Der 9. Juli 2011 war ein historisches Datum für den Südsudan. An jenem Tag erklärte das Land offiziell seine Unabhängigkeit. Am 25. Mai des darauffolgenden Jahres wurde die junge Nation als offizielles FIFA-Mitglied aufgenommen. Am 10. Juli schließlich, gut ein Jahr nach der Unabhängigkeit, konnte ein weiterer Meilenstein erreicht werden – das erste offizielle Fussballspiel mit einem eigenen Nationalteam.

Die Partie fand in der südsudanesischen Hauptstadt Juba vor einer Kulisse von 22.000 begeisterten Zuschauern statt. Gegner war Uganda, Meister des Verbandes Ost- und Zentralafrikanischer Länder (CECAFA). Die Südsudanesen holten zwei Mal einen Rückstand auf und erspielten sich schließlich ein 2:2-Unentschieden. "Gegen eine renommierte Mannschaft wie Uganda zu spielen und ein Unentschieden zu holen, ist ein sehr guter Anfang", freute sich Südsudans serbischer Nationaltrainer Zoran Djordjevic.

Doch auch über das Spiel hinaus bestätigte dieser Tag, dass sich Südsudan immer besser in die Welt des Fussballs integriert. Im Vorfeld waren intensive Infrastrukturmaßnahmen sowie die Zusammenarbeit zwischen FIFA, CAF und den Funktionären in Südsudan nötig gewesen, um zu gewährleisten, dass das Land für einen solch großen Schritt bereit war.

"Wir hatten viele Gespräche mit der FIFA und unserer Regierung darüber, wie man den Fussball im Allgemeinen in unserem Land am besten entwickeln könnte. Unsere oberste Priorität wird die Gründung unserer nationalen Liga und die Beantragung von Entwicklungsprojekten sein, mit denen wir Fussballschulen finanzieren und Stadien verbessern können", so der Präsident des südsudanesischen Verbandes (SSFA) Chabur Goc Alei vor wenigen Wochen im Gespräch mit FIFA World, dem offiziellen FIFA-Magazin.

Die ersten Entwicklungsmaßnahmen wurden Ende 2011 getroffen. Es gab vorbereitende Gespräche zwischen dem CAF-Präsidenten Issa Hayatou und Vertretern dem gerade neu gegründeten SSFA. Gefolgt wurden diese dann im Januar 2012 von verschiedenen Tätigkeiten unter der Beteiligung der FIFA und der CAF.

Es wurden Treffen mit den wichtigsten Funktionären abgehalten, und aus allen Landesteilen wurden Mitglieder der Fussballgemeinschaft zu einem Gründungskongress einberufen. Diese verabschiedeten am 4. Februar 2012 eine Satzung, die in Einklang mit den Anforderungen der FIFA steht. Die SSFA verabschiedete außerdem ein Wahlgesetz und wählte die Mitglieder des Wahlausschusses und des Wahlberufungsausschusses.

Die Entwicklung nimmt ihren Lauf
Die CAF beschloss am 10. Februar 2012 im Rahmen des CAF-Kongresses in Libreville die Aufnahme der SSFA, die somit zum 54. CAF-Mitglied wurde. Am 30. April 2012 wurde schließlich die Wahl der neuen Amtsträger abgehalten. In jeder Entwicklungsphase waren die Mitglieder der FIFA-Division Mitgliedsverbände und Entwicklung eingebunden und arbeiteten mit der SSFA zusammen.

Die SSFA unterbreitete der FIFA zudem einen Aufnahmeantrag, dem damals allerdings nicht stattgegeben werden konnte, da die damalige Satzung der FIFA voraussetzte, dass ein Verband vor seiner Aufnahme zwei Jahre lang Mitglied in einer Konföderation gewesen sein musste. Diese Regelung wurde jedoch beim letzten FIFA-Kongress in Budapest geändert, so dass die zweijährige Wartefrist umgangen werden konnte. Diese Maßnahme kam dem südsudanesischen Fussballverband umgehend zugute, der daraufhin als 209. FIFA-Mitglied aufgenommen wurde.

Vor kurzem besuchte eine Delegation der FIFA Juba im Rahmen einer Entwicklungsmission, um Projekte und Tätigkeiten zu festzulegen, die in den folgenden Wochen und Monaten von der FIFA unterstützt werden. "Die Mitgliedschaft des südsudanesischen Fussballverbandes in der FIFA ist ein großartiger erster Schritt. Meiner Meinung nach ist es aber noch großartiger zu sehen, dass sich die Dinge seitdem rasch weiterentwickeln, sowohl auf dem Rasen wie auch abseits davon. Darum geht es im Fussball", unterstrich Thierry Regenass, Direktor der FIFA-Division Mitgliedsverbände und Entwicklung.