht die Gelegenheit. Von nun an habe ich etwas mehr Zeit. Es ist eine Disziplin, die sehr erfolgreich und in den Medien präsent ist. Sie lockt die Zuschauer an die schönsten Strände der Welt. Es ist ein leicht zugänglicher Sport, nicht teuer und praktisch ohne Zwänge. Ich weiß auch, dass eine Professionalisierung stattfindet. Ein mehrfacher Weltmeister wie Brasilien trifft auf ebenbürtige Gegner wie Portugal, Frankreich und Russland!

Ähnlich wie Beach Soccer entwickelt sich auch Futsal auf der ganzen Welt weiter. Wie denken Sie über diese Disziplin, die sich mitten im Aufschwung befindet?
Im Gegensatz zum Beach Soccer spiele ich von Zeit zu Zeit Futsal, vor allem mit meinen Kindern, die es lieben. Es ist ein anspruchsvoller Sport, man muss technisch stark sein, schnelle Pässe spielen und sich schnell bewegen. Deshalb ist es nicht erstaunlich, dass Brasilien und Spanien in dieser Disziplin dominieren. Der traditionelle spanische Fussball ist stark vom Futsal beeinflusst, wie man auch bei der letzten Weltmeisterschaft sehen konnte. Frankreich hat in diesen letzten Jahren Spielertypen bevorzugt, die athletisch und zweikampfstark sind. Mit dem Aufstieg des Futsal hat sich das geändert. Futsal findet allgemeine Zustimmung bei den Jugendlichen. Die Hallen sind auch im Winter voll. Ich sehe es um mich herum. Der Futsal sollte in den Fussballschulen vertieft werden, denn es ist eine perfekte Ergänzung für den Fussball: Stellungsspiel, Tempo und Fussballtechnik. Futsal ist auch ein exzellentes Mittel, um mit dem Fussball anzufangen, denn die Jungen lernen sofort die Grundlagen des Spiels, egal in welchem Land der Welt.

Wie hat sich der Fussball seit Ihren Anfängen verändert?
Der Fussball insgesamt bleibt gleich. Er entwickelt sich nur langsam. Dennoch ist er schneller geworden und die Spieler sind vielleicht kompletter. Eine der ersten Feststellungen betrifft den Körpereinsatz. Zu meiner Zeit, vor allem zu Beginn der 90er Jahre, waren die Kontakte zwischen den Spielern härter. Die Entwicklung der Schiedsrichterleistung fiel dann mit dieser Änderung der Spielweise zusammen. Die Polemiken über den Video-Einsatz tauchen jede Woche aufs Neue auf. Der Fussball hat mit dem massiven Auftreten von Kapital eine ganz andere Dimension erreicht, die Investitionen sind kolossal.

Welches sind die größten Unterschiede zwischen der Welt des professionellen Fussballs, den wir im Fernsehen betrachten, und der der Sonntagspartien, wo auch Sie sicherlich mal angefangen haben?
Alles geht viel schneller. Der Hauptunterschied ist die Herangehensweise an das Spiel. Als ich jünger war, war der Fussball ein Mittel, um die Sorgen zu vergessen, sich mit Freunden oder der Familie zu treffen, um stundenlang zu spielen. In der Profi-Welt gibt es mehr Zwänge. Es steht natürlich etwas ganz anderes auf dem Spiel. Der Druck ist allgegenwärtig, vor allem in den großen Klubs, die jeden Tag ein gutes Ergebnis abliefern müssen. Manchen Spielern gelingt es, sich vom professionellen Umfeld zu lösen, indem sie ein einfaches und möglichst effektives Spiel praktizieren. Ich denke insbesondere an Lionel Messi, der auf dem Platz immer so wirkt, als ob er auf dem Schulhof oder im Garten spielt. Das ist einfach beeindruckend! Ich habe dafür keine Worte. Doch für alle Spieler, ob internationaler Star oder nicht, ist die Freude, ein wichtiges Tor zu erzielen, das Größte. Und das wird sich nicht ändern.

Haben Sie selbst darüber nachgedacht, sich im Basisfussball zu engagieren? Wie stellen Sie sich ein Engagement vor?
Ich absolviere gerade eine Weiterbildung im "Centre de droit et d'économie du sport" (CDES) in Limoges. Ich bereite mich auf das Diplom eines Sportmanagers vor. Es ist eine Möglichkeit, mittendrin zu bleiben und mich für die Entwicklung des Fussballs zu engagieren. Nicht "an der Basis", sondern auf höherer Ebene, um Kompetenzen für die Arbeit in einem Klub, einer Liga oder eines Verbandes zu erlangen. Ich werden von nun an direkt oder indirekt mit dem Jugendfussball verbunden sein, mit der Ausbildung von jüngstem Alter an. Viele ehemalige Athleten wollen sich im Fussball engagieren. Zinedine Zidane und Eric Carrière zum Beispiel sind im gleichen Jahrgang wie ich.

Entwicklung

Dacourt: "Ein Mittel, um Sorgen zu vergessen"

(FIFA.com)
France former football player Olivier Dacourt (L) and Zinedine Zidane (C)
© AFP

Die Organisation der verschiedenen FIFA Fussball-Weltmeisterschaften™ ist nur die sichtbare Spitze des Eisberges. Fernab vom Scheinwerferlicht widmet sich die FIFA das ganze Jahr über der Entwicklung des Fussballs auf der ganzen Welt. Die FIFA-Programme umfassen alle Varianten der "Königsdisziplin", vom Jugendfussball über den Frauenfussball bis hin zum Beach Soccer. Um die Bedeutung dieser Aktivitäten hervorzuheben, lässt FIFA.com regelmäßig eine Fussballpersönlichkeit zu Wort kommen, die sich in der Entwicklung engagiert.

Zum Auftakt dieser Interview-Reihe unterhielten wir uns mit Olivier Dacourt. Der ehemalige französische Nationalspieler (21 Einsätze) brillierte einst in der heimischen Meisterschaft ebenso wie bei klangvollen Klubs wie Leeds United, AS Rom oder Inter Mailand. Nach seinem Rücktritt vom aktiven Sport widmete er sich zwei Jahre lang anderen Tätigkeiten im Verlagswesen und mit einer Kunstgalerie, doch sein Schicksal bleibt eng mit dem Fussball verbunden.

Der ehrgeizige und großzügige Dacourt hat klare Vorstellungen von seiner Zukunft und sprach mit FIFA.com über seine Karriere, seine Umschulung, seine Wahrnehmung des aktuellen Fussballs und seiner Entwicklung.

Olivier Dacourt, wie verlief Ihr Werdegang als junger Fussballer? Unter welchen Bedingungen wurden Sie entdeckt?
Der Fussball ist für mich seit frühester Kindheit eine Leidenschaft. Ich fing in meinem Viertel Aulnay-Sous-Bois, im Norden von Paris, mit dem Fussballspielen an. Im Alter von 13 Jahren wurde ich zu Sichtungslehrgängen von Saint-Etienne und Racing Strasbourg eingeladen. Ich wählte Strasbourg, um in ihr Ausbildungszentrum zu kommen. Es war eine sehr schwere Zeit, das erste Mal, dass ich Paris verließ. Um die Widrigkeiten zu überstehen, dachte ich oft an mein Viertel. Was mich betrifft, ist es eine Schule des Lebens, ein großartiger Moment. In der Zeit meines Erfolgs gab mir dies Kraft. Bildung und Respekt sind der Reisepass für das Leben, das will ich meinen Kindern vermitteln.

Wie sehen Sie den Bereich Entwicklung, in dem die FIFA stark engagiert ist? Inwiefern ist er heutzutage unerlässlich?
Die Entwicklung des Fussballs ist eine Verpflichtung. Die Aktivitäten der FIFA in diesem Bereich sind unverzichtbar. Die finanzielle, technische und materielle Unterstützung der FIFA erweist sich als grundlegend, um Disziplinen wie Futsal, Beach Soccer oder den Frauenfussball sowie auch allgemein das Niveau aller Akteure, wie etwa Schiedsrichter und Trainer, zu verbessern. Sie ermöglicht es auch, in aufstrebenden Nationen durch die Entwicklung der Infrastruktur und von Lehrgängen zur Verbesserung des Fussballs beizutragen.

Apropos Frauenfussball: Kennen Sie den Gewinner der letzten FIFA Frauen-Weltmeisterschaft?
Japan! [lacht] Ich habe die Frauen-Weltmeisterschaft ein wenig verfolgt. Das Niveau der Mädchen ist teilweise beeindruckend. Die Paarungen sind attraktiv, es wird engagiert, spektakulär und offensiv gespielt. Es herrscht eine Ausgeglichenheit auf hohem Niveau. Der Frauenfussball hat Zukunft, sein Aufschwung ist wichtig. Man muss nur das Beispiel der französischen Frauen-Nationalmannschaft sehen und die Begeisterung, die während der Weltmeisterschaft um sie herrschte. Es ist nicht zu leugnen! Die französische Frauen-Nationalmannschaft hat einen neuen Status erreicht. Das Bild, das die Bleues abgegeben haben, entspricht den Erwartungen des Publikums. Die Menschen mögen das praktizierte Spiel, aber auch die Einstellung und Lebensfreude, die in dieser Mannschaft herrschen, und die Werte, die sie transportiert.

Viele ehemalige Profis haben sich im Beach Soccer engagiert. Haben Sie diese Disziplin jemals praktiziert?
Nein, leider hatte ich noch nicht die Gelegenheit. Von nun an habe ich etwas mehr Zeit. Es ist eine Disziplin, die sehr erfolgreich und in den Medien präsent ist. Sie lockt die Zuschauer an die schönsten Strände der Welt. Es ist ein leicht zugänglicher Sport, nicht teuer und praktisch ohne Zwänge. Ich weiß auch, dass eine Professionalisierung stattfindet. Ein mehrfacher Weltmeister wie Brasilien trifft auf ebenbürtige Gegner wie Portugal, Frankreich und Russland!

Ähnlich wie Beach Soccer entwickelt sich auch Futsal auf der ganzen Welt weiter. Wie denken Sie über diese Disziplin, die sich mitten im Aufschwung befindet?
Im Gegensatz zum Beach Soccer spiele ich von Zeit zu Zeit Futsal, vor allem mit meinen Kindern, die es lieben. Es ist ein anspruchsvoller Sport, man muss technisch stark sein, schnelle Pässe spielen und sich schnell bewegen. Deshalb ist es nicht erstaunlich, dass Brasilien und Spanien in dieser Disziplin dominieren. Der traditionelle spanische Fussball ist stark vom Futsal beeinflusst, wie man auch bei der letzten Weltmeisterschaft sehen konnte. Frankreich hat in diesen letzten Jahren Spielertypen bevorzugt, die athletisch und zweikampfstark sind. Mit dem Aufstieg des Futsal hat sich das geändert. Futsal findet allgemeine Zustimmung bei den Jugendlichen. Die Hallen sind auch im Winter voll. Ich sehe es um mich herum. Der Futsal sollte in den Fussballschulen vertieft werden, denn es ist eine perfekte Ergänzung für den Fussball: Stellungsspiel, Tempo und Fussballtechnik. Futsal ist auch ein exzellentes Mittel, um mit dem Fussball anzufangen, denn die Jungen lernen sofort die Grundlagen des Spiels, egal in welchem Land der Welt.

Wie hat sich der Fussball seit Ihren Anfängen verändert?
Der Fussball insgesamt bleibt gleich. Er entwickelt sich nur langsam. Dennoch ist er schneller geworden und die Spieler sind vielleicht kompletter. Eine der ersten Feststellungen betrifft den Körpereinsatz. Zu meiner Zeit, vor allem zu Beginn der 90er Jahre, waren die Kontakte zwischen den Spielern härter. Die Entwicklung der Schiedsrichterleistung fiel dann mit dieser Änderung der Spielweise zusammen. Die Polemiken über den Video-Einsatz tauchen jede Woche aufs Neue auf. Der Fussball hat mit dem massiven Auftreten von Kapital eine ganz andere Dimension erreicht, die Investitionen sind kolossal.

Welches sind die größten Unterschiede zwischen der Welt des professionellen Fussballs, den wir im Fernsehen betrachten, und der der Sonntagspartien, wo auch Sie sicherlich mal angefangen haben?
Alles geht viel schneller. Der Hauptunterschied ist die Herangehensweise an das Spiel. Als ich jünger war, war der Fussball ein Mittel, um die Sorgen zu vergessen, sich mit Freunden oder der Familie zu treffen, um stundenlang zu spielen. In der Profi-Welt gibt es mehr Zwänge. Es steht natürlich etwas ganz anderes auf dem Spiel. Der Druck ist allgegenwärtig, vor allem in den großen Klubs, die jeden Tag ein gutes Ergebnis abliefern müssen. Manchen Spielern gelingt es, sich vom professionellen Umfeld zu lösen, indem sie ein einfaches und möglichst effektives Spiel praktizieren. Ich denke insbesondere an Lionel Messi, der auf dem Platz immer so wirkt, als ob er auf dem Schulhof oder im Garten spielt. Das ist einfach beeindruckend! Ich habe dafür keine Worte. Doch für alle Spieler, ob internationaler Star oder nicht, ist die Freude, ein wichtiges Tor zu erzielen, das Größte. Und das wird sich nicht ändern.

Haben Sie selbst darüber nachgedacht, sich im Basisfussball zu engagieren? Wie stellen Sie sich ein Engagement vor?
Ich absolviere gerade eine Weiterbildung im "Centre de droit et d'économie du sport" (CDES) in Limoges. Ich bereite mich auf das Diplom eines Sportmanagers vor. Es ist eine Möglichkeit, mittendrin zu bleiben und mich für die Entwicklung des Fussballs zu engagieren. Nicht "an der Basis", sondern auf höherer Ebene, um Kompetenzen für die Arbeit in einem Klub, einer Liga oder eines Verbandes zu erlangen. Ich werden von nun an direkt oder indirekt mit dem Jugendfussball verbunden sein, mit der Ausbildung von jüngstem Alter an. Viele ehemalige Athleten wollen sich im Fussball engagieren. Zinedine Zidane und Eric Carrière zum Beispiel sind im gleichen Jahrgang wie ich.

Entwicklung

Dacourt: "Ein Mittel, um Sorgen zu vergessen"

(FIFA.com)
France former football player Olivier Dacourt (L) and Zinedine Zidane (C)
© AFP

Die Organisation der verschiedenen FIFA Fussball-Weltmeisterschaften™ ist nur die sichtbare Spitze des Eisberges. Fernab vom Scheinwerferlicht widmet sich die FIFA das ganze Jahr über der Entwicklung des Fussballs auf der ganzen Welt. Die FIFA-Programme umfassen alle Varianten der "Königsdisziplin", vom Jugendfussball über den Frauenfussball bis hin zum Beach Soccer. Um die Bedeutung dieser Aktivitäten hervorzuheben, lässt FIFA.com regelmäßig eine Fussballpersönlichkeit zu Wort kommen, die sich in der Entwicklung engagiert.

Zum Auftakt dieser Interview-Reihe unterhielten wir uns mit Olivier Dacourt. Der ehemalige französische Nationalspieler (21 Einsätze) brillierte einst in der heimischen Meisterschaft ebenso wie bei klangvollen Klubs wie Leeds United, AS Rom oder Inter Mailand. Nach seinem Rücktritt vom aktiven Sport widmete er sich zwei Jahre lang anderen Tätigkeiten im Verlagswesen und mit einer Kunstgalerie, doch sein Schicksal bleibt eng mit dem Fussball verbunden.

Der ehrgeizige und großzügige Dacourt hat klare Vorstellungen von seiner Zukunft und sprach mit FIFA.com über seine Karriere, seine Umschulung, seine Wahrnehmung des aktuellen Fussballs und seiner Entwicklung.

Olivier Dacourt, wie verlief Ihr Werdegang als junger Fussballer? Unter welchen Bedingungen wurden Sie entdeckt?
Der Fussball ist für mich seit frühester Kindheit eine Leidenschaft. Ich fing in meinem Viertel Aulnay-Sous-Bois, im Norden von Paris, mit dem Fussballspielen an. Im Alter von 13 Jahren wurde ich zu Sichtungslehrgängen von Saint-Etienne und Racing Strasbourg eingeladen. Ich wählte Strasbourg, um in ihr Ausbildungszentrum zu kommen. Es war eine sehr schwere Zeit, das erste Mal, dass ich Paris verließ. Um die Widrigkeiten zu überstehen, dachte ich oft an mein Viertel. Was mich betrifft, ist es eine Schule des Lebens, ein großartiger Moment. In der Zeit meines Erfolgs gab mir dies Kraft. Bildung und Respekt sind der Reisepass für das Leben, das will ich meinen Kindern vermitteln.

Wie sehen Sie den Bereich Entwicklung, in dem die FIFA stark engagiert ist? Inwiefern ist er heutzutage unerlässlich?
Die Entwicklung des Fussballs ist eine Verpflichtung. Die Aktivitäten der FIFA in diesem Bereich sind unverzichtbar. Die finanzielle, technische und materielle Unterstützung der FIFA erweist sich als grundlegend, um Disziplinen wie Futsal, Beach Soccer oder den Frauenfussball sowie auch allgemein das Niveau aller Akteure, wie etwa Schiedsrichter und Trainer, zu verbessern. Sie ermöglicht es auch, in aufstrebenden Nationen durch die Entwicklung der Infrastruktur und von Lehrgängen zur Verbesserung des Fussballs beizutragen.

Apropos Frauenfussball: Kennen Sie den Gewinner der letzten FIFA Frauen-Weltmeisterschaft?
Japan! [lacht] Ich habe die Frauen-Weltmeisterschaft ein wenig verfolgt. Das Niveau der Mädchen ist teilweise beeindruckend. Die Paarungen sind attraktiv, es wird engagiert, spektakulär und offensiv gespielt. Es herrscht eine Ausgeglichenheit auf hohem Niveau. Der Frauenfussball hat Zukunft, sein Aufschwung ist wichtig. Man muss nur das Beispiel der französischen Frauen-Nationalmannschaft sehen und die Begeisterung, die während der Weltmeisterschaft um sie herrschte. Es ist nicht zu leugnen! Die französische Frauen-Nationalmannschaft hat einen neuen Status erreicht. Das Bild, das die Bleues abgegeben haben, entspricht den Erwartungen des Publikums. Die Menschen mögen das praktizierte Spiel, aber auch die Einstellung und Lebensfreude, die in dieser Mannschaft herrschen, und die Werte, die sie transportiert.

Viele ehemalige Profis haben sich im Beach Soccer engagiert. Haben Sie diese Disziplin jemals praktiziert?
Nein, leider hatte ich noch nicht die Gelegenheit. Von nun an habe ich etwas mehr Zeit. Es ist eine Disziplin, die sehr erfolgreich und in den Medien präsent ist. Sie lockt die Zuschauer an die schönsten Strände der Welt. Es ist ein leicht zugänglicher Sport, nicht teuer und praktisch ohne Zwänge. Ich weiß auch, dass eine Professionalisierung stattfindet. Ein mehrfacher Weltmeister wie Brasilien trifft auf ebenbürtige Gegner wie Portugal, Frankreich und Russland!

Ähnlich wie Beach Soccer entwickelt sich auch Futsal auf der ganzen Welt weiter. Wie denken Sie über diese Disziplin, die sich mitten im Aufschwung befindet?
Im Gegensatz zum Beach Soccer spiele ich von Zeit zu Zeit Futsal, vor allem mit meinen Kindern, die es lieben. Es ist ein anspruchsvoller Sport, man muss technisch stark sein, schnelle Pässe spielen und sich schnell bewegen. Deshalb ist es nicht erstaunlich, dass Brasilien und Spanien in dieser Disziplin dominieren. Der traditionelle spanische Fussball ist stark vom Futsal beeinflusst, wie man auch bei der letzten Weltmeisterschaft sehen konnte. Frankreich hat in diesen letzten Jahren Spielertypen bevorzugt, die athletisch und zweikampfstark sind. Mit dem Aufstieg des Futsal hat sich das geändert. Futsal findet allgemeine Zustimmung bei den Jugendlichen. Die Hallen sind auch im Winter voll. Ich sehe es um mich herum. Der Futsal sollte in den Fussballschulen vertieft werden, denn es ist eine perfekte Ergänzung für den Fussball: Stellungsspiel, Tempo und Fussballtechnik. Futsal ist auch ein exzellentes Mittel, um mit dem Fussball anzufangen, denn die Jungen lernen sofort die Grundlagen des Spiels, egal in welchem Land der Welt.

Wie hat sich der Fussball seit Ihren Anfängen verändert?
Der Fussball insgesamt bleibt gleich. Er entwickelt sich nur langsam. Dennoch ist er schneller geworden und die Spieler sind vielleicht kompletter. Eine der ersten Feststellungen betrifft den Körpereinsatz. Zu meiner Zeit, vor allem zu Beginn der 90er Jahre, waren die Kontakte zwischen den Spielern härter. Die Entwicklung der Schiedsrichterleistung fiel dann mit dieser Änderung der Spielweise zusammen. Die Polemiken über den Video-Einsatz tauchen jede Woche aufs Neue auf. Der Fussball hat mit dem massiven Auftreten von Kapital eine ganz andere Dimension erreicht, die Investitionen sind kolossal.

Welches sind die größten Unterschiede zwischen der Welt des professionellen Fussballs, den wir im Fernsehen betrachten, und der der Sonntagspartien, wo auch Sie sicherlich mal angefangen haben?
Alles geht viel schneller. Der Hauptunterschied ist die Herangehensweise an das Spiel. Als ich jünger war, war der Fussball ein Mittel, um die Sorgen zu vergessen, sich mit Freunden oder der Familie zu treffen, um stundenlang zu spielen. In der Profi-Welt gibt es mehr Zwänge. Es steht natürlich etwas ganz anderes auf dem Spiel. Der Druck ist allgegenwärtig, vor allem in den großen Klubs, die jeden Tag ein gutes Ergebnis abliefern müssen. Manchen Spielern gelingt es, sich vom professionellen Umfeld zu lösen, indem sie ein einfaches und möglichst effektives Spiel praktizieren. Ich denke insbesondere an Lionel Messi, der auf dem Platz immer so wirkt, als ob er auf dem Schulhof oder im Garten spielt. Das ist einfach beeindruckend! Ich habe dafür keine Worte. Doch für alle Spieler, ob internationaler Star oder nicht, ist die Freude, ein wichtiges Tor zu erzielen, das Größte. Und das wird sich nicht ändern.

Haben Sie selbst darüber nachgedacht, sich im Basisfussball zu engagieren? Wie stellen Sie sich ein Engagement vor?
Ich absolviere gerade eine Weiterbildung im "Centre de droit et d'économie du sport" (CDES) in Limoges. Ich bereite mich auf das Diplom eines Sportmanagers vor. Es ist eine Möglichkeit, mittendrin zu bleiben und mich für die Entwicklung des Fussballs zu engagieren. Nicht "an der Basis", sondern auf höherer Ebene, um Kompetenzen für die Arbeit in einem Klub, einer Liga oder eines Verbandes zu erlangen. Ich werden von nun an direkt oder indirekt mit dem Jugendfussball verbunden sein, mit der Ausbildung von jüngstem Alter an. Viele ehemalige Athleten wollen sich im Fussball engagieren. Zinedine Zidane und Eric Carrière zum Beispiel sind im gleichen Jahrgang wie ich.