Führende internationale Sportexperten des IOC, der FIFA und weiterer internationaler Sportverbände trafen sich am 1. und 2. November 2012 im Home of FIFA in Zürich zur 4. Internationalen Konsenskonferenz zum Thema Gehirnerschütterung. Die zweitägige Veranstaltung sollte der Diskussion dienen mit dem Ziel, einen Konsens über die beste Vorgehensweise zur Behandlung und Vorbeugung von Gehirnerschütterungen im Sport zu finden.

Professor Jiri Dvorak, medizinischer Leiter der FIFA, sagte: "Wir erwarten, einige möglichst praktische, einfache und leicht zu handhabende Mittel zu entwickeln, welche für die Trainer und die Sanitäter am Spielfeldrand und im Basisfussball, wo es wenig medizinische Versorgung gibt, geeignet sind. Wir versuchen also, einfache Lehrmaterialien für alle im Fussball Beteiligten zu entwickeln und diese über die FIFA Entwicklungsprogramme zu verbreiten. Mithilfe einflussreicher Partner wie der FIFA, dem IIHF, dem IRB, dem Reitverband und dem IOC können wir eine große Wirkung erzielen."

"Die vorangegangenen drei Konferenzen zum Thema Gehirnerschütterung gaben die Anregung, wissenschaftliche Studien durchzuführen. Mit deren Hilfe konnten wir den International Football Association Board davon überzeugen, die Regeln anzupassen und Vorfälle, die zu Gehirnerschütterung führen können, wie etwa Ellbogenstöße gegen den Kopf, mit einer Roten Karte zu bestrafen. Dies führte zu einem signifikanten Rückgang von Gehirnerschütterungen. Wenn wir die FIFA Fussball-Weltmeisterschaften 2002 und 2010 vergleichen, trugen wir dazu bei, die Häufigkeit von Gehirnerschütterungen und Kopfverletzungen um die Hälfte zu reduzieren."

Die Gehirnerschütterung ist eine der am häufigsten vorkommenden Sportverletzungen, die zu ernsthaften langfristigen Folgen für die Gesundheit der Athleten führen kann. Bisher wurde sie aber häufig nicht angemessen diagnostiziert und behandelt. Inzwischen ist sie als eine sehr ernsthafte Gesundheitsgefährdung anerkannt, und viele der wichtigsten Sportverbände ergreifen Maßnahmen, um die Athleten vor den negativen Folgen zu schützen und sicherzustellen, dass sich die Spieler nach einem Zwischenfall adäquat erholen.

"Viele der 204 Sportarten unter dem Dach des IOC haben Probleme mit Kopfverletzungen, und deshalb versuchen wir, einen größeren finanziellen Aufwand für die Forschung in diesem Bereich zu betreiben. Denn wir versuchen, diese Wissenslücken zu schließen - und deshalb veranstalten wir diese Konferenzen", sagte Lars Engebretsen, Leiter Wissenschaft und Forschung beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC).

Bob Cantu, medizinischer Leiter des National Center for Catastrophic Sports Injury Research in North Carolina, stimmte dem zu: "Das Problem der Gehirnerschütterung existiert schon länger, doch die Bedeutung dieser Kopfverletzung zu erkennen, war der Schlüssel. Seit wir uns vor vier Jahren zum ersten Mal hier getroffen haben, ist die Wertschätzung für die Handhabung, Erkennung, Behandlung und Vorbeugung stark gestiegen, und mit dieser Konferenz hat die FIFA eine führende Rolle dabei gespielt."

Auf der von der FIFA organisierten Konferenz trafen sich Vertreter von IOC, NFL, NHL, IRB, IIHF, FEI und der australischen Football League, um ihre Erfahrungen und neue Ideen zur Prävention, Erkennung und zu Behandlungsmethoden auszutauschen. Das Ziel ist, einen gemeinsamen Ansatz für die Behandlung eines Problems, das sowohl für Profi- wie für Amateursportler sehr ernste Folgen haben kann, zu finden.

Die Themen, die besprochen wurden, betreffen die Feststellung einer Gehirnerschütterung am Spielfeldrand, Diagnose und Rückkehr aufs Spielfeld, die Behandlung schwerwiegender Fälle, die Behandlung von Gehirnerschütterungen bei Kindern, langfristige Probleme sowie Wissenstransfer und Aufklärung.

Dr. Karen Johnston, auf Gehirnverletzungen spezialisierte Neurochirurgin aus Toronto, ist der Meinung, dass der Wissenstransfer grundlegend ist. Sie sagte: "Die Wissenschaft hilft uns, immer mehr zu verstehen, dass das Gehirn im Falle einer Gehirnerschütterung gestört ist, und dass es zweifellos zu funktionalen Problemen der Gehirntätigkeit kommt. Sehr oft sehen wir Athleten, die zusätzlich zu ihren Kopfverletzungen Stimmungsschwankungen unterworfen sind und Probleme damit haben, in ihre gewohnte Arbeits- und Sportwelt zurückzukehren."

"Wir lernen, dass Athleten einen vielschichtigen Behandlungsansatz brauchen, um wieder in die Normalität zurückzukehren. Bei einer Gehirnerschütterung müssen viele verschiedene Menschen konsultiert werden, um das beste Ergebnis für den Athleten zu erzielen, und diese Konferenz zum Thema Gehirnerschütterung reicht über diese Grenzen der jeweiligen Fachkenntnisse hinaus."

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