Entwicklung

Hagi: "Fussball ist überall"

(FIFA.com)
Gheorghe Hagi during the UEFA Europa League trophy handover ceremony in April 2012.
© Getty Images

Wo auch immer er spielte, Gheorghe Hagi hinterließ überall Spuren. Er gilt als bester rumänischer Fussballer aller Zeiten und hatte das Privileg, für beide spanische Topklubs zu spielen - für Real Madrid und den FC Barcelona.

Seine erfolgreichsten Jahre verbrachte er jedoch bei Steaua Bukarest, beim türkischen Spitzenklub Galatasaray Istanbul sowie in der rumänischen Nationalmannschaft. Hagi, ein außerordentlich talentierter, kreativer und technisch versierter Spieler, gilt zu Recht als eines der größten Talente seiner Generation.

Technik setzt sich immer gegen Kraft durch. Heute neigt man dazu, sowohl auf die individuelle Technik der Spieler als auch auf die Taktik zu setzen, die auf der Technik des Kollektivs basiert.

Im Rahmen einer Interview-Reihe mit Spielern, die maßgeblichen Anteil an der Weiterentwicklung des Fussballsports hatten, unterhielt sich FIFA.com exklusiv mit dieser rumänischen Legende über seine großartige Karriere und seine zukünftige Rolle im Fussball.

*Herr Hagi, können Sie uns etwas über die Anfänge Ihrer Karriere erzählen? Wie wurden Sie entdeckt? *Nun, ich spiele bereits Fussball, solange ich denken kann. Als ich drei Jahre alt war, meldeten mich meine Eltern auf Empfehlung der Schule bei einem Fussballverein in Constanta an. Im Alter von elf Jahren war ich bereits bei einem professionellen Turnier, der so genannten "Cupa Sperantei", dabei, wo ich zwei Mal in Folge zum besten Spieler gewählt und Torschützenkönig wurde.

*Was halten Sie von der Entwicklung des heutigen Fussballs und vom Engagement der FIFA? Spielt der Weltfussballverband eine wichtige Rolle? *Jedes von der FIFA zur Förderung des Fussballsports in weniger gut entwickelten Regionen organisierte Programm ist eine gute und willkommene Initiative, die in den betroffenen Gemeinden ein grundlegendes Element darstellt. Das Engagement der FIFA für Gleichheit, Fairplay und die Globalisierung des Fussballs ist bewundernswert.

*Was halten Sie vom Frauenfussball? *Die Qualität nimmt von Turnier zu Turnier zu. Es ist seltsam, aber gleichermaßen großartig für uns Männer, verfolgen zu können, wie Frauen spielen und sich weiterentwickeln.

*Der eine oder andere ehemalige Profi versuchte sich im Beach Soccer. Haben Sie ebenfalls Erfahrung damit? *Ich bewundere die Spieler, die diese Sportart praktizieren. Nach dem Ende meiner Profi-Karriere nahm ich auch an einigen Beach-Soccer-Turnieren teil. Da ich an der Küste geboren wurde, bin ich damit natürlich vertraut. Heute ist Beach Soccer überall präsent.

*Aber auch Futsal verbreitet sich in allen Teilen der Welt. Was halten Sie von dieser rasanten Verbreitung? *Wie ich bereits sagte, Fussball ist überall: in der Halle, auf dem Rasen, auf der Straße, auf Kunstrasenplätzen. Fussball hat sich zu einer regelrechten Religion entwickelt.

*Im Laufe Ihrer Karriere haben Sie bei zahlreichen Klubs gespielt, doch seit dem Beginn Ihrer Laufbahn hat sich der Fussball enorm weiterentwickelt. Wie sehen Sie den modernen Fussball von heute? *Technik setzt sich immer gegen Kraft durch. Heute neigt man dazu, sowohl auf die individuelle Technik der Spieler als auch auf die Taktik zu setzen, die auf der Technik des Kollektivs basiert.

*Wie kann ein Spieler ähnliche Erfolge erreichen wie Sie? *Mit viel Geduld und Hartnäckigkeit, und indem man eine Mannschaft findet, die an einem glaubt, in der man regelmäßig zum Einsatz kommt und die einem dabei hilft, zu wachsen und stets auf dem Boden zu bleiben.

*Sie dienten vielen Youngsters als Vorbild. Wer waren eigentlich Ihre Idole, als Sie jung waren? *Als ich ein Kind war, konnten wir nicht sehr viele internationale Spiele sehen, doch ich wusste damals, dass der beste Spieler Johan Cruyff war. Als ich 1994 zum FC Barcelona wechselte, war er dort Trainer. Ich bin nur wegen ihm nach Spanien gegangen. Es war eine großartige Erfahrung, obwohl ich nicht immer spielte. Als ich mit ihm arbeitete, konnte ich mein ganzes Potenzial entfalten. Er war einfach großartig - der Beste. Der Rumäne, den ich als Kind am meisten bewunderte, war [Anghel] Iordanescu, ein Kreativspieler, der ebenfalls ein Linksfuß war. Später war er mein Trainer bei Steaua Bukarest und schließlich auch in der Nationalmannschaft, was ein unbeschreibliches Erlebnis war.

*Was sind die größten Unterschiede zwischen Profi- und Amateur-Fussball? *Qualität in allen Belangen: von der Organisation über die Spieler bis hin zur Medienpräsenz.

*Inwiefern beteiligen Sie sich an der Fussballausbildung? *Ich habe in Rumänien ein einzigartiges Projekt auf die Beine gestellt, die Gheorghe Hagi Soccer Academy. Ich habe in die Infrastruktur investiert und eine spezielle Trainingsanlage mit acht Fussballplätzen, Unterkünften und Speisesälen für die Spieler errichtet. Die Akademie betreut etwa 280 Spieler aller Altersgruppen, und 66 davon nehmen an unserem Sport/Unterkunft/Schule-Programm teil. Nur drei Jahre nach der Gründung der Akademie war sie bereits das beste Trainingszentrum Rumäniens für alle Altersstufen und brachte nicht weniger als 22 Nationalspieler hervor.

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