Medizin

Singh: Fussball im Kampf für die Gesundheit

(FIFA.com)
Singh: Fussball im Kampf für die Gesundheit

Dr. Dato Gurcharan Singh, Medizinischer Leiter der asiatischen Fussballkonföderation AFC und anerkannter Experte auf dem Gebiet der Sportmedizin in Asien, ist in Myanmar zur Delegation der FIFA gestoßen, die die Umsetzung des FIFA-Programms "11 für die Gesundheit" in Angriff nimmt.

Im folgenden Interview mit FIFA.com nennt Singh die größten gesundheitlichen Probleme in Myanmar und erläutert, wie der Fussball einen konkreten Beitrag im Kampf gegen einige dieser Probleme leisten kann.

*Dr. Singh, können Sie uns sagen, welches die drängendsten gesundheitlichen Probleme in Myanmar sind und welche insbesondere die jungen Menschen betreffen? *Die epidemiologischen Daten in Myanmar sind unvollständig und unzuverlässig und spiegeln nicht die tatsächliche Situation im Land wider. Fest steht allerdings, dass Mangelernährung in Kombination mit unzureichenden Hygienepraktiken insbesondere bei jungen Menschen zu häufigem Vorkommen von übertragbaren Krankheiten führt, beispielsweise Durchfallerkrankungen, Infektionen der oberen Atemwege, Hörstörungen, Dengue-Fieber und Malaria. Die Umsiedlung zahlreicher Menschen im Land hat zu sozio-ökonomischen Problemen geführt, die wiederum Rauchen, Drogenmissbrauch und unsichere Sexualpraktiken nach sich ziehen.

*Welchen Entwicklungsstand hat das Gesundheitswesen in Myanmar? *Dazu gibt es nicht viele verlässliche Informationen. Aufgrund der politischen und sozio-ökonomischen Gegebenheiten war es in der Vergangenheit kaum möglich, die verschiedenen Gesundheitsprogramme und -systeme der Regierung umzusetzen. Doch mittlerweile nimmt sich die Regierung der Gesundheitsproblematik intensiv an und hat eine neue nationale Gesundheitspolitik auf den Weg gebracht, die von 2011 bis 2016 umgesetzt werden soll.

*Welches sind die größten Probleme, wenn in solchen Ländern das Gesundheitssystem verbessert werden soll? *Ausbildung und professionelle Umsetzung durch Experten sind die Grundpfeiler für ein besseres Gesundheitssystem mit Unterstützung und Koordination der entsprechenden Behörden und Einrichtungen (Regierungsagenturen, Privatunternehmen und Nichtregierungsorganisationen). Es bedarf konzertierter und kollektiver Anstrengungen, um die Herzen und die Köpfe der Geber und der Empfänger zu gewinnen.

*Wie kann ein fussballbezogenes Programm zur Verbesserung der gesundheitlichen Situation im Land beitragen? *Fussball ist die populärste Sportart in Myanmar und gleichzeitig ein Gegenmittel gegen die meisten schädlichen Gewohnheiten, insbesondere bei den jungen Bevölkerungsgruppen. Wissenschaftliche Daten zeigen, dass die Chancen für Veränderungen im Alter von zwölf bis 14 Jahren am besten sind. Der Fussball ist ein bestens geeignetes Medium, das Empfänglichkeit, Enthusiasmus und Fortschritte in Richtung positiver Veränderungen bei den täglichen Maßnahmen der Gesundheitsvorsorge in der Bevölkerung stark verbessert. In der Schule erworbene Kenntnisse beeinflussen bei häuslicher Anwendung und Umsetzung die ganze Familie und das Umfeld.

So entfaltet der Fussball über die rein schulische Umgebung hinaus bis weit in die Bevölkerung hinein seine positiven Auswirkungen - bei geringem Aufwand und hohem Nutzen. Die Botschaften des FIFA-Programms "11 für die Gesundheit" sprechen die wichtigsten Probleme an, denen die junge Bevölkerung gegenübersteht, beispielsweise Hygiene, unsichere Sexualpraktiken, Drogenmissbrauch, ungesunde Ernährung, Kampf gegen Malaria und Dengue-Fieber. Der Fussball wird für die Regierungsbehörden zu einem unpolitischen Partner und trägt zum Erreichen des gemeinsamen Zieles einer besseren Zukunft für die Jugend des Landes bei. Da sich das Land nun dem Rest der Welt öffnet, ist dies die beste Wahl und genau der richtige Zeitpunkt für die Umsetzung. Man muss der FIFA gratulieren angesichts des Weitblicks, dass der Fussball denjenigen Hoffnung und Veränderungen bringt, die es am dringendsten benötigen.

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